Erstaufnahmeeinrichtungen nur zu 23 Prozent belegt

Viel Leerstand wegen geringer Flüchtlingszahl

Wiesbaden - Es kommen weniger Flüchtlinge nach Hessen, und das macht sich auch in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes für Asylbewerber bemerkbar. Diese sind derzeit nur zu etwa 23 Prozent belegt, wie das hessische Sozialministerium in Wiesbaden mitteilte.

Demnach leben derzeit etwa 2 200 Flüchtlinge in den Unterkünften.

Hessen verfügt inklusive der Außenstelle am Frankfurter Flughafen derzeit über neun Einrichtungen, die 9440 Menschen Platz bieten. Im Jahr 2017 waren zwei Reservestandorte in Friedberg in der Wetterau und im mittelhessischen Stadtallendorf geschlossen worden. Es gibt aber noch drei Reserveeinrichtungen mit zusammen 2 340 Plätzen.

Nach Darstellung des hessischen Sozialministeriums ist derzeit nicht vorgesehen, weitere Einrichtungen zu schließen. Die internationale Situation sei nach wie vor hoch brisant, weswegen ausreichend Kapazitäten für Menschen auf der Flucht vorgehalten werden müssten.

Die Kosten für die Erstaufnahmeeinrichtungen werden aus dem von der Landesregierung bereitgestellten Flüchtlings-Etat getragen. Dieser hatte im vergangenen Jahr ein Volumen von 1,6 Milliarden Euro, nach 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2016. 2015 hatte er noch bei 590 Millionen Euro gelegen, wie das Finanzministerium mitteilte.

Zuletzt waren weniger Flüchtlinge nach Hessen gekommen: Laut Sozialministerium erreichten von Januar bis April 2018 insgesamt 3 746 Asylbewerber das Bundesland. 2017 waren es noch 12.073 Flüchtlinge gewesen, ein Jahr zuvor ungefähr doppelt so viele (2016: 24.615). Während des Höhepunktes der Flüchtlingskrise 2015, kamen rund 80 .00 Menschen nach Hessen.

Auch in den Städten macht sich der Rückgang der Asylbewerber bemerkbar. Die Landeshauptstadt Wiesbaden etwa berichtet, dass ihre Gemeinschaftsunterkünfte zurzeit zu durchschnittlich 70 Prozent belegt seien. Kassel unterhält 51 Gebäude, die Platz für 2 625 Flüchtlinge bieten. Derzeit leben dort nur 1 575 Asylbewerber. In der Vergangenheit, so eine Sprecherin, seien bereits Flüchtlingsheime geschlossen worden, die Stadt plane weitere Schließungen, sofern dies aufgrund geschlossener Mietverträge möglich und auch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Die Stadt Marburg hat 65 Gemeinschaftsunterkünfte gemietet, die etwa 500 Flüchtlingen Platz bieten. Dabei handelt es sich nach Auskunft von Sprecherin Patricia Grähling um größere Häuser und einzelne Wohnungen. Die Unterkünfte werden alle genutzt, einzelne Plätze seien jedoch frei. Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben dürfen, sollen normalerweise eine Wohnung beziehen. Dies ist laut Grähling jedoch aufgrund der angespannten Wohnungssituation in Marburg sehr schwer. Damit diese Menschen nicht obdachlos werden, bleiben viele Flüchtlinge zunächst weiter in den Gemeinschaftsunterkünften.

In Hessens größter Stadt stellt sich die Situation weitaus dramatischer dar: Frankfurt befindet sich nach Angaben des Sozialdezernats weiterhin an seiner Kapazitätsgrenze. „Wir bewegen uns in Frankfurt gegen den Trend in Hessen“, sagte eine Sprecherin. Rund 4 900 Flüchtlinge habe die Stadt derzeit aufgenommen, nahezu alle zur Verfügung stehenden Plätze sind belegt. 850 Flüchtlinge seien sogar in Hotels untergebracht, weil es sonst keine Möglichkeit gebe.

Mehr als 6000 Flüchtlinge in Heimat zurückgekehrt

Die Situation ist derart prekär, dass Frankfurt beim zuständigen Regierungspräsidium bereits eine Reduzierung der Zuweisungen beantragt hat. Statt der vorgeschriebenen 15 muss die Stadt derzeit pro Woche nur zehn Flüchtlinge neu aufnehmen. Zudem plant sie, Flüchtlinge an den Unterbringungskosten zu beteiligen. Die genauen Pläne will dazu Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) heute bekanntgeben.

Einer der Gründe für die anhaltend hohe Belegungsquote der Unterkünfte könnte laut Sozialdezernat der angespannte Wohnungsmarkt der Metropole sein: Flüchtlinge finden kaum noch eine eigene Wohnung, die sie auch bezahlen können. (dpa)

Rubriklistenbild: © Th. Meier

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