Pilotprojekt „Gelbe Karte“ zeigt Wirkung

Führerschein in Gefahr

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Beim Projekt „Gelbe Karte“ wird jungen Straftäter angedroht, dass bei Wiederholung der Führerschein weg sein kann.  

Wiesbaden -  Im Jahr 2019 muss entschieden werden, ob die „Gelbe Karte“ in ganz Hessen eingeführt wird. Mit der Verwarnung wird jungen Straftäter angedroht, dass bei Wiederholung der Führerschein weg sein kann. In der Pilotphase zeigt das Projekt Wirkung. Von Bern Glebe

Hitzköpfe und Treter bekommen beim Fußball rasch die Gelbe Karte. Lernen die Täter nichts daraus, ist bei der zweiten Verwarnung das Spiel für sie vorbei. Auf einen ähnlichen Effekt setzt Hessen bei seiner Gelben Karte für junge Straftäter: Ihnen werden bei dem Projekt schwarz auf gelb die Folgen einer Wiederholung aufgezeigt und der Entzug des Führerscheins angedroht. Bis zum Jahr 2019 läuft das Projekt in Hessen noch in der Pilotphase. Laut Innenminister Peter Beuth (CDU) hat sich die Einführung der Gelben Karte bereits bewährt.

Bei fast 90 Prozent der Empfänger zeige diese Maßnahme Wirkung, sagt der Minister. „Es ist wichtig, dass junge Menschen möglichst früh eine klare Botschaft des Staats und seiner Institutionen bekommen, damit sie ihr Verhalten in Zukunft ändern.“ Das Projekt sei ein wertvolles präventives Element, das den breiten Maßnahmenkatalog der Polizei sinnvoll ergänzen werde.

Seit Beginn des Pilotprojekts 2014 wurden bis Ende vergangenen Jahres 1418 Gelbe Karten versendet. Nur 13 Prozent der Gemahnten wurden laut Innenministerium danach erneut auffällig. Die Federführung bei dem Vorhaben liegt bei den Behörden für die Fahrerlaubnis, die daran teilnehmen. Die Polizei soll sie durch intensives Ausschöpfen der bereits bestehenden rechtlichen Möglichkeiten unterstützen. Den Rahmen bietet Paragraf 2 Absatz 12 des Straßenverkehrsgesetzes.

Dabei soll Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch Androhung des Führerscheinentzugs vor allem vor Alkohol- und Drogenkonsum sowie Gewaltdelikten und Straftaten im Verkehr gewarnt werden. Konkret geht es um Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten, die sich auf die Eignung zum Führen eines Fahrzeugs auswirken können. Die Polizei teilt der Fahrerlaubnisbehörde in einem solchen Fall sämtliche Einzelheiten mit. Kommt es nicht sofort zum Entzug des Führerscheins oder der Anordnung einer medizinisch-psychologischen Untersuchung, kann die Gelbe Karte gezückt werden.

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Carsten Wolf vom Frankfurter Verein Jugendberatung und Jugendhilfe schätzt die pädagogische Wirkung der Gelben Karte sehr hoch ein. „Der Führerschein bedeute für viele Freiheit und Unabhängigkeit.“ Auf dem Land könne der Verlust der Fahrerlaubnis sogar existenziell sein, wenn der Job ohne Auto in Gefahr sei. Auch der Ansatz sei gut, bei gewaltbereiten Personen oder Drogenkonsum gerade im Verkehr mit Führerscheinentzug zu sanktionieren.

Beteiligt sind derzeit Fahrerlaubnisbehörden in drei Städten und acht Kreisen, dazu zählt auch Frankfurt. In der Pilotphase können am Projekt bis zu zwei Behörden pro Flächen-Polizeipräsidium teilnehmen. Wiesbaden war die erste Stadt in Hessen, die dabei die Behördenbriefe auf extra gelbem Papier verschickte. Auch dort sind die Erfahrungen positiv – die Rückfallquote aber liegt bei einem Viertel. (dpa)

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