Luxusgeschöpf fürs Gelände

Der neue GL – ein echter Rockstar

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Er kann zwar alles im Gelände, ist aber eigentlich ein Luxusgeschöpf.

Mächtig viel Platz, mächtig viel Kraft, mächtig viel Luxus – so kommt das neue Mercedes-Flaggschiff, der GL, im boomenden SUV-Markt daher.

Fazit der ersten Ausfahrt: Der GL ist bei Bedarf ein schicker Kleinbus für sieben Personen, allrad- und geländetauglich und dabei komfortabel wie eine S-Klasse.

Im Inneren herrscht Luxus, wohin das Auge reicht..

Dennoch wird man das Gefährt auf dem deutschen Markt eher selten sehen (2010: knapp über 1100 Neuzulassungen). Denn die Hauptabnehmer sitzen im Land der unbegrenzten Meilen, den USA, neuerdings auch immer mehr in Russland und natürlich im Boom-Markt China. In den Vereinigten Staaten ist Mercedes im Luxus-Segment der Klassenprimus. 27.000 verkaufte Autos im vergangenen Jahr, Marktanteil 30 Prozent. Das schafft keiner und soll auch künftig keiner schaffen. Deshalb wurde der GL großzügig runderneuert. Die Hightech-Details:

Die umklappbare Rücksitzbank

Der GL ist entweder Familientransporter (der Nachwuchs der Nachbarn passt auch noch rein) oder Transportwunder. Fangen wir mit Letzterem an. Wenn alles umgeklappt ist, verstauen Sie sagenhafte 2300 Liter, das entspricht 2300 Mass Bier. Umbauen auf Bus-Funktion? Kein Problem. Auf Knopfdruck und auf beiden Einsteigeseiten klappen die zwei Zusatzsitze im Laderaum auf. Einsteigen, umklappen, fertig. Für Kinder absolut ausreichend, der Kollege mit seinen 1,93 Metern macht den Erwachsenen-Check. Entspannt sieht er nicht gerade aus, aber rein theoretisch könnte er dort sitzen. Nicht gerade von Kiel bis München, aber von Düsseldorf nach Essen würde es gehen. Wenn man aussteigen will, ist es leider nicht so komfortabel. In diesem Fall gibt es keine elektrische Hilfe, man muss selbst Hand anlegen, wenn man die Sitze wieder umklappen will.

Offroader-Klassiker: Mercedes G-Klasse

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Die üppige Sicherheitsausstattung

Hier haben die Techniker ohnehin alles eingebaut, was Mercedes zu bieten hat. Neu und auch eher für den US-Markt ist der Seitenwind-Assistent, der bei entsprechend starker Luftbewegung – zum Beispiel auf Brücken – bremsend eingreift.

Die 360-Grad-Rundum-Kamera

...außen macht der GL auf Naturbursche.

Man fragt sich: Wie kriegen die diese Sicht aus der Vogelperspektive hin, wo man doch vergeblich nach dem ausfahrbaren Teleskopstab mit Kamera sucht? Dass ein Satellit im All beim Einparken zusieht, ist ja auch eher unwahrscheinlich. Nein, des Rätsels Lösung ist einfach: Vier 180-Grad-Kameras – versteckt am Kühler, am Heck und unterhalb der Türgriffe an beiden Seiten – schicken ihre Bilder (drei Meter Reichweite vorn und hinten sowie 2,50 Meter rechts und links) zum Computer, der wiederum die Werte hochrechnet und das Auto in die laufend neu eintreffenden Kamerabilder hinein projiziert. Das hat vier Jahre Entwicklung gekostet, ist aber mehr als praktisch und sieht auch am schicksten aus – verglichen mit den wenigen Anbietern, die neben Mercedes die 360-Grad-Kamera mit an Bord haben.

Die Einparkhilfe

Schon beeindruckend, wie sich der 5,12-Meter-Koloss (2,445 Tonnen), geleitet von zehn Parksensoren, wie von Geisterhand in die Parklücke schiebt. Der Fahrer muss nur Gas geben und bremsen, selbstverständlich auch Rück- und Vorwärtsgang bedienen.

Die Fahrgeräusche

Durch Feintuning an der Dämmung und an den Aufhängungen ist der SUV die Ruhe selbst, man fühlt sich wie in einer Luxuslimousine. Ist auch bitter nötig für den US-Markt. Wer dort jemals Urlaub mit dem Auto gemacht hat, der weiß, wie gut deutsche Autobahnen auch nach 20 Jahren noch sind. In den Staaten sind die Highways eher bessere Rumpelpisten.

Der neue Mercedes GL.

Noch ein Wort zu den Motoren: Ganz unabhängig vom AMG G 63 mit dem 8-Zylinder-Biturbo-Aggregat (5,5 Liter, 557 PS, 130.305 Euro) ist auch der 500er ein Tier (4,7 Liter, 435 PS, 700 Newtonmeter, ab 94.605 Euro). Leise bringt er den Koloss auf Touren, mit Tempomat sind die angegebenen 11,5 Liter drin, bei unbedachtem Umgang mit dem Gaspedal heißt es: The sky is the limit – der Himmel ist die Grenze. Gott sei Dank kostet Benzin in den USA unter einem Dollar pro Liter.

Vernünftige Alternative ist der GL 350 Bluetech. Mit seinen 258 PS (Drehmoment 620 Nm, 0 auf 100 in 7,9 Sekunden) hat er anständigen Bums und überschaubaren Durst (7,4 Liter). Dafür legt man 72.471 Euro auf den Tisch. Wenn man die gleiche Summe in Dollar zahlen könnte: Man würde schwach werden.

RDF

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