Partnerbörsen für die Generation 50

Per Mausklick in den zweiten Frühling

München - Als sich Martin Berger (Namen von der Redaktion geändert) nach dem Tod seiner Ehefrau vor gut einem Jahr beim Internetportal 50plus-Treff anmeldet, hat er wenig Hoffnung, dort eine neue Partnerin zu finden. Von Lena Marie Jörger

In einer Fernsehsendung erfährt er, dass die Erfolgschance für die Partnersuche im Netz bei etwa 35 Prozent liege – nicht gerade ermutigend, findet der 65-Jährige. Aber er hat Glück. Die 63-jährige Elsa Koch* meldet sich auf seine Anfrage. Nur einen Monat später treffen sich die beiden, mittlerweile wohnen sie zusammen. „Aus dem Wunsch nach Freundschaft wurde Liebe“, sagen sie.

Marianna Exter, Geschäftsführerin des 50plus-Treffs mit Sitz in München, kennt unzählige solcher Geschichten. Sie findet: „Es ist nie zu spät, mit Online-Dating zu beginnen.“ Immer mehr ältere Menschen nutzten die Möglichkeiten des Internets, um neue Kontakte zu knüpfen. Lange allein bleiben wolle keiner mehr. Die Mitglieder des 50plus-Treffs seien im Schnitt zwischen 50 und 65 Jahre alt, manche auch über 80. „Für diese Zielgruppe wird es schwieriger, in Kneipen, Bars oder Restaurants einen Partner kennenzulernen, oft fehlt auch der Mut“, weiß Exter. „Im eigenen Freundeskreis sind in der Regel alle in einer Beziehung, und auch der Arbeitsplatz fällt als mögliche Partnerbörse irgendwann weg.“

Häufig suchen ältere Menschen deshalb über das Internet. Datingportale haben sie längst als potenzielle Kunden entdeckt und buhlen um deren Gunst. „Man sollte sich jedoch nicht gleich auf einer Seite anmelden, sondern vorher einen Blick auf die Mitgliederstruktur werfen und eine Seite aussuchen, die den eigenen Wünschen und Lebensumständen am nächsten kommt“, rät die Expertin. Kostenlose Angebote seien mit Vorsicht zu genießen. „Bei den vermeintlichen Schnäppchen gilt oft die Regel Quantität statt Qualität“, fügt sie hinzu. Manchmal könnten Mitgliederprofile auf solchen Seiten gefälscht sein. Generell gelte: „Für jeden Topf gibt es einen Deckel. Aber wenn man in einem Laden nicht den richtigen findet, muss man in den nächsten gehen.“

Dass ältere Menschen dem Internet nicht besonders zugeneigt seien,, hält Exter für ein veraltetes Vorurteil. „Der Großteil der Über-50-Jährigen ist viel offener und technisch fortschrittlicher als man denkt und unterscheidet sich in dieser Hinsicht kaum von den 30-Jährigen“, sagt sie. „Sie loggen sich mit ihrem Tablet oder Smartphone ein, nutzen soziale Netzwerke und knüpfen so schnell Kontakte. Mit dem klassischen Seniorenbegriff hat das nicht mehr viel zu tun.“

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