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„Rollende Bombe“ liefert sich Verfolgungsjagd mit der Polizei

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Von: Christoph Agel

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Der Polizei ist in Hessen ein Schlag gegen die Automatensprenger-Szene gelungen. (Symbolfoto)
Der Polizei ist in Hessen ein Schlag gegen die Automatensprenger-Szene gelungen. (Symbolfoto) © K. Schmitt/Fotostand/Imago

Eine Verfolgungsjagd von Nordrhein-Westfalen bis in die Wetterau, drei Festnahmen und eine kontrollierte Sprengung im Feld - der Polizei ist ein Schlag gegen die Geldautomaten-Sprenger-Szene gelungen.

Bad Nauheim – Wer am Mittwoch (30.03.2022) in Bad Nauheim einen lauten Knall gehört und sich gefragt hat, was das war, erfährt nun: Es war eine Sprengstoff-Explosion im Feld bei Nieder-Mörlen, kontrolliert vorgenommen von Sprengtechnikern der Polizei Rheinland-Pfalz. So mancher Ermittler dürfte aufgeatmet haben, denn mit dieser Explosion ging ein Einsatz zu Ende, der es in sich hatte.

Kurz vor dem Knall hatte die Polizei am Ortsrand von Nieder-Mörlen drei Männer aus den Niederlanden festgenommen, die beschuldigt werden, die Sprengung eines Geldautomaten vorbereitet zu haben. Welchen Automaten das Trio konkret im Visier hatte, konnte Virginie Wegner, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA), am Freitag (01.04.2022) auf Nachfrage dieser Zeitung nicht sagen. Eines aber ist sicher: In dem Fahrzeug befanden sich zwei Sprengvorrichtungen und Sprengwerkzeug.

Wetterau: Niederländer für weitere Geldautomaten-Sprengungen verantwortlich?

Inwiefern die drei Festgenommenen, zwischen 25 und 31 Jahre alte niederländische Staatsbürger, womöglich auch für Automaten-Sprengungen in den vergangenen Monaten in der Wetterau* und darüber hinaus verantwortlich gewesen sein könnten, das gelte es nun herauszufinden, wie Wegner sagte. In der jüngeren Vergangenheit sind in der Wetterau und im Landkreis Gießen zahlreiche Geldautomaten gesprengt worden, die Sparkasse Oberhessen sperrte daraufhin sämtliche SB-Bereiche in den Nachtstunden.

Wie das LKA in Wiesbaden und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mitteilen, ist ihnen gemeinsam mit dem Polizeipräsidium Mittelhessen am Mittwoch die Festnahme der drei Männer gelungen. Der Hinweis sei von den Kollegen aus den Niederlanden gekommen, Polizisten aus Nordrhein-Westfalen hätten in der Nacht auf Mittwoch die Verfolgung aufgenommen, sagte LKA-Sprecherin Wegner. Die Beschuldigten fuhren bis Nieder-Mörlen, wo schließlich die Handschellen klickten.

Geldautomaten-Sprenung in der Wetterau: Täter rasen mit 250 km/h über die Autobahn

Prinzipiell seien Leute aus der Geldautomaten-Sprenger-Szene mit hochmotorisierten Fahrzeugen unterwegs, und das entsprechend schnell, erläuterte Wegner. Auch diesmal seien sie mit über 250 km/h über die Autobahn gerast. »Letztlich sind das rollende Bomben«, machte die LKA-Sprecherin angesichts des mitgeführten Sprengstoffs, des zusätzlichen Benzins und des hohen Tempos deutlich.

Solch ein Auto zu stoppen, sei eine Herausforderung, die Polizei wolle die Situation nicht noch gefährlicher machen, als sie sowieso schon sei. »Wir wollen das geringste Risiko für alle Beteiligten eingehen.« Dennoch müssen die Polizisten an den Verdächtigen dran bleiben, entsprechend Gas geben und dabei andererseits möglichst »unsichtbar« bleiben.

Die Aktion ist geglückt, die drei Beschuldigten wurden, wie es in der Mitteilung von LKA und Generalstaatsanwaltschaft heißt, »wegen des Verdachts der Vorbereitung der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und Verabredung zu einem Verbrechen« festgenommen. An dem Einsatz in Nieder-Mörlen hätten Spezialkräfte der hessischen und der nordrhein-westfälischen Polizei mitgewirkt.

Wetterau: Täter offenbar Mitglieder von Sprenger-Szene aus den Niederlanden

Bei den Beschuldigten soll es sich um Angehörige einer niederländischen Tätergruppierung handeln, die sich auf Sprengungen von Geldautomaten spezialisiert hat. Die Drei wurden am Donnerstag dem Haftrichter am Amtsgericht Friedberg vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete.

Die Sprecherin des Landeskriminalamtes ging auch auf das Vorgehen solcher Täter bei Geldautomaten-Sprengungen ein. So komme seit Ende 2019 statt Gas Festsprengstoff zum Einsatz, was aus Tätersicht die Erfolgsquote gesteigert habe. Heißt: Meistens kommen sie an die Geldkassetten. Die Sprengstoffmenge sei so austariert, dass die Täter an ihr Ziel kämen. Auf dem Weg zur Professionalisierung gebe es Test-Sprengungen in den Niederlanden.

Sprengung von Geldautomaten: In Hessen derzeit 20 Personen in Haft

Was die Täter betrifft, so handele es sich in der Regel um Mitglieder der niederländischen Sprenger-Szene, es gebe aber auch regional agierende Gruppen, heißt es aus Wiesbaden. In Hessen sitzen laut Wegner aktuell über 20 Personen in Haft, denen solche Taten zur Last gelegt werden. Neben dem professionellen Vorgehen der Täter gebe es ein weiteres Merkmal: »Die haben einen unbedingten Fluchtwillen - ohne Rücksicht auf Verluste«

Unter anderem in Bad Nauheim im Wetteraukreis wurde im Juli 2021 ein Geldautomat einer Bankfiliale in der Innenstadt gesprengt. Erst im Februar lieferte sich die Polizei eine Verfolgungsjagd mit Automatensprengung von Hessen bis in die Niederlande* (Christoph Agel) *fnp.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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