Verband sieht langfristigen Trend

Weniger Filialen bei Sparkassen in Hessen

Frankfurt - Weniger Filialen, mehr SB-Stellen – auf diese Entwicklung müssen sich Kunden von Sparkassen in Hessen einstellen. Die Zahl der Niederlassungen ist im vergangenen Jahr auf 849 gesunken, 2016 waren es noch 971. Von Marc Kuhn 

Das geht aus der Bilanz des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen (SGVHT) hervor, die gestern in Frankfurt vorgestellt wurde. Gleichzeitig ist die Zahl der sogenannten SB-Filialen von 232 auf 283 gestiegen, in Thüringen sind es mittlerweile 156, 2016 wurden 133 gezählt. Dort gab es 2017 noch 255 Niederlassungen nach 282 im Vorjahr.

Von einem langfristigen Trend bei den Filialen spricht der Verbandsgeschäftsführer Manfred Üffing – dieser werde fortschreiten. Entscheidend bei der Entwicklung sei die Kundenfrequenz – also wie viele Menschen eine Filiale nutzen, ergänzte SGVHT-Präsident Gerhard Grandke. Die Hälfte der Sparkassenkunden nutze inzwischen das Online-Banking – „die andere Hälfte tut das noch nicht“.

Deshalb setzen die Institute des Verbands auf verschiedene Wege, um mit möglichen Kunden in Kontakt zu treten. Dieser Multikanalansatz habe sich bewährt, sagte Grandke. In Hessen gibt es 33 Sparkassen, in Thüringen 16. Der SGVHT ist mit einer Bilanzsumme von mehr als 121 Milliarden Euro der fünftgrößte von elf Regionalverbänden in Deutschland.

Grandke zeigte sich zudem besorgt über die Lage auf dem Immobilienmarkt. In den Städten und Ballungsräumen gebe es kaum noch bezahlbares Bauland, und die Kosten stiegen stetig. Es gebe wenige Landkreise „ohne gewisse Preisübertreibungen“, berichtete Grandke unter Verweis auf Zahlen der Bundesbank. „Selbst Normalverdiener können sich immer öfter kein Haus und keine Eigentumswohnung mehr leisten – und das trotz der historisch niedrigen Zinsen“, erklärte der Präsident. „Das ist eine Entwicklung, die ich mit Sorge sehe.“

Kritisch sieht der SGVHT-Präsident die regulatorischen Maßnahmen des Staats und die Krypowährung Bitcoin. Die Sparkassen würden „mit dem gesamten Arsenal an staatlicher Regulatorik traktiert, weil sie sich dem eben nicht entziehen können“. Bei Bitcoins klagte Grandke dagegen über Nachsicht der Staaten. Er forderte, „deutlich mehr Regulatorik in den Schattenwinkeln des Finanzsystems und deutlich mehr Luft zum Atmen für Institute wie die Sparkassen“.

Mit dem Geschäftsverlauf der Sparkassen im vergangenen Jahr zeigte sich Grandke zufrieden. Das operative Ergebnis blieb mit etwa 1,06 Milliarden Euro fast unverändert auf Vorjahresniveau. Unter dem Strich standen nach vorläufigen Zahlen 333,3 (Vorjahr: 268,7) Millionen Euro Gewinn. Der Zinsüberschuss ist um drei Prozent oder 70 Millionen Euro auf gut 2,2 Milliarden gefallen. Und der Provisionsüberschuss stieg um 55 Millionen oder 7,7 Prozent auf 764 Millionen Euro.

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