König der Aufbauspiele

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Mit "Anno 1404" erschuf die Mainzer Spieleschmiede "Related Designs" ein fantastisches Aufbau-Strategiespiel im Mittelalter.

In unserer Kleinstadt fehlt es an Brot, die Fisch- und Gewürzbestände gehen zuneige und Gesetzlose bedrohen unsere Papiermühle. Aufgebrachte Bürger und Patrizier zünden Häuser an und noch dazu zieht der schwarze Tod durch die Straßen und rafft die Bevölkerung hin. Wir testeten das Aufbaustrategiespiel „Anno 1404". Von Jan Schmitt

„Anno 1404" ist der bereits vierte Teil der erfolgreichen Aufbau-Strategieserie aus Österreich und Deutschland. Anders als in herkömmlichen Strategiespielen steht hier nicht der militärische Aspekt im Vordergrund, sondern der Aufbau einer florierenden Metropole. Krieg und Eroberung nimmt nur eine untergeordnete Rolle ein und kann bei Bedarf auch komplett vermieden werden. Doch wie darf man sich das Spiel vorstellen?

Nach Spielstart haben Sie die Auswahl, ob Sie sich direkt ins Endlosspiel, in eines von sechs Szenarien oder in die neue Kampagne stürzen. Die Kampagne erzählt dabei eine Geschichte, wie sie vorraussehbarer nicht sein könnte, stellt jedoch gleichzeitig das Tutorial da und unterhält dank stetig steigendem Schwierigkeitsgrad. Der Kaiser ist krank und kann nur durch ein Wunder geheilt werden. Also lässt Lord Richard Northburgh einen Dom bauen und erbittet sich damit die gewünschte Heilung für das Regierungsoberhaupt. Doch der Dombau kommt ins stocken und so bittet Lord Northburgh den Spieler Rohstoffe für ihn zu beschaffen.

Bilder aus „Anno 1404“ für den PC

„Anno 1404“ - Ein Aufbaustrategiespiel aus Mainz

Das geschenkte Lehen wird also schnell besiedelt und die ersten Tonnen Holz, Stein und Seile zur Baustelle verschifft. Doch plötzlich taucht eine weitere Person - Lord Guy Forcas - auf und berichtet von einem, vom Kaiser ausgerufenem, Kreuzzug gegen den Orient. Schnell werden Sie Forcas unterstellt und blicken in das Gesicht des scheinbar unvermeidlichen Krieges. Innerhalb von 15-20 Stunden Spielzeit werden Sie jedoch merken, dass militärische Auseinandersetzungen eher die Seltenheit sind. Für ein Strategiespiel ist die Geschichte gut gelungen und überzeugt besonders durch die guten Sprecher, interessanten Missionen und die sehenswerte Präsentation.

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Die sechs Szenarien kommen dagegen ohne Story daher. Sie starten auf einer festgelegten Insel und müssen verschiedene Ziele erreichen. Im leichtesten Szenario müssen Sie beispielsweise 150.000 Goldmünzen sammeln und auf ihren Inseln insgesamt 5000 normale Bewohner sowie 2000 Adelige ansiedeln. Klingt leichter als es ist, mit jedem einzelnem Szenario werden Sie mehr Zeit verbringen als mit einem herkömmlichem Ego-Shooter oder Adventure und haben noch dazu durchgehend etwas zu tun.

Ohne Nahrung würde Ihre Stadt nicht lange bestehen. Also bauen Sie Felder, Fischerhütten und siedeln Bienenvölker an.

Das Herzstück eines jeden Anno-Teils ist allerdings das Endlosspiel. Hier wählen Sie entweder zwischen drei festgelegten Schwierigkeitsgraden oder basteln sich Ihre eigene Herausforderung zurecht. So lassen sich die Größe und Anzahl der Inseln, das Rohstoffvorkommen, die Anzahl der Spieler, möglich Naturkatastrophen und noch vieles mehr einstellen. Je nach Schwierigkeitsgrad starten Sie auf einem Schiff oder direkt auf einer Insel und errichten die ersten Gebäude.

Bauernhäuser lassen sich nur errichten, wenn bereits ein Marktplatz in der Nähe ist. Eine Fischerhütte sorgt für genügend zwischen den Zähnen und ein Mosthof stillt das Bedürfnis nach Getränken. Eine kleine Kapelle erfüllt schließlich noch den Bedarf nach Glauben. Der Häuserbau benötigt jedoch Holz und so muss auch eine kleine Holzfällerhütte errichtet werden. Noch dazu müssen sich alle Gebäude an einer Straße befinden, damit Ihre Einwohner zu den einzelnen Gebäuden kommen und die Marktkarren ihre Ziele erreichen. Sind genügend Bauern angesiedelt, steigen die ersten zu Bürgern auf und schalten damit neue Gebäude frei. Bürger wiederrum benötigen Gewürze um zufrieden zu sein. Gewürze lassen sich jedoch nur im Orient anbauen.

Zeitsprung - 6 Stunden später

Unsere Bauernsiedlung ist inzwischen zu einer Kleinstadt angewachsen. Der Stadtkern besteht auf Marktplatz, großer Kirche samt Glasfenstern und dutzenden Adelshäusern. Most- und Hanfhöfe wurden genauso wie neue Bauernhäuser vor die Stadtmauern verbannt. Ein Armenhaus verhindert, dass unsere Kopfsteinpflasterstraßen von Bettlern gesäumt werden und ein schmucker Hafen samt Werft und Kran säumt unsere Küste, beinnahe im Minutentakt trudeln eigene Handelsschiffe ein. Auch Verbündete schicken regelmäßig Koggen um uns von überschüssigen Rohstoffen zu befreien und unseren Geldbeutel zu füllen.

Der Adel ist jedoch wählerisch. Nachdem wir unser Flaggschiff mit Geschenken zum Sultan des Orients schickten, erlaubte der uns, eine seiner Südinseln zu bewohnen und Hütten für Normaden zu bauen. Normaden benötigen jedoch Datteln und Ziegenmilch - und sowohl Dattelplantagen als auch Ziegen benötigen fruchtbaren Boden um zu gedeihen. Also schnell eine Noria (eine Art Wasserpumpe) gebaut und das Land somit im kreisförmigem Umkreis fruchtbar gemacht. Als genügend Normaden in unsere Siedlung gezogen waren, durften wir endlich die Gewürzplantagen errichten und somit unsere Kleinstadt versorgen.

Nun möchte der Adel jedoch auch Brot und Bier, sowie Rindfleisch. Ebenso Lederkleidung und Bücher. Zu unserem Unmut - wie sollte es auch anders sein - ist unsere Insel jedoch nicht fruchtbar für Weizen und Kräuter, beherbergt keine Salzvorkommen für die Gerberei und wird von keinem Fluss durchquert, auf dem sich eine Papiermühle für die Bücher bauen ließe. Noch dazu benötigen diese auch Indigo und den findet man - wiedereinmal - nur im Orient. Dort wird er allerdings auch für Teppiche benötigt.

Der Orient kommt mit anderen Gebäuden und Einwohnern daher, unterscheidet sich spielerisch aber nicht gravierend von Siedlungen weiter im Norden

Sie sehen, es gibt extrem viel zu tun und zu beachten. Selbst wenn Sie alle Rohstoffe in ausreichender Menge produzieren, ist die Arbeit noch nicht vorbei. Gebäude wie Schänken, Kirchen und Marktplätze haben nur einen bestimmten Einflussradius. Steht ein Haus ausserhalb diesem, wird ein Bedürfnis nicht befriedigt. Also gilt es sehr gut zu planen und notfalls Gebäude auch wieder abzureissen. Fehler lassen sich innerhalb von Minuten wieder beheben. Ärgerlich ist es dennoch, wenn ein Kosarenschiff eines ihrer Handelsschiffe versenkt und somit für kurze Zeit beispielsweise keine Lebensmittel mehr in ihre Städte gebracht werden. Einwohner ziehen aus oder randalieren und im schlimmsten Fall verlieren Sie einen Großteil der Bevölkerung. Verweigern sie Obdachlosen den Zugang ihrer Stadt, rotten diese sich auch häufig zu Gesetzlosen zusammen und überfallen ihre Produktionsstätten.

Kommt es doch einmal zu Auseinandersetzungen mit Mitspielern, werden Einheiten als Militärlager dargestellt.

Während der verschiedenen Spielmodi bekommen Sie immer wieder Aufträge. Diese reichen von Rohstofflieferrungen, über das Suchen einer Person in einer Ihrer Städte, bis hin zu Bergung von Treibgut oder Schiffsbrüchigen. Ab und zu soll auch mal ein feindliches Schiff versenkt werden.

Der Militäraspekt im Spiel ist recht klein. Abgesehen von Schiffen sind Einheiten simple Militärlager, die an feindliche Lager herangeführt werden um automatisch zu kämpfen. Belagerungsgerät sorgt für zusätzliche Spannung.

Anno 1404

Freigegeben ab 6 Jahren Erhältlich für: PC

Homepage

Neu in "Anno 1404" sind die drei gigantischen Bauten, die sich über mehrere Schritte und unzählige Spielstunden ziehen. Kaiserdom, Sultansmoschee und Lagerstadt erfordern allerdings auch extreme Rohstoffmengen und sind somit nicht für Anfänger geeignet. Gesteuert wird das Spiel fast ausschließlich mit der Maus, vereinzelt ist die Tastatur nötig. Grafisch ist "Anno 1404" eine Wucht. Fantastisch animiertes Wasser, bis zu 80% mehr Einwohner in den Städten als im Vorgänger "Anno 1701", eine dreh- und zoombare Kamera und ein umwerfender Detailgrad erfordern jedoch einen starken Rechner. Wer den nicht hat, muss sich mit einer abgespeckten Grafikversion zufrieden geben. Soundtechnisch gibt es ebenso wenig zu bemängeln - die Sprecher machen eine wundervolle Arbeit und die Musik erinnert an die eines Hans Zimmer. Wenn am Hafen Menschen Säcke umhertragen, Fässer durch die Straßen rollen, Adelige herumstolzieren und Karren über das Pflaster holpern kommt zudem eine gelungene Atmosphäre auf.

Schlussendlich ist "Anno 1404" ein fast perfektes Aufbau-Strategiespiel, dass nur durch einen Multiplayermodus sowie kleineren Designschnitzern noch angenehmer werden könnte. Man sollte sich dennoch bewusst sein, dass das Spiel viel Zeit benötigt, dafür aber auch umso länger unterhält.

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