Kostenlose Verbreitung

Virale Werbung ist „supergeil“

Offenbach - Immer mehr Firmen setzen auf die Verbreitung von Produkten über soziale Netzwerke. Von Ronny Paul

Wie ein Virus verbreitet sich ein Video über Youtube, Facebook oder andere soziale Netzwerke. Gefällt den Nutzern der Inhalt, wird der Clip auf den Profilen geteilt – im Gegensatz zu einer Vireninfektion schadet das auch niemandem. Es nutzt vor allem den Firmen, die die Werbung geschickt ausgeklüngelt haben. Sie müssen nur den „Virus“ auf die Internetgemeinde übertragen. Diese erledigt den Rest: Das geteilte Video sehen wiederum andere Nutzer und stellen es auf ihre Seiten. So streuen sich Inhalte kostenlos für die Firmen.

Auch der Kosten-Nutzen-Faktor erinnert eher an das Wesen eines Virus’ als an das von herkömmlicher Werbung. Die Marke pflanzt sich ins Unterbewusstsein der Kunden ein. Von der neuen Edeka-Werbung mit Friedrich Lichtensteins Lied „Supergeil“ hat so ziemlich jeder schon einmal gehört. Für Lichtensteins Musik ist das gelungene Eigenwerbung. Für die Supermarktkette ist es der wahrscheinlich größte Coup seit es Edeka gibt: „Das positive Feedback und die erfolgreichen Klickzahlen auf Youtube (derzeit über neun Millionen, d. Red.) freuen uns natürlich sehr“, erzählt Stefanie Schmitz aus der Edeka-Presseabteilung. Der Supermarktriese wolle auch in Zukunft auf virales Marketing setzen, verrät sie.

Fast nur Produktionskosten

Aus gutem Grund: Denn wie viele Nutzer hätten deren klassische Reklame derart oft auf Youtube angeklickt? Für das Platzieren von klassischer Werbung in Fernsehen, Zeitung oder auf Internetseiten hätte die Firma ein Vielfaches an Geld ausgeben müssen. Das ist der große Vorteil der viralen Werbung: Sie ist fast nur auf die Produktionskosten des Materials beschränkt. Die Weiterverbreitung erfolgt kostenfrei. Beim viralen Marketing verhalte es sich wie bei der altmodischen Mundpropaganda, weiß Offenbach-Post Marketing-Experte Andreas Mengler: „Einer Empfehlung von guten Bekannten oder Freunden schenkt man mehr Aufmerksamkeit als einer Anzeige oder einem Plakat.“

Das Video „First Kiss“, bei dem sich angeblich 20 zuvor nicht bekannte Menschen gleich bei der ersten Begegnung küssen, zählt mittlerweile über 70 Millionen Youtube-Aufrufe. Damit ist der Film innerhalb kürzester Zeit zu einem der erfolgreichsten Clips der viralen Werbung geworden. Das Modelabel Wren hat den dreieinhalb Minuten Kurzfilm zusammen mit der Künstlerin Tatia Pilieva produziert und in den Umlauf gebracht. Das Resultat ist für das Label beeindruckend: Seit Veröffentlichung der „ersten Küsse“ stiegen die Aufrufe der Wren-Homepage um das 14 000-fache.

„Supergeil“ von Edeka

Virale Werbung ist meist nicht direkt für den Nutzer als solche zu erkennen. Beim „First Kiss“-Video ist erst nach ein paar Tagen durchgesickert, dass Schauspieler und Models die angeblichen „Normalbürger“ mimen. Das hat dem Erfolg des Clips allerdings nicht geschadet. „Durch Social-Media-Kanäle wie Chats, Blogs oder Massenger verbreitet sich die Werbung entsprechend schnell“, erläutert Mengler.

Im Edeka-Clip „Supergeil“ von Lichtenstein ist dem Nutzer schnell klar, dass er Werbung anschaut. Das allerdings störe nicht, wenn die Reklame gut gemacht sei, erklärt Mengler. Klar, denn der Song geht ins Ohr und ist gleichermaßen witzig und ironisch. Ob das tatsächlich die Umsatzzahlen der Supermärkte gesteigert hat, will Schmitz allerdings nicht verraten: „Geschäftsgeheimnis.“

Vor 15 Jahren hat der schottische Whiskey-Hersteller Johnny Walker vorgemacht, wie ein kostenloses Computerspiel das Ansehen einer Marke aufbessern kann. Das Spiel „Moorhuhn“ war ein Erfolg und brachte der schottischen Firma einen ungemeinen Popularitätsschub. Dass Nachahmer folgen würden, war klar: Die Moorhuhnspiele wurden seither von vielen Firmen wie der Bild-Zeitung oder Haribo neu aufgelegt.

Der große Facebook-Knigge

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Rubriklistenbild: © Edeka

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