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YouTube-Alternative aus Hessen: »Watchbetter« will die Big-Player angreifen

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Einer der Köpfe hinter »Watchbetter« aus Gießen ist Patrick Wallbott. © Oliver Schepp

Mit Qualität statt Quantität möchte die deutschsprachige Videoplattform »Watchbetter« anwenderfreundlicher und nachhaltiger sein als die großen Vorbilder aus den USA.

Gießen - »Drei Lügen über das Joggen«, »1150 Euro im Jahr sparen« oder »Balkon Deko Winter« - wer auf das Videoportal »Watchbetter« geht wird sich optisch direkt zuhause fühlen. Doch nicht etwa weil es »made in Gießen« ist, sondern weil es sich stark an den Big-Playern des Video-Streaming im Web orientiert. Auch beim Anbieter aus Gießen sollen bunte Titel und Vorschaubilder Lust auf das Anklicken erzeugen. »Clickbait«, also »ködern« mit reißerischen Vorschaubildern, haben diverse Influenzer und Content Creator bereits auf YouTube (YT) angewendet. Ein ähnliches Prinzip wenden sie nun auch bei Watchbetter an.

Netflix-typisch kommen hingegen die verschiebbaren Leisten in Kachelansicht daher, die streng nach Kategorien sortiert sind. Ob »Essen & Trinken«, »Haus & Wohnen« oder «Garten«, vieles davon hat einen gewissen Ratgeber-Charakter. Eine Kategorie »Serien & Filme« bietet erste Film-Trailer. Hier freuen sich die Macher bereits über die Zusammenarbeit mit Sony Pictures Germany. Weitere Kooperationen sollen noch folgen, Auch mit Öffentlich Rechtlichen Fernsehanstalten liebäugelt das Unternehmen mit Sitz im Seltersweg. Hier gäbe es diverse Sender und Sendungen, die zum eigenen Stil passen würden.

Das Streaming-Angebot, vom Fernwalder Patrick Wallbott und seinem Mitgründer Dennis Walter, soll für die Nutzer unentgeldlich bleiben. Wer aber etwa unter einem der derzeit rund 30 000 Videos kommentieren, also Teil der Community werden möchte, der braucht ein kostenloses User-Profil. Monatliche Gebühren, wie bei Netflix und Co. seien derzeit nicht geplant.

Youtube-Alternative Watchbetter aus Gießen: Kostenlos, aber überschaubar

Bisher hält sich das Angebot noch in Grenzen. Wallbott konnte knapp 200 ausgewählte deutschspachige YouTuber und Instagramer zu sich ins Boot holen. »Damit haben wir schonmal einen guten Start in diesem Jahr gehabt«, bewertet er - los ging es nämlich im ersten Quartal. Sei dem bietet er seinen Kanalbetreibern auf Watchbetter eine weitere Verdienstmöglichkeit. »Das ist für Content Creator nur ein weiterer Upload, wenn sie neben YT auch bei uns ihre Videos zeigen möchten«, Auch bei Wallbott werden die Videoproduzenten nach vom User aufgerufenen Werbevideos bezahlt. Das läuft also ähnlich wie bei den Großen. Die Werbeclips starten, wenn ein bestimmter Inhalt angeklickt wird. Werbebanner gehören auch zur Website dazu. So finanziert sich das Unternehmen: Je mehr Inhalte und Nutzer auf der Plattform zusammen kommen, desto besser für Wallbotts Geschäftsmodell und alle Beteilgten, die ihm Inhalte liefern.

Allerdings möchte Watchbetter wählerischer beim Content sein, als es YT bei seinen zwei Milliarden Nutzern ist. Es gibt ein Auswahlverfahren, was bei Watchbetter geht und was nicht. Verschwörungstheorien sowie gewaltverherrlichende oder menschenverachtende Inhalte sollen zum Beispiel keinen Platz finden. Bei YT mischen sich solche Inhalte aber schnell unter das unzählige Angebot. »Aber auch typische Lifestyle-Clips. mit denen YT quasi geflutet ist, wird man bei uns nicht finden. Wir wollen einen Mehrwert bieten, also vor allem Info- und Edutainment«, zählt Wallbott auf. Kurz: Hier soll Mensch wirklich was lernen und dabei möglichst noch unterhalten werden. In naher Zukunft sollen auch Short-Videos, wie die von TikTok Einzug erhalten, jedoch mit mehr Anspruch als beim Angebot aus China. YT-Shorts, also sekundenlange Clips, gehen bei der Konkurrenz bereits gut. Auf den Zug will also auch Watchbetter aufspringen. »Lieber gut kopiert, als schlecht selbst gemacht«, sagt sich daher auch Patrick Wallbott.

Youtube-Alternative Watchbetter aus Gießen: Aus Fehlern anderer gelernt

Das erfolgreiche YT mache aber auch nicht alles richtig. Generell gelte es bei deren Suchfunktion die Spreu vom Weizen zu trennen, so Wallbott. Das schiere Überangebot und der auch oft von YouTubern krisierte Such-Algorythmus, seien weder für Kanal-Betreiber noch für reine Viewer besonders freundlich. Da will Wallbott mit seinem Team für mehr Ordnung sorgen. Es soll bei ihm auch persönlicher zugehen als beim unnahbaren Giganten aus Kalifornien. »Ich stehe mit den Menschen hinter den Videos stets in Kontakt und gehe auch auf ihre Vorschläge ein.« Das möchte er auch möglichst dann beibehalten, wenn sein Unternehmen weiter wächst.

Anziehungskraft auf die dringend benötigten Nutzer soll auch ein nachhaltiger Aspekt von Watchbetter haben. Nicht nur werde CO2 kompensiert, auch »ein Teil der Einnahmen aus gesehenen Werbespots geht an die ›Eden Reforestation Projects‹«, erläuterte Wallbott. Bei dieser Kooperation soll bei allen 2000 gesehene Videominuten ein Mangrovenbaum gepflanzt werden. Derzeit sollen dabei rund 3000 neue Bäume zusammen gekommen sein, die »drei- bis fünf Mal mehr Kohlenstoff speichern als tropische Regenwälder und andere Bäume«, lautet das Versprechen. (Emanuel Zylla)

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