Parodie des Fantasygenres

+
Im Adventure "The book of unwritten tales" wird das ganze Fantasy-Genre auf die Schippe genommen. Hier: Der Herr der Ringe.

Gnom Wilbur lebt vor den Toren einer Zwergenstadt im Weisskammgebirge. Den Tag verbringt er damit dem Wirt in der örtlichen Schänke bei allerlei Aufgaben zu helfen. "Ich habe noch nie gehört, dass ein Held Ratten jagen muss" schimpft der junge Gnom und jagt einem der Nager hinterher. Wilbur sehnt sich nach dem typischem Abenteurerleben samt Gefahren und Zauberei. Von Jan Schmitt

Und das Abenteuer soll er auch bekommen. Auf dem Weg nach Hause, landet ein riesiger Eisenkäfig, samt  gefangenem Gremlin, vor seinen Füßen. Das kleine Wesen drückt Wilbur einen magischen Ring in die Hand, welcher, so der Gremlin, eine große Macht habe und schnell in Sicherheit gebracht werden müsse. Also macht sich Wilbur auf um das magische Artefakt in die Menschenstadt Seefels zu Magier Alistair zu bringen.

Ein magischer Ring, ein mächtiger Magier, technisch begabte Gnome und Helden die Ratten jagen? "The book of unwritten tales" verschont kein einziges Fantasyklischee und reitet hemmungslos auf unzähligen Filmen, Spielen und Büchern herum.

Im Spielverlauf trifft der Spieler auf die unterschiedlichsten Charaktere. In der Kanalisation beispielsweise den „Rattenkönig„.

In Seefels spielen ein Magier und ein Händler zum Beispiel "World of Bureaucracy". Die beiden hatten genug von epischen Schlachten, legendären Drachen und sagenumwobenden Schätzen und fliehen lieber in eine Welt der Formulare, Bußgeldbescheide und Steuererklärungen. Im Sumpf wartet dagegen der arbeitslos gewordene Sensenmann, da man schon seit Jahren nicht mehr in Adventures sterben kann. Wilbur soll also helfen das Prinzip der Lebendbestattungen unter die Leute zu bringen.

Im Laufe des Abenteuers schließen sich Wilbur drei weitere Personen an. Da wäre einmal die grazile Elfe Ivo, die mit ihrem Vogel spricht, der zynische Captain Nate und zuletzt das pelzige "Vieh", dass sich durch die winzigsten Lücken quetschen kann. Gesteuert werden die Helden immer abwechselnd, manche Rätsel lassen sich zudem nur durch Teamarbeit lösen.

Bilder aus „The book of unwritten tales“ für den PC

„The book of unwritten tales“  ein Adventurehighlight

Wie in anderen Point&Click-Adventures besteht das Spiel größtenteils aus Gesprächen und Rätseln und wird mit der Maus gesteuert. Der Spieler sucht den Bildschirm nach benutzbaren Objekten ab, kombiniert Gegenstände und erfährt durch Dialoge neue Informationen. Die Schwierigkeit steigt dabei im Laufe der Geschichte immer weiter an und fordert somit fortschreitend. Kommt man doch einmal nicht weiter, so lassen sich auf Tastendruck alle 'Hot-Spots' anzeigen. 'Hot-Spots', das sind Stellen im Spiel, die irgendeine Interaktion erlauben. Im Gegensatz zu anderen Spieler der Adventure-Gattung lassen sich allerdings nur Spots die wirklich noch benötigt werden mehrmals anklicken. Das hilft ungemein, wobei die Spielabschnitte in "The book of unwritten tales" stehts übersichtlich bleiben und so längere Laufwege entfallen. Eine Schnellreisefunktion beschleunigt das Spieltempo zusätzlich.

Neben dem Weisskammgebirge und der Stadt Seefels, bereist die Abenteuergruppe alte Tempelanlagen, Koboldminen, ein Orklager und zahlreiche weitere Schauplätze. Durch die allesamt sehr schicken Hintergründe und Animationen, sowie den brillianten Sprechern, kommt dabei schnell Atmosphäre auf. Während Ivo die selbe Synchronstimme wie Actionheldin Lara Croft hat, leiht der deutsche Sprecher von Ben Stiller Nate seine Stimme.

In einer Höhle stößt Nate auf eine Drachendame, die vom Transportdrachen auf Terror umschulen will.

Auch die symphatischen Nicht-Spieler-Charaktere wurden gut vertont und mit Liebe zum Detail gestaltet. In der Kanalisation stoßen wir auf eine Ratte im Zorro-Outfit, die auch stimmlich an Antonio Banderas erinnert, während eine gelangweilte Drachendame von Transport auf Terror umschult und deswegen in ihrer Höhle alte Bücher studiert. Der Humor kommt dabei nie zu kurz, so gut wie jede Szene hält Anspielungen oder Witze bereit. Kiffende Tauren, die magische Pilze wollen, homosexuelle Paladine und zweiköpfige Oger, die durchweg im Streit liegen, sind jedoch eine Art des Humors, die nur bei dem fruchten, der die Anspielungen versteht. Spieler, die kein "World of Warcraft" gespielt haben, dürften mit vielen Witzen und Anspielungen nichts anzufangen wissen, ebenso wie Personen, denen "Der Herr der Ringe" und die "Star Wars"-Filme fremd sind. Alle anderen dürften aber durchaus ihre Freude am bisher besten Adventure des Jahres haben.

The book of unwritten Tales

Freigegeben ab 12 Jahren Erhältlich für: PC

Homepage

Gut 20 Stunden Spielzeit sowie eine fesselnde Handlung sorgen für zusätzliche Motivation. Einziger wirklicher Knackpunkt ist, dass Bösewicht Erzhexe Montroga charakterlos bleibt und somit kein wirkliches Gefühl einer Bedrohung aufkommt.

Kommentare