Hochkomplexe Taktikschlachten nach alter Schule

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Der terranische Ghost besitzt, das richtige Upgrade vorausgesetzt, die Möglichkeit Nuklearschläge anzufordern. Das dauert einige Sekunden, richtet jedoch verheerenden Schaden an.

Zwölf Jahre lang galt „Starcraft“ als absolutes Profispiel, was den globalen E-Sport betrifft. Zahlreiche Ligen sprossen aus dem Boden hervor und einzelne Spieler leben wie Profisportler - samt Trainingscamps und Sponsoren. Wie muss ein Spiel also sein, um den König der Strategie zu stürzen? Von Jan Schmitt

Sie möchten eigentlich nur zum großen Gewinnspiel?

Freilich haben wir auch den Einzelspielermodus getestet.

„Starcraft 2“ zeigt, wie so ein Spiel sein muss: Genauso wie das Original, nur mit leichten Änderungen und Grafikupdate. Denn das, was Entwickler Blizzard da herausbrachte, strotzt nicht vor Innovation und Veränderungen, wie so viele Titel des Genres in den vergangenen Jahren. Noch immer gibt es einen Basenbau, noch immer gibt es Ressourcen, den Ressourcenabbau und die taktische Expansion. Etwas, das verloren ist, wird nicht automatisch ersetzt - wie beispielsweise der Crawler im neusten „Command and Conquer“-Teil und Formationen, Deckung oder Moral fehlen ebenso. Doch sind das Spielbestandteile, die wirklich ein Muss für ein gutes Spiel sind? „Starcraft 2“ zeigt, dass ein prinzipiell einfaches Spiel viel mehr Taktik und Tiefgang bieten kann, als eines, das vor Optionen nur so strotzt.

Die häufigsten Angriffe spielen sich an der sogenannten „Choke" ab. Sie ist die Engstelle zur Hauptbasis jedes Spielers und wird erbittert verteidigt.

Spieler von „Starcraft“ werden sich im zweiten Teil sofort wieder zurecht finden. Die drei spielbaren Völker (Zerg, Protoss, Terraner) haben allesamt unterschiedliche Einheiten, Fertigkeiten und Eigenheiten. Zu Beginn startet der Spieler mit einer Hauptbasis und einer Hand voll Arbeitern, die er direkt auf die nahegelegenen Mineralienvorkommen schickt. Alle paar Sekunden rasselt nun der eigene Kristallvorrat ein wenig in die Höhe und bietet somit Möglichkeiten für den Bau neuer Einheiten oder Gebäude. So lassen sich - je nach gewählter Taktik - Abwehrtürme, Rekrutierungsgebäude, Forschungsgebäude oder Gasabbaugebäude bauen, die, schickt man bis zu drei Arbeiter in sie, den zweiten wichtigen Rohstoff, Vespingas, sammeln. Vespingas bietet dann in Kombination mit Mineralien höherwertige Forschungen, Einheiten oder Upgrades. So lernen Berserker das Anstürmen an den Feind, Zerglinge gewinnen an Geschwindigkeit und die terranische Hauptbasis wird zur Satellitenzentrale und kann den Gegner ausspähen.

Am Ende einer Partie werden Statistiken eingeblendet, die die einzelnen Vor- und Nachteile eines Spielers verdeutlichen. Ein Graph symbolisiert zudem die Entwicklung.

Eine typische Mehrspielerpartie von „Starcraft 2“ zu beschreiben ist ein Ding der Unmöglichkeit, da es keine typische Partie gibt. Zwar kann man grundsätzlich in Gefechten mit schnellem Angriff einer bestimmten Einheitensorte oder dem langsamen hochrüsten und forschen bis zur finalen Schlacht unterscheiden, allerdings bieten die spiegelgleichen, abwechslungsreichen und vor allem fairen Maps so viele unterschiedliche Möglichkeiten, dass es sich immer wieder lohnt, die automatisch aufgezeichneten Wiederholungen von anderen Spielern anzuschauen um die Partie zu analysieren und sich neue Tricks und Kniffe abzuschauen. Das ist sowieso ratsam, denn nur durch Analysieren der eigenen Partien und dem gezielten Training der eigenen Schritte (und natürlich der eigenen Geschwindigkeit) lassen sich die Partien gewinnen und in die oberen der fünf Ligen einsteigen. „Starcraft 2“ ist ein Spiel, das nicht viel mit Glück zu tun hat. „Starcraft 2“ ist ein Spiel, das wie kein anderes die eigenen Fertigkeiten fordert und somit eine riesige Kluft zwischen Anfänger und Profi aufklaffen lässt.

Die Terraner - Klassiker des Strategiespiels

Der terranische Ghost besitzt, das richtige Upgrade vorausgesetzt, die Möglichkeit Nuklearschläge anzufordern. Das dauert einige Sekunden, richtet jedoch verheerenden Schaden an.

Wer sich dennoch in die 1v1, 2v2, 3v3, 4v4 oder „Jeder gegen Jeden"-Gefechte stürzt und die Motivation hat im Laufe der Zeit besser zu werden, der kann mit dem Strategietitel einen Heidenspaß haben. Für Einsteiger eignen sich insbesondere die Terraner, das Menschenvolk, die schon in der Einzelspielerkampagne gespielt werden. Ganz klassisch werden zuerst Arbeiter gebaut, die im Laufe der Zeit Versorgungsdepots (um das Einheitenlimit zu erhöhen), Kasernen (für Infanterie), Fabriken (für Fahrzeuge), Raumhäfen (für Lufteinheiten) sowie diverse Forschungsgebäude hochziehen. Zusätzlich lassen sich an Einheitengebäude (Kaserne, Fabrik, Raumhafen) Reaktoren oder Tech-Labore bauen. Während Reaktoren dafür sorgen, dass die einfachsten Einheiten gleichzeitig gebaut werden können, so sorgt das Tech-Labor für die stärkeren Einheiten und zusätzlich erforschbare Fertigkeiten - beispielsweise schadenserhöhende Stimpacks für Space-Marines oder einen Belagerungsmodus für Panzer.

Weiterhin besitzen die Terraner große Möglichkeiten sich zu verteidigen und beweglich zu bleiben. Raketentürme dienen gleichzeitig als Detektoren für unsichtbare Einheiten, Bunker lassen sich mit Einheiten füllen und bei Bedarf gegen Mineralien-Rückerstattung wieder einstampfen und die wichtigsten Gebäude können - wenn auch langsam - fliegen und somit Klippen überwinden und sich an Orten ansiedeln, die zu Beginn einer Partie sonst nicht erreichbar sind. Zumal können die WBFs - die Arbeiter der Terraner - Gebäude und mechanische Einheiten reparieren. Während der Bauzeit von neuen Gebäuden ist der WBF jedoch beschäftigt und kann - anders als bei den Protoss - nicht anderweitig eingesetzt werden.

Die hochtechnologischen Protoss

Die Kolosse der Protoss halten zwar nichts aus und sind auch von Einheiten angreifbar, die nur andere Lufteinheiten angreifen können, allerdings lasern sie in Sekundenschnelle ganze Einheitenverbände weg.

Die Protoss dagegen sind schon komplexer. Als hochtechnologische Rasse sind ihre Einheiten im Schnitt zwar ein ganzes Stück teurer, haben dafür jedoch Schilde, die sich automatisch regenerieren und individuelle Fertigkeiten. Die einfachsten Einheiten - die Berserker - sind stark, aber schwerfällig. Mit einem Upgrade lassen sie sich zum Ansturm auf den Feind anspornen. Die mechanischen Hetzer dagegen können sich per Upgrade über kurze Distanzen teleportieren. Die Sentry schützt nahe Einheiten mit einem schadensverringernden Schild, pflanzt Hürden in die Landschaft oder erschafft - ebenfalls wieder mit Upgrade - Halluzinationen der eigenen Einheiten, welche Schaden abfangen. Zudem muss jedes Gebäude - außer dem Hauptgebäude und den Gasgebäuden - mit Strom versorgt werden. Diese Aufgabe erledigen die Pylonen, die zeitgleich das Einheitenlimit in die Höhe treiben.

Dadurch, dass sich - per Upgrade - die neu gerufenen Einheiten zu jedem Pylonen warpen lassen und sich das Transportvehikel der Protoss - das Warpprisma - auch zum Pylonen ausklappen lassen kann, besteht somit immer die Möglichkeit, schnell auf der ganzen Karte eine kleine Armee auszuheben oder abzusetzen. Dadurch bringt das terranische „Einigeln“ kaum etwas. Wer zudem im Kampf gegen einen Protoss zu sehr auf Einheitenmassen setzt, der dürfte Probleme mit den Kolossen haben, die zwar kaum Schaden einstecken können, jedoch über Klippen klettern, eine extrem hohe Reichweite besitzen und ganze Einheitenreihen mit ihrem Laser wegbrutzeln. Es lohnt sich also frühzeitig die feindliche Basis auszuspähen um zu schauen, was der Feind zu tun gedenkt.

Die insektenartigen Zerg

Um eine funktionsfähige Infrastruktur aufzubauen, müssen alle drei Rassen ständig neue Arbeiter erschaffen. Insbesondere die Zerg, da sich ihre Drohnen in Gebäude verwandeln.

Die dritte spielbare Rasse - die Zerg - ist schließlich diejenige, die am schwierigsten zu meistern ist. Anders, als bei den anderen beiden Völkern legen die Zerg viel Wert auf Mutation. Gebäude werden nicht gebaut, sondern aus mutierten Arbeitern gewonnen. Baut man nun beispielsweise einen Brutschleimpool, so verwandelt sich die Drohne in diesen und lässt sich nicht zurückgewinnen. Dadurch müssen ständig neue Drohnen erschaffen werden. Um das Einheitenlimit voranzutreiben, müssen zudem Overlords gebaut werden. Diese langsam fliegenden Einheiten sind ein gefundenes Fressen für Anti-Luft-Einheiten, lassen sich jedoch upgraden, um eine erhöhte Geschwindigkeit oder die Möglichkeit, Truppen zu transportieren, zu gewinnen. Einheiten werden zudem nicht bei den einzelnen Gebäuden rekrutiert, sondern aus Larven gewonnen, die alle paar Sekunden am Hauptgebäude bis zu einem Maximum von drei Larven schlüpfen.

Die mächtigen Ultralisken der Zerg wurden in der Betaphase oft verändert. Im aktuellen Spiel sind sie insbesondere gegen gepanzerte Gegner und Gebäude gut.

Um die Anzahl und Geschwindigkeit der Truppenaushebung zu erhöhen, sind somit mehrere Basen (wenn möglich an verschiedenen Mineral- und Gasquellen) sowie die Königinnen wichtig. Diese spezielle Einheit kann sowohl Boden- als auch Lufteinheiten angreifen und mit ihrer Energie andere Einheiten heilen, neue Larven in die Brutstätten pflanzen oder Kriechertumore setzen. Kriechertumore verbreiten - genau wie Brutstätten - den grauen, schlammartigen Kriecher, auf dem sich Zergeinheiten schneller bewegen und der mehr Sicht gewährt. Ist ein Kriechertumor fertig ausgebildet, so wird er zudem unsichtbar und nur mit Detektoreinheiten aufspürbar. Wer die wirklich starken Einheiten bauen möchte, der muss sein Hauptgebäude bis auf Stufe drei ausbauen und kann erst dann Gebäude wie beispielsweise die Ultraliskenhöhle bauen. Ebenso sind manche Upgrades, wie das Eingraben (und somit das verstecken) von Einheiten, erst erforschbar, wenn das Hauptgebäude mindestens die zweite Stufe erreicht hat. Um nun einen konstanten Strom an Einheiten, Abbau von Mineralien und effizienter Königinnenführung haben zu können, muss der Spieler mehrere Basen bauen und in Sekundenschnelle zwischen den Einheiten und Gebäuden wechseln - für Anfänger ist das zu schwer.

Starcraft 2

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC

Trotz all der Unterschiede bei den Rassen, den komplexen Taktiken, die sich im Laufe der Zeit herauskristallisieren und den hunderten Fehlern, die man machen kann, macht „Starcraft 2“ durchaus Spaß. Wer wirklich in der obersten Liga mitspielen möchte, der muss trainieren und ein gewisses Talent mitbringen, allerdings funktioniert die Gegnerzuweisung in der Regel gut und wirft den Spieler mit Leuten des gleichen Könnens zusammen. Wer gut spielt, der steigt immer weiter auf und trifft auf neue Herausforderungen, wer etwas schwächelt und Fehler macht, der trifft auf Personen, denen das genauso ergeht. Schlussendlich ist das Spiel aber ein absoluter Kauftipp.

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