Kommentar: Weckruf für Politiker

Ein Armutszeugnis: In Deutschland ist eine Zentralstelle zur Bekämpfung von Internet-Kriminalität (BSI) tätig, die in schöner Regelmäßigkeit Zweifel an ihrer Kompetenz sät. Von Peter Schulte-Holtey

Im aktuellen Fall können Millionen Bundesbürger vom Datenklau im großen Stil betroffen sein, aber erst am Montag will das Amt Handlungsempfehlungen herausgeben. Vor wenigen Monaten war bekanntgeworden, dass 16 Millionen Datensätze in die Hände von Kriminellen gerieten. Auch damals war die Zentralstelle während umfangreicher Ermittlungen auf den Fund gestoßen. Dann kam aber ans Licht, dass die Behörde bereits fünf Monate lang von dem Diebstahl wusste, bevor sie an die Öffentlichkeit trat. Über diesen Zeitraum hinweg waren potenzielle Opfer nicht informiert worden.

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Als das BSI schließlich ein Prüfverfahren ins Netz stellte, mit dem Nutzer klären konnten, ob ihre Mail-Adresse betroffen ist oder nicht, stürzten zudem wiederholt die Server ab. Das muss ängstigen. Während Firmen binnen ganz kurzer Zeit in der Lage sind, ihre Rechnerkapazitäten via Internet und Cloud zu vervielfachen, dokumentiert ausgerechnet die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internet-Kriminalität ihre Ohnmacht, eine Behörde, deren ureigenste Aufgabe die Sicherheit in der Informationstechnik ist.

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Es wird immer deutlicher, dass die zuständigen staatlichen Stellen ihre Fähigkeiten verbessern und Ressourcen aufstocken müssen, um die Reaktionszeiten deutlich zu verkürzen. Und die Politik sollte den jüngsten Riesendatenklau vor allem als Weckruf verstehen; sie sollte grünes Licht für wesentlich höhere Investitionen in die Sicherheitsforschung geben. In der Finanzkrise hat die Politik - zaghaft, aber immerhin - ihr Primat gegen das große Geld zu behaupten versucht. Den Globalkonflikt mit Big Data und das Gefecht im großen Stil gegen Datendiebe hat sie noch nicht mal angefangen.

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