Der Wilde Westen ist tot

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Jeeps statt Pferden, Automatikgewehre statt Revolvern und alberne Sprüche statt coolen Westernklassikern - wäre da nicht die typische Umgebung, so hätte „Call of Juarez – The Cartel“ kaum etwas mit seinen Vorgängern gemein.

Vorbei sind die Zeiten, in denen Pferde durch die Prärie trabten oder zwielichtige Gestalten Postkutschen und Eisenbahnen überfielen. Mit „Call of Juarez – The Cartel“ zeigt Entwickler Techland, wie man ein gutes Spielgerüst wegwerfen und durch alltägliche Billigware ersetzen kann. Von Jan Schmitt

Der Markt ist gesättigt. Shooter gibt es an jeder Ecke, zu jeder Thematik, mit unzähligen Helden und Widersachern, im Dschungel, in der Großstadt, in der Vergangenheit, in der Zukunft oder im All. Wer sich aus der Masse hervorheben will, der muss Risiken eingehen, neue Elemente einbringen oder an der Grenze zur Perfektion arbeiten. „Crysis“ brachte den Nano-Suit mit dezenten Superheldenfertigkeiten, „Max Payne“ die Zeitlupenfunktion, „Bulletstorm“ die Belohnungen für besonders verrückte Tötungen. Die Spielereihe „Call of Juarez“ hatte die recht selten genutzte Westernthematik.

Immer wieder tauchen im Mehrspielermodus Herausforderungen auf. So muss beispielsweise besonders präzise getroffen werden. Das sorgt für Abwechslung und kurzzeitige Motivation.

Mit „The Cartel“ geht Entwickler Techland nun allerdings einen anderen Weg. Innovation? Fehlanzeige. Der Zeitraum? Die Gegenwart. Das Besondere? Fehlt. Man hätte diesen Weg nicht gehen müssen. Im letzten Jahr zeigte der Spielehit „Red Dead Redemption“ erst, wie ein gutes Westernspiel aussehen kann. Kopfgelder, Jagden, Pferderennen, eine offene Welt, Saloonbesuche, eine fesselnde Geschichte und viele abgedrehte Charaktere. Die Zeit kann also nicht für den Wechsel in die Moderne ausschlaggebend gewesen sein. Der Ort bleibt jedoch weitestgehend gleich: Der Norden Mexikos an der Grenze zu den vereinigten Staaten.

Die Handlung von Call of Juarez - The Cartel

Per SMS bekommen wir - egal in wessen Haut wir gerade stecken - neue Einsatzziele oder Informationen für nicht ganz legale Nebenziele. So arbeitet quasi jeder gegen jeden.

Die mexikanischen Drogenkartelle gewinnen immer mehr die Oberhand im Land, der Schmuggel über die Grenze scheint ein neues Hoch zu erleben. Kein Wunder also, dass LAPD, Drogenfandung und FBI eine Spezialeinheit gründen, um die Kartelle zu zerschlagen. Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle dreier Fahnder, die klischeehafter kaum sein könnten. Die sexy Frau vom FBI war früher Gangmitglied und wechselte auf die gute Seite um nun den starken Mann zu markieren, der DEA-Kerl, der sich genauso schmierig verhält wie die Gangster, die er jagt und natürlich der knallharte, bissige Cop, der mit Narben überzogen zumindest noch ein wenig Western-Flair verbreiten kann. Wie nicht anders zu erwarten arbeitet aber jeder für sich und klaut was das Zeug hält, wenn gerade niemand hinsieht.

Stupide Ballerorgie mit mittelmäßig intelligenten Gegnern

Aufgrund des großen Misstrauens innerhalb der Teammitglieder ist es ratsam während Schießereien zu verschwinden. Nur so lässt sich unentdeckt operieren.

Ansonsten verkommt das Spiel zur stupiden Ballerorgie mit mittelmäßig intelligenten Kollegen und Feinden. Hinter Deckungen kauernd ballert man auf Gegnerwelle um Gegnerwelle, lädt nach, entfernt schnell den einen oder anderen Hinweis und widmet sich den nächsten Widersachern. Ab und an stößt man allerdings auf Fahrsequenzen, die die Missionen miteinander verbinden. Wirklich spaßig sind aber selbst die nicht. An Qualitäten kann der Titel nur im Koop-Modus gewinnen. Zusammen mit zwei anderen Spielern schießt man um die Wette, versucht sich davonzuschleichen um schnell etwas einzusacken oder hilft den Kollegen per Tastendruck wieder auf die Beine.

Fazit: Der Wilde Westen ist tot

Call of Juarez – The Cartel Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, 360 Homepage

„Call of Juarez – The Cartel“ ist wohl der schlechteste Teil der Serie. Sowohl Grafik, als auch Synchronsprecher und Soundkulisse sorgen nicht für staunende Gesichter. Die Handlung samt Protagonisten ist klischeebeladen, die Atmosphäre der Vorgänger kommt dank Schnellfeuergewehren, Helikoptern und Jeeps vorm Saloon auch nicht auf. Die Steuerung der Fahrsequenzen ist zudem hakelig. Hätte der Titel nun keinen Mehrspielermodus, könnte er sich direkt neben den zahlreichen „Astragon“-Simulatoren positionieren. Im jetzigen Zustand unterhält „The Cartel“ jedoch nur sehr mäßig.

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