Italienischer Klempner im All

Sind genug Sternenteile auf einem Planeten gesammelt, setzt sich ein Sternenportal zusammen, mit dessen Hilfe Mario sich zum nächsten Planeten schießen kann.

Man nehme einen italienischen Klempner mit Schnauzbart und roter Kappe, eine blonde Prinzessin im pinken Kleidchen, sowie einen beliebigen Bösewicht, gebe die wohl längste virtuelle Liebesgeschichte der Welt hinzu und fertig ist die Grundlage einer der erfolgreichsten Spieleserien weltweit. Von Jan Schmitt

1981 löste ein Spiel mit einem knollennäsigem Zimmermann eine wahre Videospiel-Euphorie aus. "Donkey Kong" hieß das Meisterwerk, der Aufstieg des jungen Spieledesigners Shigeru Miyamoto. Ziel des Spiels war es, mit dem bisher noch namenlosen Helden die eigene Freundin aus den Klauen des namensgebenden Gorillas zu befreien. Hierzu hüpfte und kletterte die Spielfigur langsam den Bildschirm empor und musste herabrollenden Fässern ausweichen.

65.000 Donkey Kong Automaten wurden damals ausgeliefert, Nintendo eroberte den westlichen Markt und Shigeru Miyamoto stieg zu Nintendos hauseigenem 'Messias' auf.

Bilder aus „Super Mario Galaxy“ für die Wii

Wii-Klassiker: „Super Mario Galaxy“

28 Jahre später. Der namenlose Zimmermann ist inzwischen Klempner und nennt sich Mario, seine Freundin ist als Prinzessin Peach bekannt geworden und statt durch pixelige 2D-Bildschirme turnt der agile Italiener durch quietschbunte 3D-Welten. Nach Abenteuern auf allen Gameboy-Gattungen, dem N64 und dem Gamecube, erschien "Super Mario Galaxy". An der Geschichte hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert. Beliebiger Bösewicht entführt Peach, Mario bricht zur Rettung der Herzensdame auf und besiegt schließlich den Bösewicht. So weit, so gut.

In "Super Mario Galaxy" wird Prinzessin Peach während eines Festes von Bowser entführt.

Diesmal wird Peach - mitsamt ihrem Schloss - von Bowser entführt. Mario kann sich noch an der Schlossbrücke festhalten, wird jedoch von einem Handlanger Bowsers ins All geschossen. Kurz darauf erwacht der Klempner auf einem Miniplaneten und wird von Sternenwächterin Rosalina mit der Aufgabe betraut 'Große Sterne' zu sammeln, damit ihre Sternenwarte genug Energie zum weiterfliegen hat.

Mithilfe eines kleinen Lumas (einem kleinen Sternenwesen) erlernt Mario den Drehsprung, mitdem er die kanonenartigen Sternenportale nutzen kann. Diese schießen ihn von Planet zu Planet innerhalb einer Galaxie.

Jede Galaxie steht dabei für ein einzelnes Level mit eigenem 'großen Stern'. 121 von Ihnen gibt es. Nach 60 lässt sich Peach retten, wer 120 sammelt schaltet Luigi frei und wer das gesamte Spiel mit Luigi noch einmal durchspielt, erhält Zugang zum Extralevel.

Je 7 Galaxien sind zu Themenschwerpunkten zusammengefasst. Erinnern die Karibikgalaxien noch sehr an den Vorgänger "Super Mario Sunshine", sind Lava- und Blumenwelten eher Gameboyklassikern zuzuordnen.

Durch Bewegungen der Wii-Remote werden dadurch Attacken ausgeführt und somit Feinde besiegt.

Egal welches Themengebiet der jeweilige Planet jedoch umfasst, eines haben sie gemeinsam: Die Schwerkraft. Diese spielt eine elementare Rolle in "Super Mario Galaxy". Je nach Planet ist sie mehr oder weniger stark ausgeprägt und erlaubt teilweise sogar Sprünge zwischen zwei Himmelskörpern. Per klassischer Röhre schlüpft Mario zudem manchmal in die Innenseite der Planeten und löst im Inneren kleine (Schwerkraft)-Rätsel.

Der Spielablauf ist zwar oftmals gleich, wird jedoch immer wieder neu und attraktiv präsentiert. Auf jedem Planeten sammelt der Spieler Münzen oder Sternenteile um per Sternenportal auf den nächsten Planeten zu kommen und schlussendlich den nächsten 'großen Stern' zu erlangen. Zahlreiche Monster, Abgründe oder gefährliche Lava lassen das Abenteuer nicht alzu leicht werden, Rätsel bringen zusätzliche Würze ins Spielgeschehen. Während des Spiels schlüpft Mario deswegen öfters in verschiedene Kostüme und erlangt so zusätzliche Fähigkeiten. 'Bienen-Mario' kann zum Beispiel fliegen und sich an Waben festhalten, während 'Geist-Mario' schwebt und durch Wände geht. Zusätzlich lernt der symphatische Italiener immer wieder neue Fähigkeiten und schaltet neue Galaxien frei. Das motiviert zum weiterspielen.

Fazit

Freunde kooperativer Abenteuer dürften mit "Super Mario Galaxy" ebenfalls ihren Spaß haben. Zwar lässt sich kein zweiter Charakter steuern, jedoch hilft Spieler Zwei dem Hauptspieler bei dem Einsammeln von Gegenständen, dem einfrieren von Feinden oder dem aufhalten von Gefahren. All das durch simple Bewegung mit der Wii-Remote.

"Super Mario Galaxy"

Freigegeben ab 6 Jahren

Erhältlich für: Wii

Offizielle Homepage: www.supermariogalaxy.de

Die Steuerung des Spiels wurde übrigens sehr gut gelöst. Per Knopfdruck auf die A-Taste springt Mario, eine andere löst die Stampfattacke aus, der Stick des Nunchuks bewegt die Figur, während Bewegungen der Wii-Remote Attacken oder Spezialfähigkeiten auslösen. Die Grafik des Titels ist Nintendo-typisch comicartig und lässt somit über kleinere Detailschwächen hinwegsehen. Die Bewegungen der Figuren sind flüssig, fast makellos und die Planeten versprühen - dank Anlehnungen an alte Mario-Abenteuer - einen nostalgischen Charme.

Apropo Nostalgie: Kenner der Mariotitel vergangener Zeiten dürften insbesondere am orchestralen Sound ihre Freude haben. Schlachten im All erinnern an Star Wars Filme, Wüstenplaneten wiederrum an Märchen aus 1001-Nacht und die Soundeffekte scheinen direkt aus der glorreichen Vergangenheit des Genres zu kommen.

 Schlussendlich ist "Super Mario Galaxy" das wohl beste Jump n' Run der letzten Jahre und eine definitive Kaufempfehlung für alle Wii-Besitzer.

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