Eine Welt in Trümmern

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PC-Spiel: The Chronicles of Spellborn. In der Fotostrecke finden Sie eine bebilderte Kurz-Kritik.

Wenn sich ein kleines Entwicklerstudio aufmacht eine riesige Fantasywelt zu erschaffen, dann könnte das der Beginn eines innovativen MMORPGs sein - oder der Untergang des Studios. Von Jan Schmitt

Zwischen World of Warcraft, Warhammer Online und Age of Conan startete im letzten Jahr ein weiteres sogenanntes MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game). Ende November erblickte "The Chronicles of Spellborn" das Licht der Welt und überraschte mit Innovation. Anstatt mit Elfen und Orks auf einem Planeten zu fechten, erwacht der Charakter des Spielers als Mensch oder Daevi (einer Art humanoidem Känguruh) auf einem Splitterschiff im sogenannten Deathspell-Sturm.

Bilder aus "The Chronicles of Spellborn"

PC-Spiel: The Chronicles of Spellborn

Die sogenannte Ahnenwelt zerbrach bereits vor Urzeiten während eines Krieges und Mensch und Daevi flüchteten sich auf die übrig gebliebenen Planetfragmente.

Anders als zu erwarten, sind diese Planetfragmente jedoch keine kargen Steinwüsten, sondern durchaus grüne Oasen oder Städte mit riesigen Monumenten.

"The Chronicles of Spellborn"

Freigegeben ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC

Offizielle Homepage: www.tcos.com

Bevor Sie jedoch in die Idylle der einzelnen Splitter eintauchen können, müssen Sie ihren eigenen Charakter kreieren. Zur Auswahl stehen neben den bereits erwähnten Völkern drei unterschiedliche Klassen. Krieger, Schurke und Magier sind die 'Archetypen', ab Stufe 5 lässt sich eine Spezialisierung wählen. Das Ziel? Stufe 50 erreichen und erfahren warum der Planet vor hunderten von Jahren in die Luft flog. Anders, als bei herkömmlichen Titeln, suchen sie sich bereits bei der Charaktererstellung Waffen und Rüstung aus und färben diese ein. Spielerische Unterschiede zwischen Axt und Dolch gibt es keine, auch die Wahl der Rüstung wirkt sich nicht aus. Dadurch, dass Sie im Verlauf des Spiels so gut wie keine zusätzliche Ausrüstung finden, sondern nur die bestehenden Teile mit verbessernden Siegeln versehen, verliert das Spiel an motivierender Sammelei.

Nach einem kurzen Tutorial landen Sie schließlich auf dem ersten großen Splitter. Auffällig ist hierbei, dass das eigene Charaktermodell zwar durchaus hübsch in Szene gesetzt ist, jedoch nicht mit der Umgebung mithalten kann. Nicht selten ertappt man sich dabei, wie man sich einfach nur beeindruckt in den Städten und Wäldern umschaut und genießt. Die Steuerung geht leicht von der Hand, auch wenn sie anfangs recht gewöhnungsbedürftig ist, muss man doch die rechte Maustaste über einen Gegenstand halten und über dem aufploppendem Icon loslassen, um ihn einzusammeln.

In "The Chronicles of Spellborn" werden zwischen den hohen Häusern Intrigen gesponnen, gewettert und verhandelt. Hier: Die große Halle.

Die Aufträge sind klassisch. "Töte fünf junge Waldbären" heisst es da, dann wiederrum soll man mehrere Wachposten ansprechen und einen Statusbericht abholen, vorrausgesetzt man findet sie. Oftmals verläuft man sich dank ungenauer Wegangaben auf den teils riesigen Splittern und stolpert eher zufällig über die gesuchten Personen. Ingesamt richtet sich das Spiel momentan noch an den Spielertyp "masochistischer Entdecker" - die Laufwege dauern nicht selten mehrere Minuten und Reittiere oder sonstige Beschleunigungen gibt es nicht. Einzig ein hoher PeP-Wert steigert ihr Bewegungstempo. Diesen erreichen sie, indem sie unzählige Monster umhauen ohne selbst ins Gras zu beissen. Das fordert, frustriert jedoch mit zunehmender Stufe zusehends, besonders, wenn Sie wieder einmal unbedacht durch das Gebiet höherstufiger Monster rennen ohne es zu merken. Das Kampfsystem ist ebenfalls nicht klassisch auf Charakterwerte, sondern eher auf eigenes Können gepeilt. Anstatt auf der Stelle zu stehen und auf alles einzuprügeln was sich bewegt, müssen Sie ausweichen, den Gegner im Fadenkreuz behalten und ihre Fähigkeiten geschickt in rotierenden Decks zu Kombos aufreihen. Nachdem Sie eine der Fertigkeiten benutzt haben, spult das Deck weiter und eröffnet Ihnen zig weitere Möglichkeiten um es Ihrem Gegner schwer zu machen. Ist dieser erledigt, lässt er meistens nur "Schrott" fallen, der für wenige Münzen bei einem der Händler verkauft werden kann. Selten einmal finden Sie wertvolle Materialien zum tauschen und handeln.

Doch mit wem handeln? Die Städte sind meistens leer, im Chat verkünden einzelne Spieler ihren Tagesablauf und niemand scheint es zu stören. Sicher, die Spielergemeinde von "The Chronicles of Spellborn" ist klein, allerdings sind manche Aufträge einfach zu schwer um sie alleine zu bewältigen und der (noch kaum vorhandene) High-End-Content dürfte auch als einzelner Spieler ein wenig schwer werden. Das Player-versus-Player mag schön und insbesondere durch das Kampfsystem fordernd sein, Belohnungen dafür gibt es allerdings nicht und andere Spieler werden Sie sowieso kaum antreffen. Spieler, die sich gerne in Ruhe einen Charakter auf die Höchststufe befördern wollen, sollten die Gelegenheit nutzen - wer weiß, wie lange es noch so ruhig bleibt auf den Splittern der Ahnenwelt.

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