Erster Fahrbericht

Neue Allwetter-Porsche

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Markante Hinterpartie: Nur bei den Allradvarianten des 911er gibt es das durchgehende Lichtband, das die Heckleuchten miteinander verbindet.

Schneematsch, Nieselregen, feuchtes Laub, enge Kurven! Man muss sagen: Porsche ist überzeugt von seinen neuen Vierradmodellen...

Auch als Cabrio erhältlich: Dann kostet der Carrera 4 S knapp 125.000 Euro. Zeitlos schön, luxuriös und edel ist das Interieur sowohl beim Cayenne als auch beim 911er.

...die zum ersten Test in der Steiermark auf diesem Gelände antreten müssen. Zurecht, denn sowohl der neue Cayenne S Diesel als auch der 911er 4S laufen wie auf Schienen. Das ist für einen SUV wie den Cayenne selbstverständlich, für ein Sportgerät wie den 911er nicht, bedeutet dafür jede Menge Zusatzspaß, denn der Porschebesitzer muss sich nicht mehr ausschließlich auf Schönwetterperioden verlassen. Schon in der Vergangenheit hatten die Zuffenhausener großen Erfolg mit diesem Konzept. Denn der Vierrad getriebene Anteil am 911er (seit 1989) liegt bei satten 41 Prozent.

Zur Einzelkritik. Starten wir mit dem neuen Cayenne, der mit 400 000 verkauften Exemplaren (seit 2002) bei Porsche ja quasi das Brot- und Butter-Auto geworden ist. S Diesel, das bedeutet mehr Power (382 PS), mehr Drehmoment (850 Nm), mehr Beschleunigung (0 auf 100 in 5,7 Sekunden) und mehr Hubraum (4,2 Liter). Acht Zylinder werkeln im Biturbo-Aggregat, das aus dem Konzernregal stammt, aber für Porsche stark modifiziert wurde.

Der Anspruch jedenfalls ist groß. Ganz oben wollen sie bei den Powerdieseln stehen und in dieser Klasse gibt es nicht viele Gegner. Dafür wirklich bärenstarke: Da ist zum Beispiel der brandneue dreifach aufgeladene 550d von BMW. Der hat 381 PS, also 1 PS weniger, was man bei Porsche durchaus als Wink mit dem Zaunpfahl deuten sollte.

Kann der Porsche nun mithalten? Wir haben es getestet, denn der Zufall wollte es, dass der 550 xd (V6-Zylinder, 3,0 Liter, 740 Nm Drehmoment, 0 auf 100 in 4,9 Sekunden) gerade als Testauto (allerdings die Limousine) zur Verfügung steht.

Der V-8 im Cayenne macht jedenfalls vom ersten Gaspedaldruck an Spaß: Durchzugskräftig, unbändig, kraftvoll, so fühlt er sich an. Und der BMW? Sonore und vitale Dauer-Power, immer was in der Reserve, er schiebt und schiebt und schiebt. Während der Cayenne losgaloppiert wie ein junger Wilder und dann ein wenig nachlässt, zeigt der BMW ebenfalls giftigen aber jederzeit souveränen Volllastbetrieb über die ganze Distanz!

Wer jetzt der Bessere ist? Schwierig, denn am Ende ist es dann doch eine reine Temperamentfrage. Und auch der Verbrauch lässt das Pendel nicht eindeutig ausschwingen. Mit knapp 12 Litern Diesel sind beide Aggregate nicht sparsam, aber für knapp 400 PS auch keine ausgesprochenen Säufer.

Triebwerk von der VW-Stange: Der V 8 des Cayenne S Diesel stammt aus dem Konzern-Regal, wurde jedoch stark überarbeitet.

Sonst ist diesem Cayenne (ab 77.684 Euro Grundpreis) alles beim alten, abgesehen von einer zweiflutigen megacool klingenden Auspuffanlage. Mehr Neuigkeiten bietet da schon der 911 4 S. Im Vergleich zum normalen Elfer ist er hinten um 44 Millimeter an den Kotflügeln gewachsen, die Rücklichter werden mit einem roten Lichtband verbunden. Neu im Angebot ist auch ein Glasdach fürs Coupé und ein neues Rundinstrument im Cockpit, das die Kraftverteilung des so genannten Porsche Traction Managements (PTM) anzeigt. Also welche Achse mit wie viel Prozent Power versorgt wird. Das heißt übersetzt: Bei trockener Straße im reinen Sportbetrieb schiebt das Auto charakteristisch vom Heck aus, bei feuchten Wetterlagen zieht er mehr von vorne.

Power Porsche: Cayenne mit 550 PS 

Fotos vom Porsche Cayenne Turbo S

Cayenne S Diesel

Genug der Technik, nun zum Fahrgefühl: Wenn 911er Coupé, dann die 4-S-Variante. Liegt der Klassiker schon standesgemäß sensationell auf der Straße, so ist der Allrader noch ein Stück besser. 4,1 Sekunden von 0 auf 100, 14,1 Sekunden von 0 auf 200 – dazu ein Fahrgefühl, als ob man in einem der Star-Wars-Fluggleiter schweben würde. Es ist und bleibt ein Erlebnis, Porsche zu fahren – in diesem Fall – Porsche zu fliegen. Das schlägt sich freilich im Preis nieder. Mit 112.313 Euro liegt dieses Coupé um knapp 25.000 Euro über der Einstiegsversion der 911er-Reihe.

Fazit

„Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab’ ich mich nicht getraut!“ Jenseits des Geldes wäre das die Antwort des Autors, wenn man ihn fragen würde, ob er sich so einen Porsche kaufen würde.

RDF

Wieder Rekord

Bei Porsche ist heuer alles im Doppel-Plus-Bereich. In den ersten neun Monaten des Jahres verkauften die Zuffenhausener 20 Prozent mehr Autos (103.245), erhöhten den Umsatz um 28 Prozent (10,15 Milliarden) und erhöhten das operative Ergebnis um 22,89 Prozent auf 1,88 Milliarden Euro. Vorstandschef Mathias Müller ist zufrieden, auch mit einer Umsatzrendite von 18,5 Prozent, und kündigt an: „Wir werden unsere Produktoffensive fortsetzen.“ Mit dem neuen Cayman und dem komplett neu entwickelten SUV Macan stehen 2013 die Protagonisten schon fest.

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