Experten rechnen im Winter mit mehr Obdachlosen in Hessen

Weihnachtsmarkt lockt Bettler an

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Mit einer komplett neu gestalteten Fassade und renovierten Wohnräumen präsentiert sich die Notunterkunft für Obdachlose des Frankfurter Vereins im Ostpark. 

Frankfurt - Wohnungen sind vor allem in den Ballungsräumen Hessens knapp, und diese Entwicklung trifft Obdachlose in besonderem Maß. „Der Wohnungsmarkt hat sich verschärft“, sagte Steffen Müller, Leiter der Obdachlosenunterkunft der Diakonie in Groß-Gerau.

„Wohnungen sind teuer geworden. Es gibt auch weniger. “ Vermieter würden oft gleich abwinken. Das führe zu einem Teufelskreis: „Wer keine Wohnung hat, findet keine Arbeit. Wer keine Arbeit hat, findet keine Wohnung.“ Gerade im Winter versuchen die Kommunen im Land, Menschen ohne Wohnung Möglichkeiten zur Übernachtung bereitzustellen.

In Frankfurt leben im Winter immer mehr Obdachlose aus Osteuropa. Allein in einer Nacht hätten Mitarbeiter des Kältebusses 209 obdachlose Menschen in der Stadt gezählt, darunter 165 aus Osteuropa: „Die meisten davon übernachten in der B-Ebene, da sie keinen rechtlichen Anspruch auf eine Unterbringung haben“, sagte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Die B-Ebene ist der unterirdische Bereich der U- und S-Bahn-Station Hauptwache. Zur Zeit des Weihnachtsmarkts kämen besonders viele Menschen nach Frankfurt, um zu betteln oder mit Gelegenheitsjobs Geld zu verdienen, das sie anschließend in ihre Heimat schickten. Eine neue Unterkunft im Ostpark für 130 Menschen ergänzt die Winter-Angebote für obdachlose Menschen (wir berichteten).

In Offenbach gibt es nach Angaben der Stadt nur zwei Menschen, die rund um die Uhr auf der Straße leben. Sie nähmen keine Hilfe an, sagte ein Sprecher. „Sie werden in der kalten Jahreszeit regelmäßig von der Stadtpolizei aufgesucht, um im Notfall reagieren zu können.“ Die Notunterbringung von Menschen ohne Wohnung sei hier deutlich rückläufig.

Alle Weihnachtsmärkte in der Region im Überblick.

In Darmstadt sind laut Stadtverwaltung derzeit rund 200 Menschen in Obdachlosenunterkünften untergebracht. Herausfordernd sei die Situation obdachloser Frauen. Das Angebot sei erweitert worden. Seit Jahresanfang gebe es eine Mutter-Kind-Einrichtung, in der „Mütter mit Kindern und schwangere obdachlose Frauen spezielle Unterstützung erhalten“.

Die Lage von Obdachlosen habe sich in Fulda nicht gravierend verändert, teilte ein Sprecher mit. „Der Anteil von Obdachlosen aus EU-Ländern, insbesondere aus Osteuropa, liegt konstant bei rund fünf bis zehn Prozent.“

Archivbilder

Bilder: Weihnachtsmarkt in Frankfurt eröffnet

In Gießen gibt es laut der Stadtverwaltung zwei Hauptanlaufstellen: Die Diakonie betreibt die „Brücke“, eine Fachberatungs- und Tagesaufenthaltsstätte für Wohnungslose. Hier kümmert man sich im Schnitt täglich um mehr als 40 Personen ohne feste Meldeadresse. Der Sozialverband Awo hat ebenfalls eine Beratungsstelle mit Wärmestube. 30 Menschen suchen hier jeden Tag Hilfe. Die Zahl der Wohnungslosen in Gießen sei „relativ konstant“, sagt Ines Müller, Leiterin des Sozialamtes.

Die Tagesaufenthaltsstätte Panama des Vereins Soziale Hilfe ist die Anlaufstelle für Wohnungslose in Kassel. Immer öfter haben die Sozialarbeiter mit Obdachlosen aus dem EU-Ausland zu tun: „Es sei eine Gratwanderung, diesen Betroffenen zu helfen, aber keine Erwartungen zu wecken, die man nicht erfüllen könne. (dpa)

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