Wenn Spielehelden Wut rauslassen...

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In „Super Smash Bros. Brawl" geben sich verschiedene Charaktere der Nintendohelden auf die Mütze.

Im alten Rom warf man schlecht ausgerüstete Sklaven mit Raubtieren, Streitwagen und Gladiatoren in die Arena. In den Videospielen von Nintendo geht es dagegen meistens harmlos zur Sache. Zeit das zu ändern - in „Super Smash Bros. Brawl" werden die Spielehelden der Nintendo-Hits in die Arena gesteckt und müssen sich auf die Mütze hauen. Von Jan Schmitt

Doch wie darf man sich die Prügelei vorstellen? Während in anderen Beat 'em Ups (Prügelspielen) meist möglichst realistische, humanoide Kämpfer mit Schlägen, Tritten und möglicherweise kleineren Waffen aufeinander losgehen, ist SSBB comic-haft gehalten und kommt mit abgedrehten Charakteren daher. Weder Blut, noch Knochenbrüche, noch K.Os gibt es hier und gekämpft wird weder in Untergrundclubs, noch in dunklen Straßenecken.

Bilder aus „Super Smash Bros Brawl“ für die Wii

„Super Smash Bros Brawl“, ein Prügelfest der Nintendohelden

Zu Beginn einer jeden Runde landen alle beteiligten Charaktere auf einer sogenannten „Stage". Diese besteht in den meisten Fällen aus mehreren, in der Luft schwebenden, Plattformen. Ziel ist es, die feindlichen Kämpfer anzugreifen und somit deren Prozentanzeigen in die Höhe zu treiben. Je höher der Prozentwert, desto weiter fliegt der Gegner bei stärkeren Angriffen. Fliegt er in irgendeine Richtung aus dem Bildschirm, har er verloren. Das klingt simpler als es ist, denn viele Charaktere besitzen die Möglichkeit sich in letzter Sekunde wieder auf die Plattformen zu retten.

Ziel des Spiels ist es, die Gegner aus der Arena (der sogenannten 'Stage') zu hauen.

Bereits im schnell geschnittenen Intro bekommt der Spieler erste Eindrücke von den Charakteren. 24 stehen sofort zur Auswahl, elf weitere müssen freigespielt werden. Insgesamt sind 16 neue Recken seit den Vorgängern „Super Smash Bros." und „Super Smash Bros. Melee" vertreten. Unter anderem Segas rasanter Igel Sonic, sowie Snake aus den „Metal Gear Solid"-Teilen. Jede Spielfigur hat dabei einzigartige Attacken, Stärken und Schwächen und einen eigenen Kampfstil. Während die rosa Quietschkugel Kirby mit einem Hammer um sich schlägt, sich in einen herabfallenden schweren Gegenstand verwandelt und besonders hoch springen kann, schlägt Donkey Kong mit brachialer Gewalt seine Gegner in den Boden, verteilt Kopfnüsse und ist insgesamt etwas behäbiger.

Während der Kämpfe tauchen zudem immer wieder Hilfsmittel auf der Stage auf. Diese reichen von Lebensmitteln zur Regeneration, über Waffen wie Raketenwerfer und Laserschwerter, bis hin zu Bumpern und Bomben, die die Kämpfer bei Berührung fast augenblicklich aus dem Bildschirm schießen. Selten taucht auch ein sogenannter 'Smash-Ball' auf. Ist dieser nach einigen Angriffen zerstört, verleiht er dem Zerstörendem seine Macht - eine Ultra-Smash-Attacke. Während Bowser dabei für kurze Zeit wächst und jeden Gegner von der Stage haut, schläfert Prinzessin Peach alle Feinde ein und Zelda verschießt einen riesigen Lichtpfeil.

Der prozentuale Schadenswert jedes Kämpfers, entscheidet darüber, wie weit er fliegt.

Wer genau aufpasst, endeckt zudem auch kleine Helfertrophäen, die - wer hätte es gedacht - einen kleinen Helfer beschwören, der dem Spieler kurzzeitig unter die Arme greift.
Der Umfang des Spiels ist gigantisch. Im klassischen Solomodus wählen Sie einen Charakter und bestreiten 13 unterschiedliche Herausforderungen gegen Computergegner. Neben 2-gegen-2 Kämpfen, warten auch Kämpfe gegen eine Übermacht an (schwachen) Gegnern oder eine riesige Variante eines bekannten Feindes auf Sie. Ist der letzte Gegner - eine riesige Hand - besiegt, bekommen sie eine kleine Trophäe. Im neuen Storymodus „Der Subraum-Emissär“ sind Sie dagegen an vorgeschriebene Helden gebunden und erleben eine Mischung aus Beat 'em Up und Jump&Run. Sie sehen die Level von der Seite und müssen sich wie in klassischen Mario-Titeln durch verschiedene Welten kämpfen, über Hindernisse hüpfen und Fallen ausweichen. Die Story ist dagegen jedoch recht lasch: Eine böse Macht verwandelt Personen in Statuen und muss aufgehalten werden.

Doch trotz langsam einkehrender Monotonie reizt der Modus zum weiterspielen. Nur noch diesen einen Charakter freischalten, nur noch diese Attacken ausprobieren und schon ist‘s wieder 3 Uhr in der Früh. Nach gut neun bis zehn Stunden hat man die Geschichte jedoch durchgespielt. Abgesehen davon, lässt sich das Abenteuer auch zu zweit durchspielen - Mehrspieler kommen also auch auf ihre Kosten.

Wer Lust auf Abwechslung hat, spielt einfach „Scheiben-Smash". Hierbei müssen die farbigen Scheiben so schnell wie möglich zertrümmert werden.

Doch damit ist das Spiel noch lange nicht zu Ende. 41 Solo- und 21-Multiplayermissionen warten auf ihre Bewältigung und unterscheiden sich alle erheblich. Mal muss eine bestimmte Anzahl an Feinden in kurzem Zeitraum besiegt, mal alle Bodenplatten zertrümmert werden. Drei Minispiele (Sandsack-Weitwurf, Zielscheiben zerschlagen und Gegnermassen umhauen) sowie der Trainingsmodus, sorgen für zusätzlichen Spaß.
Doch dies alles wirkt nur wie Training für den Multiplayerpart. Hier wird auf bis zu 41 verschiedenen Arenen, von der Südseeinsel bis zur Rennbahn, gefochten. Jedes Detail lässt sich dabei von Ihnen bestimmen. Kein Zeitlimit? Kein Problem! Wiedereinstieg? Was für Gegenstände sollen auftauchen? Handicaps? Erhöhter Schadensquotient? Unsichtbare Kämpfer? Teamkampf oder Jeder-gegen-Jeden? Zusätzliche Computergegner? Es gibt nichts, was sich nicht verändern lässt. Wer keine Freunde für Matches an der eigenen Konsole hat, geht einfach ins Internet und spielt dort gegen hunderte von Kontrahenten.

Super Smash Bros. Brawl

Freigegeben ab 12 Jahren

Erhältlich für: Wii

Homepage

Egal was sie jedoch tun, irgendetwas werden sie freispielen. Vielleicht eines der 200 Musikstücke, vielleicht eine Demoversion eines Uralt-Nintendohits, vielleicht einen neuen Kämpfer oder Sticker. Letztere lassen sich in Alben sortieren und auf Sockel von Trophäen kleben um dem Helden erhöhte Werte zu garantieren. Stages lassen sich im Editor selbst bauen, Videos und Fotos während der Kämpfe aufnehmen. SSBB ist so mit Inhalt vollgestopft, dass Monate vergehen können, bis man alles gesehen und gehört hat. Während die Grafik manchmal schwächelt und die Animationen eher durch Witz, als durch Perfektion, überzeugen, sorgt besonders die Soundkulisse sowie die flüssige Bildrate für ein besonderes Spielerlebnis. Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist somit die gewöhnungsbedürftige, knallbunte Optik, sowie die Übersicht, die in größeren Kämpfen öfters mal flöten geht.

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