Steinzeitliches  Spekulieren

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Vertrauter Mechanismus, neuer Reiz: Mit Stone Age ist dem „Hans im Glück“-Verlag ein Volltreffer gelungen.

Es gab Zeiten in denen am Mario Barth´schen Gesellschaftsmodell nicht zu rütteln war. Der Mann jagte kollektiv dem Abendessen hinterher, die Frau kümmerte sich um Nachwuchs und Lagerfeuer. Heute verantworten weibliche Konzernlenker Milliardenbudgets und Hausmänner schwingen Wischmob und Kochkelle. Bei „Stone Age“ wird nicht das Für und Wider traditioneller Rollenverteilung diskutiert. Von Julian Setzer

Vielmehr wetteifern bis zu vier Spieler um die Rolle des besten Clanführers.

Wer die meisten Punkte gesammelt hat, darf als erfolgreichster Urzeitmanager den Stamm in eine hoffentlich goldene Zukunft führen. Die Spieler müssen auf diesem Weg alle Belange urzeitlicher Ökonomie im Blick behalten. Gar nicht so einfach, müssen doch Rohstoffe gesammelt, Mammuts erlegt und Felder bestellt werden. Nebenbei ist noch für Nachwuchs zu sorgen und Handel zu treiben.

Stone-Age, für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, von Michael Tummelhofer, Hans im Glück, 30 Euro

Es braucht keinen Adam Smith im Fellgewand, um zu erkennen, dass angesichts dieser Menge an Aufgaben Prioritäten gesetzt werden müssen. Den Spielern steht wenige Holzfiguren zur Verfügung, die der Reihe nach auf dem Spielplan verteilt werden. Je nachdem, auf welchem Feld sie platziert werden, sind die Clanmitglieder entweder zum Rohstoffsammeln, Handeltreiben oder Kinderkriegen angehalten.

Es passiert leicht, dass zum Ausbau der eigenen Hütten Holz benötigt wird, sich ein Mitspieler aber schon im Wald breit gemacht hat und das Feld blockiert. Das muss kein Zufall gewesen sein: Da die Rohstoffe offen gelagert werden, ist leicht ausgemacht, ob der Nebenmann seine Untertanen eher in die Goldmine oder in die Lehmgrube schickt. Über den Ertrag der Rohstofffelder entscheidet der Würfel, trotzdem wird der erfahrene Stratege den Glücksritter schlagen: Würfelglück spielt eine untergeordnete Rolle.

Die Regeln sind gut zu verstehen. Stone Age bietet viele taktische Möglichkeiten, bleibt dabei aber übersichtlich. Jeder Stammesfürst hat so die Chance immer wieder neu zu entscheiden, ob er im nächsten Zug den eigenen Vorteil sucht oder einem anderen Höhlenmenschen am Brett in die Mammutsuppe spuckt. Vom Ablauf her erinnert das Spiel an ähnlich großartige „Die Säulen der Erde“.

Jedes Einsatzfeld ist nützlich und eigentlich fehlen den Spieler immer Figuren zum Agieren. Nicht nur steinzeitliche Immobilienhaie können am Schluss gewinnen. Wer sich dem Kunsthandwerk zuwendet und durch geschickten Handel viele Exponate im Hüttenregal stehen hat, kann sich ebenfalls Siegchancen ausrechnen.

Für passionierte Spieler ist Stone Age ein Kracher. Auch wenn der Ablauf verdächtig vertraut wirkt, macht das Austüfteln der Züge soviel Spaß wie beim Bau der Kathedrale (Säulen der Erde). Wer gerne taktiert, mitdenkt und Mitspielern auch mal eins auswischt, wird Stone Age nicht zurück in die Steinzeit wün- schen.

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