Große Pläne für Telemedizin und E-Health

Software „Ivena“ hilft bei Versorgung von Notfallpatienten

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Mit Ivena können Rettungsdienste sofort freie Kapazitäten oder Versorgungsengpässe in umliegenden Krankenhäusern einsehen und Notfallpatienten so schneller ins passende Krankenhaus bringen.

Wiesbaden - Wenn Notarzt Jörg Blau einen Patienten hat, muss es oft sehr schnell gehen. Mit dem Computerprogramm Ivena können Rettungsdienste die Kapazitäten in den Krankenhäusern einsehen.

Aber welches Krankenhaus in der Nähe kann den Notfall am besten versorgen und hat auch freie Kapazitäten? Für diese Frage musste Blau früher meist über die Leitstelle mehrere Kliniken anfragen. Wertvolle Sekunden verstrichen. Inzwischen nutzt der Arzt das Computerprogramm „Ivena“: Welches Krankenhaus kann aktuell Notfälle aufnehmen? Diese Info steht permanent bereit.

Die Abkürzung „Ivena“ bedeutet „Interdisziplinärer Versorgungsnachweis“. Die Software ist ein Beispiel für digitale Kommunikationstechnik in der Medizin, die sich bewährt hat und vielerorts im Einsatz ist. Hessen will die Möglichkeiten von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Gesundheitsversorgung künftig besser ausschöpfen.

Dazu soll ab 2018 ein neues Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health die bisherigen Initiativen bündeln. Beteiligt sind das Institut für Medizinische Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen.

„Wir haben mit ,Ivena’ gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Blau über seine Arbeit als Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Main-Taunus-Kreis. Positiv sei auch, dass er die Patienten über das System in der Klinik anmelden könne, erklärt der Mediziner. Beispiel Herzinfarkt: „Hier ist für den Notarzt die Information wichtig, ob das Krankenhaus einen Herzkatheder-Platz hat – und dieser auch frei ist.“ Per „Ivena“ lasse sich der Platz reservieren, auch andere Rettungswagen wissen dann Bescheid. Das gleiche gelte für Schlaganfall-Patienten, die in einer speziellen Stroke-Unit am besten versorgt sind. Über das Computerprogramm können auch aus dem Rettungswagen heraus erste Patientendaten an das Krankenhaus geschickt werden. Das spart wertvolle Zeit.

Wie werde ich ...? Notfallsanitäter

Professor Henning Schneider von der Technischen Hochschule Mittelhessen testet in einem Pilotprojekt eine Tele-Therapie für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen (COPD). Die Kranken werden dafür in ihrem Zuhause mit einem Mini-Computer und einer Kamera ausgestattet.

In der Telemedizin insgesamt sieht Blau große Chancen. Bei bestimmten Krankheiten müsse ein Arzt nicht zwingend vor Ort sein, erklärt der Mediziner. Er könne auch aus der Ferne einen Blick auf die Messwerte werfen – und den Sanitäter vor Ort anweisen. „So wird ein Notarzt von Einsätzen entlastet, bei denen er nicht gebraucht wird.“ Aber trotz Datenübertragung, Telefon oder Videoschalte: Die Telemedizin habe auch ihre Grenzen, sagt Blau. Schließlich spielten in der Medizin alle Sinne und auch die lange Erfahrung der Mediziner eine große Rolle. „Telemedizin ist in vielen Fällen gut – aber nicht allein seligmachend.“ (dpa)

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