Vernetzt und klimafreundlich

Verkehrsminister stellt „Hessenstrategie Mobilität 2035“ vor

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Hessen will zum Vorreiter für klimafreundliche Mobilität werden. Dazu plant das Land verstärkt in Straße und Schiene unter Einbeziehung digitaler Technik zu investieren.

Wiesbaden - Mit Investitionen in Straße und Schiene, mehr Radwegen und dem Einsatz digitaler Technik will Verkehrsminister Tarek Al-Wazir das Land zum Vorreiter für klimafreundliche Mobilität machen. Der Grünen-Politiker stellte gestern seine „Hessenstrategie Mobilität 2035“ vor.

Hessen strebt eine führende Rolle auf dem Weg zu nachhaltiger Mobilität an. Ein digital vernetztes, klimaschonendes und leistungsfähiges Verkehrssystem sei nicht nur notwendig, um in Zukunft Mobilität zu sichern, und gut für die Umwelt, sondern auch eine ökonomische Chance, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gestern in Wiesbaden.

Auch automatisiertes Fahren ist Teil des Zukunftskonzepts aus dem Verkehrsministerium.

„Hessen lebt zu einem beträchtlichen Teil von Verkehr und Logistik; wir haben die Kompetenz, Verkehr zu managen“, meinte Al-Wazir. Zugleich habe das Land eine weit überdurchschnittliche Verkehrsbelastung; Lösungen, die dort funktionierten, hätten ihren Praxistest bestanden, sagte der Verkehrsminister. Den Weg dorthin skizzierte er mit seiner Strategie „Mobilität 2035“.

  • Automatisiertes Fahren: Schon derzeit sei Hessen das bundesweit größte digitale Testfeld für automatisiertes Fahren, betonte Al-Wazir. Im Projekt „Ko-HAF“ werde erstmals kooperatives, hochautomatisiertes Fahren auf Autobahnen im Geschwindigkeitsbereich bis 130 Stundenkilometer erprobt – unter realen Verkehrsbedingungen. Und die Digitalisierung der Teststrecken auf den Autobahnen 3, 5 und 661 wurde vor wenigen Monaten abgeschlossen. In den kommenden beiden Jahren soll der Testbetrieb auf diesen hochbelasteten Abschnitten starten.
  • Digitalisierter ÖPNV: Für den öffentlichen Nahverkehr sollen digitale Plattformen und Angebote sowie autonomes Fahren realisiert werden. Der RMV entwickelt in diesem Zusammenhang etwa mit der digitalen Plattform „Mobility Inside“ die bundesweit erste Mobilitätsplattform, über die der gesamte öffentliche Verkehr – vom Bus- und Bahnticket über das Leihfahrrad bis zum Carsharing-Angebot – zentral gebucht und abgerechnet werden kann.
  • Angebote auf Schiene und Straße: Die Investitionen dafür will das Land deutlich erhöhen: Demnach soll der Straßenbauetat bis 2019 auf 188 Millionen Euro steigen. In den vergangenen vier Jahren wurden bereits 690 Millionen Euro ins hessische Autobahnnetz gesteckt. Gleichzeitig sollen in den nächsten Jahrzehnten um die 12 Milliarden in zwölf Schienengroßprojekte fließen. Der Bund untersucht derzeit die größten Schienenengpässe im Rhein-Main-Gebiet. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden die Arbeiten für ein umfassendes Schienenverkehrskonzept in Hessen beginnen.
  • Nahmobilität: Um das Zufußgehen und Radfahren zu fördern, will das Land den Kommunen acht Millionen Euro pro Jahr für den Rad- und Fußwegebau zur Verfügung stellen. Mit dem Nahmobilitäts-Check werde das Land in diesem Jahr den Kommunen zudem ein neues Angebot unterbreiten. Dadurch sollen die Luftschadstoff- und Lärmbelastungen sinken.

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  • Güterverkehr: In Zukunft wird der Güterverkehr im Transitland Hessen weiter zunehmen. Mit dem Projekt „Emissionsarme Wirtschaftsverkehre Frankfurt/RheinMain“ plant das Land daher Pilotmaßnahmen, um eine umweltverträgliche Stadtbelieferung zu fördern, etwa durch firmenübergreifende Kleindepots oder durch Elektro-Ladeplätze für Lieferanten, die über Apps aufgerufen werden können. Zugleich soll mit dem Oberleitungs-Lkw an der A 5 ein weiterer Baustein für den emissionsarmen Güterverkehr der Zukunft gesetzt werden.
  • Planung und Gesetze: Besonders das Personenbeförderungsgesetz ist nach Auffassung des Verkehrsministeriums nicht mehr zeitgemäß und soll flexibler werden, zum Beispiel für neue Angebote wie Bürgerbusse. Hessen wolle dies von der neuen Bundesregierung einfordern. Ähnliches gilt für eine integrierte Lärmbetrachtung, die künftig Grundlage für Lärmschutzmaßnahmen sein soll. Mit dem Hessischen Mobilitätsfördergesetz will das Land ab 2019 jährlich mindestens 100 Millionen Euro für Verkehrsprojekte (hälftig Straßenbau und öffentlicher Verkehr) in die Kommunen fließen lassen. Damit könnten diese verlässlicher planen, hieß es. (soh)

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