Gerich gerät durch Schirmherrschaft in Nähe zu Gülen-Bewegung

„Wiesbadens OB betreibt falsche Symbolpolitik“

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Sven Gerich

Wiesbaden - Der Ansatz klingt unproblematisch: Mit seiner deutsch-türkischen Kulturolympiade für Kinder und Jugendliche will der Frankfurter Verein Academy das Miteinander von Deutschen und Türken fördern. Von Petra Wettlaufer-Pohl 

Doch hinter dem Verein steht die Gülen-Bewegung des in der USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, deren islamisch-konservative Ausrichtung wenig mit einer säkularen Gesellschaft im Sinn hat.

Sven Gerich, Wiesbadens SPD-Oberbürgermeister, hat nun laut „hr-info“ die Schirmherrschaft für die regionale Abschlussveranstaltung dieser Veranstaltung am 22. September in Wiesbaden übernommen. Ein Wiesbadener Nachhilfeverein, anerkannter Träger der Jugendhilfe, habe ihn darum gebeten. Von der Gülen-Verbindung wusste Gerich zunächst nichts, will aber trotz Kritik die Schirmherrschaft behalten: Er wolle sie „noch mehr als vorher dazu nutzen, mögliche Barrieren abzubauen und ein Zeichen für Integration und Demokratie zu setzen“, so Gerich gestern zu unserer Zeitung. „Und ich will mir zunächst selbst ein Bild von der Veranstaltung und den Organisatoren machen, bevor ich darüber urteile.“

Für den türkischstämmigen Frankfurter SPD-Landtagsabgeordneten Turgut Yüksel ist das eine falsche Entscheidung. Der Gülen-Bewegung gehe es nicht um den interkulturellen Dialog, sie verfolge „eine Umarmungsstrategie“, die von deutschen Politikern unterschätzt werde. Gerade im Bildungsbereich geben sich die türkischen Organisationen im Dunstkreis der Bewegung modern. Ein Gymnasium in Oberursel etwa dementiert die Verbindung nicht, stattdessen erklärte der Geschäftsführer des Trägervereins, Hidayel Akyer, Gülen oder die Gülen-Bewegung spielten weder im Schulalltag noch im pädagogischen Konzept eine Rolle.

Genau das sei die Strategie, meint Yüksel: „Wenn sie offen sagen würden, dass die Gülen-Bewegung hinter ihnen steht, wüsste jeder, woran er ist. Doch das machen sie nicht.“ Gerich verweist auch darauf, dass die Gülen-Bewegung nicht vom Verfassungsschutz beobachtet werde. Das allerdings, so Yüksel, könne für einen Politiker nicht alleiniger Indikator sein. Natürlich gehe es Politikern bei solchen Schirmherrschaften darum, ihre Integrationspolitik unter Beweis zu stellen, „aber wenn der kritische Blick fehlt, ist das der Integration nicht dienlich, das ist falsche Symbolpolitik.“

Vor zwei Jahren hatte Hessens damaliger Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn die Schirmherrschaft übernommen, 2013 war es die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper (beide FDP). Für Turgut Yüksel sind auch das keine Argumente: „Wenn Herr Hahn mein Vorbild wäre, wäre ich Mitglied der FDP.“

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