Neu-Isenburg mit Rang drei

Wasserpreis als Standortfaktor

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Offenbach - Die Frischwasser- und Abwasserpreise sind in den hessischen Kommunen höchst unterschiedlich – und nicht immer gibt es dafür einleuchtende Erklärungen. Für Firmen können die eklatanten Preisdifferenzen ein wichtiges Standortkriterium sein. Von Achim Lederle

Die Wasserpreise sind in den teuersten der 423 Kommunen bis zu viermal höher als in den günstigsten. Dies zeigt der neue sogenannte Frisch- und Abwassermonitor des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK), der gestern in der IHK Offenbach vorgestellt wurde.

„Der Anteil der Abwasserkosten an den gesamten Wasserkosten kann bis zu 80 Prozent betragen und ist somit ein Preistreiber“, erläuterte Burghard Loewe, Federführer für Umwelt, Energie und Nachhaltigkeit des HIHK. „Das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht“, sagte er. „Die Kosten in der Wasserwirtschaft werden weiter steigen. Dafür sind unter anderem der Bevölkerungsrückgang, die Sanierungsnotwendigkeiten des Kanalnetzes und der weitere Ausbau der Kläranlagen, um belastende Spurenstoffe heraus zu filtern, verantwortlich.“ Vor allem die in den Kommunen heiß diskutierte vierte Reinigungsstufe bei Kläranlagen, mit der auch Nitrate, Phosphate oder Mikroplastik aus dem Wasser gefischt werden sollen, könnte dabei die Kosten weiter in die Höhe treiben: Nach Berechnungen des Darmstädter WifOR-Instituts, das den Wassermonitor für den HIHK erstellte, könnten die Wasserpreise für Unternehmen um 22 Cent pro Kubikmeter steigen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erwartet gar um 25 Prozent höhere Abwassergebühren bei der Umsetzung der neuen Reinigungsstufe.

Im Moment seien die Preise jedoch recht stabil, sagte Loewe. Der durchschnittliche Frischwasserpreis liege 2018 mit 2,05 Euro um 0,03 Euro höher als 2017. „Damit liegt der Anstieg gegenüber dem

Vorjahr unter der durchschnittlichen Veränderungsrate des Frischwasserpreises von 1,3 Prozent zwischen 2005 und 2017“, so Loewe. Der durchschnittliche Abwasserpreis liege je Kubikmeter bei 2,97 Euro und sei damit

um einen Cent gesunken. Doch die Preisspanne zwischen einzelnen hessischen Städten und Gemeinden sei enorm. „So liegt die kostengünstigste Kommune Lorsch im Kreis Bergstraße beim Frischwasser bei 0,91 Euro je Kubikmeter und die teuerste Heidenrod (Rheingau-Taunus-Kreis) bei 3,74 Euro. Ähnlich große Preisspannen gibt es beim Abwasser: die kostengünstigste Kommune Alsbach-Hähnlein (Kreis Darmstadt-Dieburg) verzeichnet einen Kubikmeterpreis von 1,17 Euro und die teuerste Kirtorf im Vogelsbergkreis 6,66 Euro“, sagte Loewe.

Lediglich Neu-Isenburg habe den Preis pro Kubikmeter um 27,5 Prozent gesenkt. Die anderen Kommunen hätten ihre Preise nicht verändert. Durch die Preissenkung liege Neu-Isenburg mit 1,45 Euro pro Kubikmeter auf dem dritten Rang im hessenweiten Kommunenvergleich und habe sich mit Hilfe der Preissenkungen 62 Ränge nach vorne geschoben.

Für die Preisunterschiede gebe es nachweisbare Ursachen wie natürliche Gegebenheiten, Veränderungen im Verbraucherverhalten, Zustand des Versorgungsnetzes und das Vorhandensein oder Fehlen von Gebührensplitting. Aber vor allem bei Preisvergleich über mehrere Jahre hinweg stelle sich heraus, dass die Wasserpreise teilweise unerklärlich stark variierten. Simon Tetzner von WifOR räumte denn auch bei der Vorstellung der Studie ein: „Wir zeigen nur den Ist-Zustand, und der offenbart sehr volatile, das heißt bewegliche Kalkulationen.“ Wie die jeweilige Kommune tatsächlich ihre Wasserpreise kalkuliere, müsse vor Ort ermittelt werden.

Was kann die dezentrale Wasserbereitung?

Loewe erklärte weiter: „Neben den Einzelpreisen verdeutlichen die Vergleichsrechnungen der Unternehmensbeispiele, dass die Frisch- und Abwasserpreise je nach Standort stark variieren können: Für eine repräsentative Großbäckerei kann die relative Differenz in den Summen aus Frisch- und Abwasserpreisen 226 Prozent betragen. Bei allen Beispielunternehmen liegt die Preisschere zwischen der günstigsten und der teuersten Kommune bei mindestens 226 und maximal 327 Prozent. Die absoluten Differenzen betragen für Großbäckereien, Galvanikunternehmen sowie Sanitär- und Anlagenbauer über 153.000 Euro pro Jahr.“

Die Wasserpreise können also ein wesentliches Standortkriterium für Unternehmen sein. Vor diesem Hintergrund appellierte Loewe an die Verantwortlichen in den Kommunen: „Nutzen sie die Möglichkeiten zur Kosteneinsparung, wie einen gemeinsamen Notdienst, eine gemeinsame Ersatzteilbevorratung, eine zentrale Steuerung der Anlagen bis hin zur gemeinsamen Abrechnung, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.“ In der Zusammenarbeit benachbarter Kommunen liegt nach Ansicht des HIHK noch ein erhebliches Potenzial, das für Kostensenkungen eingesetzt werden kann. „Dazu müssten die Verantwortlichen natürlich über den kommunalen Tellerrand hinausschauen“, so Loewe.

Der Frisch- und Abwassermonitor ist unter ihk-hessen.de/ themen/umwelt/wassermonitor abrufbar.

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