EU verschärft Kampf gegen Internet-Gangster

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EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström.

Brüssel - In drei von vier europäischen Haushalten steht ein Computer - und jeder könnte das Ziel von Hackern werden. Die EU will die Bürger und ihre Rechner schützen und baut ein neues Abwehrzentrum.

Sie spähen Kontodaten aus, legen Internetseiten oder ganze Behörden lahm und stoppen nicht an Staatsgrenzen - Hacker und Online-Kriminelle will die EU deswegen künftig mit einem gemeinsamen Zentrum bekämpfen. Ermittler von EU-Kommission, Mitgliedstaaten und der Polizeibehörde Europol sollen dort zusammenarbeiten, sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Mittwoch in Brüssel.

Im Januar 2013 soll die neue Einheit mit zunächst 30 Mitarbeitern ihren Dienst aufnehmen und bei Europol mit Sitz im niederländischen Den Haag angegliedert werden. Die Führungsebene der europäischen Polizeibehörde muss dem Vorschlag noch zustimmen. Rund 3,6 Millionen Euro soll die neue Abteilung jährlich kosten. Dort sollen einmal 55 Fahnder arbeiten.

Der deutsche IT-Sicherheitsexperte Arne Schönbohm sieht in dem Zentrum “einen Schritt in die richtige Richtung“. Weil schon mehrere Abteilungen und Organisationen innerhalb der EU mit dem Thema beschäftigt seien, gebe es einen erhöhten Koordinationsbedarf.

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Auch Europol ermittelt bereits gegen High-Tech-Kriminalität. Wegen ihrer derzeit begrenzten Ausstattung war die Behörde laut Malmström aber nicht in der Lage, Informationen aus verschiedenen Quellen zu bündeln. Auch Anfragen von Polizei und Staatsanwaltschaften aus den EU-Staaten blieben unbeantwortet. Das soll mit dem neuen Zentrum besser werden.

Das scheint dringend notwendig, denn das Ausmaß der Kriminalität im Netz wächst laut Schönbohm. “Mit Cyberkriminalität wird seit 2009 weltweit mehr Geld verdient als mit Drogen“, sagte er. Laut Malmström richten Internetkriminelle pro Jahr bis zu 388 Milliarden US-Dollar Schaden an (290 Milliarden Euro) - und machten selber ein gutes Geschäft mit gestohlenen Informationen. Kontodaten würden schon für einen Euro verkauft, eine komplett gefälschte Kreditkarte koste rund 140 Euro.

Eine Million Menschen werden der EU-Kommissarin zufolge täglich Opfer von Internet-Kriminalität. Allerdings setzte Malmström die Messlatte sehr niedrig an: Bereits Spam-Mails und elektronische Post von Betrügern, die nach Kontodaten fragen, zählten in ihrer Statistik. Allein bis zu 600 000 Facebook-Profile würden nach Hacker-Angriffen weltweit Tag für Tag gesperrt.

Den privaten Austausch von Daten sowie Musik und Filmen nehmen die EU-Ermittler nicht ins Visier. Ihre Arbeit richte sich nur gegen organisierte Kriminalität, kündigte Malmström an. Dazu gehöre der Datendiebstahl etwa beim Onlinebanking ebenso wie Kinderpornografie im Internet.

dpa

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