Kliniken an der Belastungsgrenze

Viele gehen ohne Not in die Ambulanz

+
Symbolbild

Offenbach/Hanau - Wer krank ist, aber keine wirklich schwerwiegenden Probleme hat, sollte eigentlich in eine Arztpraxis gehen oder Bereitschaftsdienste anrufen. Doch viele Patienten steuern direkt eine Krankenhaus-Notaufnahme an. Von Peter Schulte-Holtey 

Das treibt die Ambulanzen an ihre Belastungsgrenzen. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser kämpfen mit enorm hohen Patientenzahlen: Obwohl vor einem halben Jahr per Bundesgesetz eine bessere Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten und Kliniken beim Notdienst vereinbart wurde, sind viele Notambulanzen noch immer überfüllt. Zu viele Patienten mit leichten Beschwerden gehen nach wie vor direkt ins Krankenhaus statt zum Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Sie verursachen nicht nur lange Wartezeiten, sondern gefährden auch die Versorgung von Schwerkranken. Für die Krankenhäuser sind ambulante Fälle in der Notfallaufnahme finanziell ein Verlustgeschäft. Für die Behandlung von Patienten, die dann sofort wieder gehen können, gibt die Klinik im Schnitt 120 Euro aus. 32 Euro bekommt sie anschließend erstattet. Das Geld stammt aus dem Topf der niedergelassenen Ärzte.

Marion Band, Sprecherin des Sana Klinikums in Offenbach, bestätigt: „Nach wie vor suchen immer noch sehr viele Leichterkrankte die Notaufnahme auf, obwohl sie außerhalb der Arztsprechstunde den Ärztlichen Notdienst in Anspruch nehmen könnten.“ Den höchsten Zulauf hat das Klinikum meist in den späten Nachmittagsstunden und abends, also außerhalb der üblichen Praxiszeiten. Obwohl der Ärztliche Bereitschaftsdienst im Gebäude der alten Klinikpforte montags, dienstags und donnerstags von 19 Uhr bis 1 Uhr am darauffolgenden Tag geöffnet hat, mittwochs und freitags schon ab 14  Uhr und am Wochenende durchgehend von Samstag 8 Uhr bis Montagmorgen 1 Uhr jederzeit eine ärztliche Versorgung gewährleistet, sprechen viele Leichterkrankte in der Notaufnahme vor.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Lesen Sie dazu auch:

„Das wird nicht mehr lange funktionieren“

Ähnlich die Situation am Klinikum Hanau. Ärztlicher Direktor André Michel berichtet von unverändert hohen Fallzahlen in der Ambulanz: „Bei Analyse der Daten zeigt sich für das Jahr 2015, dass nur 38 Prozent der Patienten tatsächlich in der Notaufnahme versorgt gehört hätten. Der Rest wäre beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst richtig gewesen“, sagte er. „Wir können nicht immer neue und größere Notaufnahmen bauen. Wir müssen etwas an den Abläufen ändern“, heißt es bei Klinikexperten. Auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Hessen wünscht man sich eine bessere Steuerung. Es gibt bereits die Forderung nach einer Art Eintrittsgebühr für die Notambulanz; wer dann wirklich ein Notfall ist, bekommt sein Geld zurück. Doch bei der KV will man sich nicht festlegen. Den Unmut bei den wartenden Patienten würde so eine Regel vermutlich erstmal weiter vergrößern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare