Spielend nach Südafrika

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Schön glänzen tut er ja - doch lässt sich der Pokal der Fußballweltmeisterschaft auch spielerisch leicht erringen?

Pünktlich zur Fußball-WM bricht wieder der Stolz aufs eigene Land aus und die Kaufwut was Fernseher, Grillwaren, Alkohol und Fanartikel betrifft schießt auch in die Höhe. Kein Wunder also, dass auch die Spielebranche sich den Boom zu Nutze macht und - wie jedes Jahr - ein Spiel auf den Markt schießt. Von Jan Schmitt

Dank Lizenzen spielen die Spieler in den richtigen Teams und sehen ihren Vorbildern gar ähnlich. Allzu detailierte Gesichter sollte man allerdings nicht erwarten.

„Fifa Fußball Weltmeisterschaft 2010-Südafrika“, so lautet der lange Titel des neuesten Rasentreterspiels von Mega-Publisher und Entwickler Electronic Arts. Anders als bei bisherigen Fifa-Titeln von EA blicken PC-Spieler nun aber in die Röhre - das Spiel erscheint nur auf Playstation 3 und Xbox360. Gründe dafür wurden nicht genannt, höchstwahrscheinlich liegt es daran, dass die PC-Umsetzung in den letzten Jahren qualitativ stagnierte, während Konsolenbesitzer große Sprünge verzeichnen konnten. Große Sprünge sollte man dieses Mal aber nicht erwarten, die werden voraussichtlich erst wieder im Herbst mit dem regulären Fifa-Ableger kommen.

Immer wieder werden jubelnde oder verzweifelte Fans eingeblendet - nettes Gimmick, dass sich viel zu schnell abnutzt.

Den größten Pluspunkt der Fußballkickerei fährt EA mit der Atmosphäre ein. Besonders auf großen TV-Geräten schlägt einen die Stadionatmosphäre förmlich in den Bann, wenn - selbst bei Vorrundenspielen - Konfetti von der Decke regnet, Gesänge angestimmt werden, die Kommentatoren professionell das Spiel unterlegen und sowohl Fans, als auch Trainer und Auswechselspieler bei verpassten Torchancen kurz eingeblendet werden, um dessen Reaktionen zu zeigen. Die Spieler und Trainer sehen dabei zwar nicht sonderlich gut aus, lassen jedoch schnell erkennen, wer der Abgebildete denn nun ist. Da das Spiel allerdings ständig den WM-Pokal oder beispielsweise den fluchenden Joachim Löw (im obligatorischen weißen Hemd) zeigt, nutzen sich diese Elemente bereits nach wenigen Spielen ab.

Besonders auf qualitativ hochwertigen Fernsehern kommt richtige Stadionatmosphäre auf. Das Spiel wirkt in der Präsentation einfach täuschend echt.

Spielerisch lässt sich die „Fifa WM“ am besten mit „Fifa 10“ vom Vorjahr vergleichen. Abgesehen von einem Rückgang, was den Simulationscharakter betrifft, fehlen gravierende Neuerungen nämlich völlig. Die Spiele wirken nun flüssiger und actionreicher, als es reale Partien tun, zudem sorgen die oft dämlich handelnden Torwarte mit irrationalem Verhalten für massig Tore auf beiden Seiten. Bälle werden in den gefährlichsten Situationen lieber abgeblockt als gefangen oder schlichtweg ignoriert. Die Spieleranimationen haben sich dafür wieder einmal verbessert und erlauben nun noch genauere Pässe.

Eine weitere kleine Neuerung ist das Elfmetersystem. Ein sich ständig bewegender Balken pendelt über eine dreifarbige Anzeige und muss im richtigen Moment gestoppt werden. Je genauer der Spieler das markierte Areal trifft, desto genauer lassen sich die Bälle ins Tor lenken. Je nach Können und Aufregung des Schützen variiert zudem der Balken.

Alle 199 Nationalmannschaften spielbar

Im Gegensatz zu „Fifa 10“ lassen sich nun alle 199 Nationalmannschaften spielen. Lizenzen für die Spielernamen sind ebenso vorhanden, wie die passenden Hintergrundinformationen bei den Ladesequenzen. Wer möchte, der spielt somit mit seinem Favoriten die komplette WM durch - und das nicht nur alleine gegen die durchaus guten Computergegner, sondern auch online. Hier lassen sich sowohl einzelne Endrunden, als auch das Gesamtpaket spielen. Siege und Verluste schlagen sich in der Online-Wertung nieder, die für passende Gegnerzuweisung sorgt. Ruckler oder lange Wartezeiten auf Gegenspieler sucht man ebenso vergeblich.

Fifa WM 2010

Keine Altersbeschränkung Erhältlich für: PS3, Xbox360, Wii

Homepage

Generell lässt sich sagen, dass Spieler, die bereits „Fifa 10“ besitzen, kein „Fifa Fussball Weltmeisterschaft 2010-Südafrika“ brauchen. Die wenigen Neuerungen rechtfertigen keinen Vollpreistitel - insbesondere nicht bei starken Torwartfehlern und gesunkenem Realismusgrad. Für Spieler, die bisher keinen Fifa-Teil besitzen, lässt sich das Spiel jedoch definitiv empfehlen, insbesondere um sich die Stadionatmosphäre ins Haus zu holen und beispielsweise mit Freunden zu spielen.

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