Verhärtete Fronten in Sachen Hai

„Shark City“: Pfungstadt bleibt bei Ablehnung des Bürgerbegehrens 

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In Pfungstadt soll ein riesiges Haifisch-Aquarium entstehen. Kritiker berufen sich auf den Tierschutz und wollen in ihrem Protest nicht nachlassen.  

Pfungstadt - Haie in großen Schaubecken halten? Für Tierschützer ein Unding. Haie können wegen ihres Bewegungsdrangs nur in Freiheit leben, finden sie. Die Stadt Pfungstadt hat aber einem Riesen-Aquarium zugestimmt und hofft auf Einnahmen. Von Joachim Baier

Die Fronten sind verhärtet. Wenn das in Pfungstadt bei Darmstadt geplante große Hai-Aquarium scheitert, könnten der Stadt Einnahmen von 3,2 Millionen Euro durch die Lappen gehen – und obendrein Gewerbesteuer von jährlich zwischen 550 .000 und 700. 000 Euro. Aber wenn das für 2019 angepeilte Projekt „Shark City“ in die Tat umgesetzt wird, leben Haie nach Ansicht von Tierschützern dort in qualvoller Enge. Sie wollen an ihrem Protest festhalten und den Streit unter Umständen vor Gericht bringen.

Errichten möchte das Aquarium eine Gesellschaft namens The Seven Seas Aquarium Betriebs GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Grünstadt. Fast 60 Arbeitsplätze könnten entstehen. Etwa 36 Haiarten sollen gezeigt werden, bis zu 150 Haie insgesamt. Aber nicht die großen Tiere, die schlecht in Gefangenschaft zu halten seien, wie das Unternehmen betont. Ein Becken soll laut Stadt wegen seiner Größe eine Attraktion in Europa darstellen.

Die Kritiker fühlen sich nicht ernst genommen, über den Tisch gezogen und erst einmal matt gesetzt. Grund: Ihr Bürgerbegehren gegen das Projekt hat zwar mit 2801 gültigen Unterschriften genügend Zuspruch bekommen – läuft aber aufgrund juristischer Gutachten allem Anschein nach ins Leere. Es seien Fehler gemacht worden, vor allem würden Angaben über mögliche finanzielle Folgen für die Stadt fehlen, sollte „Shark City“ beerdigt werden, heißt es.

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Die Gutachten kommen vom Hessischen Städtetag sowie vom Hessischen Städte- und Gemeindebund. In beiden kommunalen Spitzenverbänden sei Pfungstadt Mitglied, sagt Bürgermeister Patrick Koch (SPD) und nennt die Stellungnahmen objektiv. Man müsse sich daran halten. „Wir reden über Gesetze, nicht über unverbindliche Empfehlungen.“ Alles andere würde den Investor verärgern.

Initiatoren des Bürgerbegehrens bewerten die Gutachten anders. „So etwas kann gar nicht objektiv sein“, sagt Jochen Bier. Eben weil Pfungstadt in beiden Verbänden Mitglied sei. „Die Juristerei ist keine genaue Sache wie die Mathematik“, sagt er. „Das müsste man mit anderen Juristen noch einmal ausdiskutieren.“

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Bis dahin dürfte es dauern. Am morgigen Donnerstag befasst sich der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss mit dem Bürgerbegehren, am 25. September die Stadtverordnetenversammlung mit der richtungweisenden Entscheidung. Was herauskommen soll, scheint unverrückbar klar. Der Magistrat hat vor einigen Tagen empfohlen, dass das Bürgerbegehren aufgrund der juristischen Einschätzung nicht genehmigt werden könne, also nichts anderes übrig bleibe als eine Ablehnung. „Die Stadtverordnetenversammlung hat keinen Spielraum“, sagt der Leiter des Ordnungsamts, Reiner Maurer.

Die Stellungnahmen der Dachverbände zum Bürgerbegehren waren vergangene Woche bekannt geworden, Koch stellte sie gestern offiziell vor. Was, wenn der Fall vor Gericht kommt? „Natürlich kann ein Richter das alles anderes bewerten“, sagt der Rathauschef. „Aber das glaube ich nicht.“ Wenn der Richter doch anders entscheidet? „Dann würden wir uns das Urteil erst mal angucken.“ (dpa)

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