Viel Arbeit für kommende Generationen

Naturwälder: Landesweit sollen Schutzgebiete geschaffen werden

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Mit 895.000 Hektar Fläche ist Hessen das Waldland der Bundesrepublik. 42 Prozent der hessischen Fläche sind Wald.

Frankfurt - Der Wald war schon für viele deutsche Dichter ein Sehnsuchtsort. Grünes Blätterdach, Vogelgezwitscher, Sonnenstrahlen zwischen Baumstämmen – das heißt auch für Spaziergänger und Wanderer Erholung und Entspannung. Doch wie steht es um die hessischen Wälder?

Noch gibt es sie, die jahrhundertealten Baumriesen und Patriarchen der Wälder. Allerdings nicht in Hessen oder in Deutschland, sondern in den letzten Urwaldgebieten Europas, etwa in den rumänischen Karpaten. Solche Wälder auch hierzulande wieder zu ermöglichen, ist eine Aufgabe, deren Ergebnis erst künftige Generationen erleben werden. Sechs Naturschutzorganisationen fordern gemeinsam mehr Naturwälder und große Wildnisgebiete in Hessen. Zum heutigen Internationalen Tag des Waldes schlagen sie 25 Waldschutzgebiete vor. Bis zum Jahr 2020 soll dann auf fünf Prozent der Waldflächen in Hessen eine natürliche Entwicklung möglich sein.

Das heißt: Wälder, die nicht für die Bewirtschaftung genutzt werden, sondern in denen die Natur freien Lauf hat und auch alte und sterbende Bäume eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt spielen, als Lebensraum für Käfer oder Pilze etwa. Große Wildnisgebiete schaffen Rückzugsorte für Tiere. „Wenn man wirklich auf Dauer einen Beitrag leisten will zum Erhalt der waldtypischen Arten, braucht man große Gebiete“, betont Mark Harthun, stellvertretender Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes (NABU) Hessen.

 Zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, WWF Deutschland und Greenpeace schlägt er vor, eine Fläche von 16.000 Hektar Staatswald in Naturwald umzuwandeln. Auch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz gehört dem Bündnis an. „Das entspricht genau dem, was das Land noch leisten muss, um das sogenannte fünf Prozent-Ziel der nationalen Biodiversitätsstrategie zu erfüllen“, sagt Harthun. „Wir zeigen einen Weg auf, wie das erfüllt werden kann.“

Nach Ansicht der Naturschutzorganisationen sind die Voraussetzungen in Hessen gut: Immerhin sind 38 Prozent der 895.000 Hektar Waldfläche in Hessen Staatswald. „Sofern das hessische Umweltministerium HessenForst beauftragt, ergänzend zu den bereits stillgelegten acht Prozent Staatswaldfläche weitere zwei Prozent Kernflächen auszuwählen, werden wir die Hinweise der Naturschutzverbände – ebenso wie die Hinweise anderer Institutionen – in die entsprechenden Überlegungen mit einbeziehen“, sagt Petra Westphal, die Sprecherin des Landesbetriebs HessenForst.

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Im bundesdeutschen Vergleich gehört Hessen nach Angaben Westphals zu den Spitzenreitern bei der Bewaldung: Etwa 42 Prozent der Landesfläche sind hier Wald. „Das sieht etwa in Schleswig-Holstein ganz anders aus“, sagt sie. Beim Mischwald liegt Hessen bundesweit vorn.

Das ist vor allem deshalb wichtig, weil reiner Nadelwald als anfälliger gilt und Naturschützer schon lange dafür plädieren, die ursprünglich in Deutschland heimischen Laubwaldarten stärker anzubauen. Misch- und Laubwälder sind auch widerstandsfähiger, wenn es um die Anpassung an den Klimawandel geht, betont Harthun.

Zu den vorgeschlagenen 25 Waldschutzgebieten gehören unter anderem:

  • Dieburger Wald
  • Koberstädter Wald im Messeler Hügelland
  • Kranichsteiner Wald bei Darmstadt
  • Kreuzgrund im Spessart an der hessisch-bayerischen Landesgrenze
  • Taunuswälder in der Nähe von Königstein
  • Mehrere Waldstücke am Übergang von der Wetterau in den Vogelsberg
  • Oppershofener Wald in der Wetterau
  • Staatswaldgebiet Alsberg nahe des Kinzigtals bei Bad Soden-Salmünster
  • Gebiet um den Melibokus am westlichen Rand des Odenwalds (dpa/ad)

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