Mindestens vier Menschen in Hessen ertrunken

Zahlreiche Risiken im Wasser

Wiesbaden - „Ertrinken ist immer leise“, sagt Michael Hohmann, Präsident der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Hessen. Denn vor dem Untergehen stehen oft Bewusstlosigkeit oder Erschöpfung.

Allen Warnungen zum Trotz ertrinken jedes Jahr einige Menschen in Hessens Seen, Flüssen und Schwimmbädern. 19 waren es 2017, vier sind es schon in diesem Jahr. Bei dreien handelt es sich um junge Männer. Das vierte Opfer ist ein vierjähriger Junge, der in einem Schwimmbecken in Hofheim ertrank.
Die Polizei kann meist nur einen Badeunfall als Ergebnis feststellen - also dass die Opfer ertrunken sind. Der unmittelbare Auslöser bleibt meist unklar. Wenn Zeugen das Untergehen beobachtet hätten oder es keine Anzeichen von Gewalteinwirkung gebe, könne auf eine Obduktion verzichtet werden, sagt Kathy Rosenberger, Polizeisprecherin im Landkreis Darmstadt-Dieburg. So geschah es jetzt auch bei zwei Badeunfällen in Südhessen.

Ein Grund, warum junge, sportliche Männer plötzlich untergehen, ist laut DLRG-Präsident Hohmann Selbstüberschätzung. Manche wollten auf eine Badeinsel schwimmen, könnten aber die Strecke nicht einschätzen. 750 Meter in einem See sind 30 kurze Bahnen im Schwimmbad. „Das ist viel und im Freigewässer gibt es keinen Beckenrand, an dem man sich ausruhen könnte“, so Hohmann. Auch verschiedene Wasserschichten, die übereinander stehen, können gefährlich sein. „Oben ist es kuschelig warm und unten eiskalt, das überfordert den Kreislauf.“

Dem Schwimmer kann schwummrig werden, der Kopf falle ins Wasser. Trotz der Ohmacht setze der Atemreiz nicht aus - es kommt zum Ertrinken. Auch im Schwimmbad gibt es Gefahren, etwa bei Tauchversuchen in Kombination mit schneller, flacher Atmung. „Wenn Sie hyperventilieren, sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut“, sagt der DLRG-Präsident. Kohlendioxid ist für den Reiz zu Atmen zuständig. Gleichzeitig steigt aber nicht der Sauerstoffgehalt. Das Ergebnis: Der Tauchende wird bewusstlos.

Es bleibt dabei: Durch gute Vorbereitung könnten viele Unfälle verhindert werden, sagt Hohmann. (dpa)

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