„Vor uns liegen noch viele Gespräche“

Gewerkschafter Köhlinger zum Opel-Umbau

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Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG-Metall-Mitte - Foto: dpa

Offenbach - Die IG Metall zeigt bei Opel Flagge und fordert mehr Gemeinsamkeit beim Umbau des Autobauers. Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall für die Region Mitte, stand dieser Zeitung Rede und Antwort. Von Sebastian Schilling

Sind Sie mit den jüngst beschlossenen Regelungen zur Altersteilzeit und dem Vorruhestand nicht zufrieden?

Die beschlossene Vereinbarung bildet eine gute Grundlage, um die aktuellen Herausforderungen und Aufgaben zu bewältigen. Damit sind die Zukunft der Standorte und der verbleibenden Beschäftigten aber noch nicht längerfristig geregelt. Hier liegen noch viele Gespräche und Verhandlungen vor uns. Erst wenn die gut abgeschlossen sind, können wir endgültig bewerten, ob die Ergebnisse zufriedenstellend sind.

Wie reagieren die Opel-Mitarbeiter darauf, dass 40-Stunden-Verträge auf 35 zurückgestuft werden?

Es ist noch zu früh, ausreichend viele Reaktionen zusammenzufassen. Die Maßnahme des Arbeitgebers beruht auf dem geltenden Recht des Manteltarifvertrags, dazu bedurfte es keiner besonderen Vereinbarung. Es gilt im Grundsatz die 35-Stunden-Woche, davon kann für einen Anteil von 13 Prozent der Beschäftigten einvernehmlich nach oben abgewichen werden. Ist das nicht gegeben, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit der Rückführung der Arbeitszeit mit einer entsprechenden Ankündigungsfrist. Wir vertreten dazu die Ansicht, dass es um eine Maßnahme der Umverteilung von Arbeit zugunsten von Beschäftigungssicherung geht. Da bauen wir vor allem auf die gegenseitige Solidarität der Betroffenen.

Wie wird das Angebot von der Belegschaft angenommen, Vorruhestandsregelungen für Mitarbeiter bis Jahrgang 1960 zu ermöglichen?

Erste Rückmeldungen zeigen ein sehr großes Interesse an dieser Option. Viele Beschäftigte, die weit über 50 Jahre alt sind und über Jahrzehnte hinweg harte Arbeit geleistet haben, scheinen froh über diese Möglichkeit, wir gehen daher aktuell von großer Inanspruchnahme aus.

Die irrsten Autofahrer der Welt

Opel hat nun für sechs Monate Kurzarbeit beantragt. Lässt sich jetzt schon absehen, ob es dabei bleibt?

Das kann ich heute nicht absehen. Wissen Sie, das ist ja ein schwieriger Gesamtprozess: Ein deutscher Konzern wird aus einer amerikanischen Mutter herausgelöst und in eine französische Mutter eingegliedert. Je schneller die Weichen dafür gestellt werden, die entsprechenden Produkte und Komponenten an den Standorten fertigen zu können, desto eher erwarten wir wieder eine normale Auslastung der Standorte. Die IG Metall ist willens, an einer schnellen Umsetzung mitzuwirken, hier warten wir aber noch auf die Offenlegung der vollständigen Planung.

PSA-Chef Carlos Tavares sagt, dass es auf die Ingenieure selbst ankomme, wie viele von ihnen in Zukunft noch gebraucht würden. Bedeutet das, dass Kündigungen nur verschoben wurden?

Herr Tavares erklärt doch hier nichts Ungewöhnliches: Wenn die Übertragung neuer Aufgaben unter dem Dach PSA gelingt, wird Beschäftigung gesichert. Wie schon gesagt, als IG Metall wollen wir, dass es zu einer erfolgreichen Umsetzung kommt und die Standorte ausgelastet werden. Wir begleiten dies natürlich sowohl konstruktiv als auch kritisch und werden uns dafür einsetzen, dass die Interessen der Beschäftigten gewahrt bleiben.

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