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Wettervorhersage: Warum Meteorologen bei ihrer Prognose von Flugzeugen abhängig sind

Die Wettervorhersagen schöpfen ihre Daten aus einer Vielzahl an Quellen.
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Die Wettervorhersagen schöpfen ihre Daten aus einer Vielzahl an Quellen.

Die Wettervorhersage wird immer ungenauer. Meteorologen sind bei ihrer Prognose von Flugzeugen abhängig.

  • Flugzeuge sind für Wettervorhersage wichtig
  • Eingeschränkter Flugverkehr hat Auswirkungen auf Wettervorhersage
  • Meteorologen sind von Flugzeugen abhängig

Offenbach – Weil der Flugverkehr wegen der Corona-Pandemie massiv eingeschränkt ist, werden die Wettervorhersagen ungenauer. Doch was bedeutet das für Wetterdienste? Fragen und Antworten:

Wie hängen Wetterdaten und Flugverkehr zusammen?

Die Meteorologen haben unterschiedlichste Quellen für ihre Daten, die ihnen bei der Wettervorhersage helfen: Bodenstationen, Schiffe, Bojen, Wetterballons, Fernerkundungssysteme wie Radar und Wettersatelliten, und sehr viele Verkehrsflugzeuge. Weniger Flieger in der Luft bedeuten demnach auch weniger meteorologische Daten. „Beispielsweise fliegen zurzeit nur fünf Prozent der Lufthansa-Flugzeuge“, berichtet Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Wettervorhersage: Flugzeuge sind für Meteorologen wichtig

Welche Daten liefern die Flieger und warum sind diese so bedeutend für die Wetterdienste?

„Flugzeugmessungen sind deshalb so wichtig, weil Flugzeuge bei Start und Landung Luftdruck, Temperatur und Wind in der Atmosphäre vom Boden bis in etwa zwölf Kilometer Höhe messen“, erläutert Friedrich. Von insgesamt neuen Lufthansa-Flugzeugen erhalte der DWD normalerweise sogar Messungen der Luftfeuchte.

In welchem Umfang erhielt der DWD vor der Coronakrise Daten, und bei welchen Daten macht sich die Einschränkung des Flugverkehrs besonders bemerkbar?

„Während wir im Januar und Februar noch 350 000 Beobachtungen pro Tag erhielten, sind es aktuell nur noch zirka 50 000 Beobachtungen“, berichtet Friedrich. „Und die Anzahl der Feuchtebeobachtungen (rechte Skala) ist sogar von 2500 auf 0 gesunken, weil alle neun mit Feuchtesensoren ausgerüsteten Lufthansa-Flugzeuge nun am Boden bleiben.“

Wetter: Reduzierte Anzahl von Flugmessungen

Wie zuverlässig sind die Vorhersagen nun noch, und wie sehr weichen sie von den Prognosen mit Flugzeugdaten ab?

„Wir können zurzeit noch nicht genau abschätzen, wie stark die Auswirkung der deutlich reduzierten Anzahl der Flugzeugmessungen auf die Qualität unserer numerischen Wettervorhersagen sein wird. Aber es ist schon zu erwarten, dass wir eine Verschlechterung der Vorhersagequalität sehen werden“, sagt der DWD-Sprecher. Beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) sei 2019 ein Test durchgeführt worden, bei dem Prognosen ohne die Verwendung von Flugzeugberichten (aber mit allen anderen Daten) mit Vorhersagen verglichen wurden, bei denen die Daten der Flugzeugberichte berücksichtigt wurden. „Demnach konzentrieren sich die größten Auswirkungen auf die Vorhersagen in ca. elf bis zwölf Kilometer Höhe, was einer typischen Reiseflughöhe des Flugzeugs entspricht.“ Ohne die Flugzeugdaten seien die Wind- und Temperaturvorhersagen auf diesen Ebenen im Nahbereich um bis zu 15 Prozent ungenauer, „wobei es in allen Vorhersagebereichen bis zu sieben Tagen zu erheblichen Verschlechterungen kommt“. Es gebe eine kleinere, aber immer noch statistisch signifikante Auswirkung auf die oberflächennahen Felder, bis zu drei Prozent auf den Luftdruck im Bodenniveau. „Das kann im Einzelfall dazu führen, dass wir ein sich bildendes Tiefdrucksystem in der Entwicklung seiner Stärke unterschätzen oder dass die Zugbahnen von Tiefdruckgebieten falsch berechnet werden.“

Gibt es andere Möglichkeiten, die fehlenden Daten zu erhalten?

„Um diesen Verlust an Daten etwas auszugleichen, hat der Deutsche Wetterdienst die Anzahl seiner Wetterballonaufstiege erhöht und an vier der zehn Aufstiegsstationen einen zusätzlichen Aufstieg pro Tag veranlasst“, kündigt Friedrich an.

VON NIELS BRITSCH

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