So schützen Sie Ihren PC vor Spitzel-Attacken

München - Der Bundestrojaner verunsichert die deutschen Bürger. Sind Sie mit Ihrem PC im Internet noch sicher? Wir beantworten die wichtigsten Fragen und geben Tipps zum sicheren Surfen.

Der Bundestrojaner ist Gesprächsthema Nummer eins – genau wie die Angst vor Viren und Spionage-Software. Jeder zweite Online-Nutzer in Deutschland, so eine Untersuchung des Technikverbandes Bitkom, war schon einmal Opfer von Internetkriminalität, etwa durch Schadprogramme oder ausspionierte Zugangsprogramme. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Ratgeber: So schützen Sie sich im Internet

Ratgeber: So schützen Sie sich im Internet

Wer bedroht meinen Computer?

Die Hochburgen der Cyberkriminellen liegen in Indien, Brasilien oder Russland. Hauptangriffsziel sind Bankdaten beim Onlinebanking oder Kreditkartendaten beim Einkaufen im Internet. Aber auch das Nutzerverhalten im Netz oder die Online-Einkäufe sind von Interesse – Adresshändler kaufen Millionen dieser Datensätze auf, um damit personalisierte Werbung im Browser anzuzeigen oder ins E-Mail-Postfach zu liefern. Bis zu 95 Prozent der weltweit verschickten E-Mails sind Spam!

Schützt mich eine Anti-Virensoftware zuverlässig?

Leider nicht hundertprozentig. Ein Beispiel: Viele Ganoven, die an Bankdaten kommen wollen, leiten in E-Mails oder durch manipulierte Links nicht mehr auf gefälschte Internetseiten von Banken um – sondern verschicken die getürkten Seiten als E-Mail-Anhang, meist als harmlos wirkende HTML-Datei, gegen die ein Virenscanner machtlos ist. Wer diese Seite öffnen und darin Kontodaten einträgt, liefert so die gewünschten Informationen frei Haus!

Was kann ich dagegen tun?

Seien Sie gegenüber E-Mails von unbekannten Absendern immer skeptisch! Weder eine Bank noch Ebay, Paypal oder Amazon würde je per Mail nach Zugriffsdaten fragen. Da die Mails oft aus dem Ausland kommen, ist schlechtes Deutsch immer ein Warnsignal, ebenso wie eine Anrede ohne Namen („Lieber Kunde“). Beantworten Sie generell nie Mails, in denen Sie nach Passwörtern oder sensiblen Daten gefragt werden!

Worauf muss ich beim Surfen achten?

Geben Sie die Adressen wichtiger Seiten immer selbst in die Adresszeile des Browsers ein. Damit sind Sie sicher, auf der richtigen Seite zu landen. Wenn Sie per Google & Co. nach der Adresse Ihrer Bank suchen, riskieren Sie, einem manipulierten Link zu folgen.

Woran erkenne ich, dass mein Computer verseucht ist?

Eine Warnung des Antivirenprogramms ist der Haupthinweis. Daneben gibt es weitere Anzeichen – etwa, wenn der PC extrem langsam wird. Viele Schadprogramme laufen unbemerkt im Hintergrund ab und bremsen den Rechner aus. Wenn Programme nicht mehr starten, die Internetverbindung spürbar langsamer wird oder wenn der PC die Systemsprache plötzlich auf Englisch umstellt, sind das auch Warnsignale.

Sicheres Surfen für Ihren PC

Ist mein Computer fit fürs sichere Surfen? Welche Schutzsoftware brauche ich? Und was muss ich tun, wenn es meinen PC „erwischt“ hat? Die wichtigsten Antworten.

Wie mache ich meinen PC virensicher?

Eine der größten Gefahren geht von veralteter Software aus. Die nicht mehr aktuellen Versionen Ihrer Programme enthalten oft Sicherheitslücken. Besonders kritisch sind veraltete Versionen von Windows sowie von Browsern und Mailprogrammen. Generell gilt: Fast jede Software hat in ihrem Menü eine „Aktualisieren“-Funktion. Prüfen Sie nach, ob die Programme auf dem letzten Stand sind – Sie essen ja auch keinen seit Wochen abgelaufenen Joghurt! Wichtig: Es muss nicht unbedingt Windows 7 sein – aber wenn Sie noch XP oder Vista nutzen, benötigen Sie zumindest die letzte Aktualisierung (Service Pack) der Windows-Version.

Welche Virenschutzsoftware ist zu empfehlen?

Mit der „guten“ Testnote 2,3 lag im Warentest bei den kostenpflichtigen Sicherheitspaketen zuletzt der „Bitdefender Internet Security 2011“ vorne, den Sie unter bitdefender.de mittlerweile in der aktualisierten Version für 2012 laden können (50 Euro pro Jahr).

Gibt es Sicherheit auch gratis?

Ja. Das kostenlose „Avira AntiVir Personal“, das Sie unter free-av.de laden können, schnitt mit der Note 2,3 gut ab. Aber: Der Hersteller reagiert relativ langsam auf neue Bedrohungen. Wenn neue Schädlinge auftauchen, sind Sie zunächst ungeschützt. Gerade wenn Sie oft im Netz sind, lohnen sich also die 50 Euro im Jahr.

Was tun, wenn mein PC verseucht ist?

Wenn Sie Anzeichen für einen Virus bemerken, sollten Sie Ihre wichtigsten Daten sofort auf einem USB-Stick oder einer externen Festplatte sichern – dann haben Sie zumindest diese Dateien gerettet. Danach sollten Sie mit einem Virenschutzprogramm eine komplette Systemprüfung starten. Wenn die Software Schädlinge findet, klicken Sie möglichst auf „Löschen“. Falls Ihr Rechner trotz aller Maßnahmen danach nicht wie gewohnt arbeitet, bleibt nur die Festplatte zu löschen und Windows neu installieren – oder einen Fachmann zu Rate ziehen. Er kann nicht nur den Virus entfernen, sondern auch defekte oder verlorene Dateien wieder herstellen.

Jörg Heinrich

Rubriklistenbild: © AP

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