Herolymp: Letzte Ruhestätte für Avatare

Wenn der Abschied naht

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Wenn die Zeit für den Abschied von einem Spielcharakter gekommen ist, wartet der „Herolymp“.

Frankfurt - Es soll ein Abschied in Würde sein: Wenn Monster, Magier und Krieger erst einmal Teil des eigenen Lebens geworden sind, das sich fast nur noch in der virtuellen Welt bewegt, fällt es Spielsüchtigen schwer, den Avataren aufzugeben. Von Bettina Link

Für viele ist es wie ein Abschied von einem guten Freund. Um diesen entscheidenden Schritt zu gehen, der hilft von der Spielsucht weg zu kommen, haben das Drogenreferat der Stadt Frankfurt und die „Academy of Visual Arts“ die Plattform „Herolymp“ eingerichtet – eine letzte Ruhestätte für virtuelle Helden. „Der Abschied von einem Spielcharakter soll nicht radikal sein, sondern die Geschichte des Helden aufrecht erhalten werden“, erklärt Tomaso Carnetto, Direktor der „Academy of Visual Arts“. Er hat das Portal, das es seit über drei Jahren gibt, mitgestaltet und nun auch die Neuerungen eingeführt, die er gemeinsam mit der Frankfurter Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), der Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst, und ihrer Stellvertreterin Renate Lind-Krämer vorgestellt hat.

„Die Plattform bietet einen Weg, mit dem Spielen aufzuhören“, betont Heilig. Auf der erweiterten Seite „Herolymp“ können Nutzer ein Bild ihres Helden hochladen, eine Geschichte zu der Figur schreiben, mit der sie sich teils über Jahre identifiziert haben, und letztlich Abschied nehmen. Dieser ist oft sehr emotional: „Nach fast fünf Jahren ist nun der Punkt gekommen, an dem ich mich mit tiefster Trauer von ihm verabschieden muss. Viel durchgemacht und viele Freunde gewonnen, doch das echte Leben gewann letzten Endes den Kampf“, schreibt etwa ein Nutzer auf dem Portal, das in den vergangenen drei Jahren über 250 000 Nutzer besucht haben. Rund 400 Spieler haben hier von ihren Helden aus der virtuellen Welt Abschied genommen. Die Süchtigen erkennen dann auch, wie viel Zeit sie mit Spiel verbracht haben und wie viel ihnen an wirklicher Lebenszeit verloren gegangen ist: „Einmal kommt der Tag, wo alles zu Ende geht. Man verliert alles und jeden. Circa 1000 Tage meines Lebens verschwendet für ein Spiel“, lautet ein Nachruf. Bei anderen ist es noch drastischer: „Ich habe durch das Spiel viele Freunde gewonnen, aber leider zu viele wahre verloren. So schön das Spiel auch war, mein Leben hat es zerstört.“

Herolymp in Frankfurt

Zusätzlich zur Plattform hat Carnetto einen Trailer erstellt, mit dem auf Youtube auf „Herolymp“ aufmerksam gemacht wird. Der kleine Film ist in schwarz-weiß gehalten und zeigt nur Strichmännchen – „wir wollten bewusst heraus aus der überperfekten Spielwelt“, erklärt Carnetto, der auch das Portal bewusst unkompliziert gehalten hat, um „den Held einfach in den Olymp zu schicken“.

„Computerspiele sind ein männliches Phänomen“, sagt Renate Lind-Krämer. Sie sind zwischen 18 und 25 Jahre alt und spielen am liebsten „World of Warcraft“, gefolgt von anderen Online-Rollenspielen. Fast 90 Prozent der angelegten Profile, in denen sie ihren Helden auf den Olymp schicken, sind von männlichen Nutzern angelegt. „Je substantieller diese angelegte Heldengeschichte ist, desto größer ist das Vorbild für andere, die sich das anschauen“, erklärt Carnetto. Denn die Entscheidung, sich von seinem Avatar zu trennen, kann sich ziehen: „Das Anlegen eines Memorials wird sehr ernst genommen und es dauert Monate, bis die Spieler sich zu dem Schritt entscheiden“, erklärt Lind-Krämer. Ob allerdings der Spielaccount tatsächlich gelöscht wird, nachdem sich ein Spieler auf „Herolymp“ von seinem Avatar getrennt hat, oder eine Figur wiederbelebt wird, lässt sich indes nicht herausfinden und damit auch nicht, ob die Spielsucht tatsächlich überwunden ist.

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