Mutige Grusel-Fans treffen Untote, Monster und Serienmörder

Vollkontakt mit dem Schrecklichen - an Halloween auf Burg Frankenstein

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Johanna sorgt als fiese Dämonin für Angstschweiß.

Mühltal - Mit einer Zahnbürste spritzt Ina vom Maskenteam der fiesen Dämonin Kunstblut ins bleich geschminkte und modellierte Gesicht. Dann malt Johanna Kämmerer selbst noch einige ihrer Zähne schwarz an und schmiert sich Babyöl in die langen Haare. Von Ira Schaible

Die 19-Jährige tritt auf Burg Frankenstein bei Darmstadt als Bathsheba Sherman aus den „Conjuring“-Horror-Filmen auf. Sie gehört wie der Serienmörder Freddy Krueger („Nightmare“) und der Kettensägenmann zu den Monstern, die die Besucher gruseln lassen. „Wir werden krasser“, lautet das Motto des Halloween-Spektakels, das zu den bekanntesten und ältesten in Deutschland gehört.

Schaurige Voodoo-Zeremonien, ein Schrottplatz mit Zombies, eine blutrünstige Metzgerin, ein Folterturm und ein Sumpf: An zwölf Stationen treten vom 19. Oktober an in der Dunkelheit verschiedene Monster in Interaktion mit den Besuchern. Dazwischen schleichen sich Werwölfe, Clowns, Hexen und Vogelscheuchen unbemerkt an, fangen Grusel-Fans, sperren manche kurzzeitig in Särge und Käfige oder zerren sie ins Stroh und in den Sumpf.

„Das war schon vor 40 Jahren so, die Leute erwarten das“, sagt die Sprecherin des Spektakels, Johannas Mutter Petra Kämmerer, bei der Generalprobe am Samstag. Selbstverständlich werde aber niemand in eine Kiste gesperrt, der das wirklich nicht wolle. In Südhessen stationierte US-Soldaten riefen das Halloween-Spektakel 1977 ins Leben. Manche Besucher seien anfangs aus den Staaten eingeflogen, organisiert von einer gemeinnützigen Organisation.

Kathrin Butz aus der Nähe von Bingen ist zum ersten Mal zu Gast und findet es „sehr gruselig“. „Man erkennt die Personen hinter den Masken und Kostümen gar nicht“, sagt die 27-Jährige beeindruckt.

Bilder: Horror auf Burg Frankenstein

Zwischen lodernden Flammen, Rauch, Schreien und Totenköpfen sind auf dem imposanten Burggelände Showeinlagen zu sehen. Auf einer Bühne tanzen Hexen, Vampire und Dämonen. Rund 2000 Arbeitsstunden steckten allein in der Gruselkulisse, sagt der Veranstalter.

„Die Kino-Animationen machen es uns von Jahr zu Jahr schwerer“, sagt der Geschäftsführer der Event und Restaurant GmbH Burg Frankenstein, Ralph Eberhardt. „Es kann nicht nur um Blut gehen. Wir müssen mehr mit Ängsten spielen, mit Dunkelheit, mit Räumen.“ Johannas Verwandlung in die Dämonin dauert etwa eine dreiviertel Stunde. Rund ein Drittel der etwa 100 Monster werden intensiv geschminkt. Die anderen tragen Masken oder schminken sich selbst.

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37 Jahre und damit am längsten ist Boris Stirn dabei: „Angefangen habe ich als Werwolf, in den letzten Jahren bin ich der Sumpfkönig“, erzählt der 61-Jährige aus Hattersheim. Wie schrecklich er werde, hänge von seinem Gegenüber ab: „Wir machen Vollkontakt. Aber wenn jemand Angst hat, ist man ganz anders, als wenn sich jemand für mutig hält.“

Grusel und Frankenstein: Viele denken bei der Burg an den Unhold aus dem mehrfach verfilmten Roman der Engländerin Mary Shelley. Der Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein stellt jedoch nüchtern fest: „Die Burgruine (ist) durch allerlei Gruselgeschichten bekannt, die aber außer dem Namen nichts mit dem Frankenstein gemein haben.“

Der Unhold selbst ist 2018 gar nicht dabei. Sein Darsteller habe aufgehört, es sei noch kein neuer gefunden und das sei auch nicht leicht, sagt Kämmerer. (dpa)

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