Mit dem Smartphone im Netz

Tatort Internet

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Offenbach - Die Debatte um Edward Snowdens NSA-Enthüllungen, darum, was Geheimdienste und Polizei über uns wissen, wirft auch die Frage auf: Wie leicht machen wir es anderen, in unsere Privatsphäre einzudringen? Von Fabian El Cheikh

Es dauert nur Sekunden, schon ist das mithilfe des Smartphones geschossene Foto vom gemeinsamen Filmabend hochgeladen und live auf Facebook, Instagram oder Wer-kennt-wen für echte und vermeintliche Freunde sichtbar. Wer sich auf diese Weise im Netz bewegt, macht es potenziellen Feinden leicht: Ruck, zuck haben Einbrecher – meist schon über eine schnelle Google-Suche – die Adresse desjenigen herausgefunden, der sich gerade den Blockbuster im Kino anschaut. Sind auch noch W-Lan oder Bluetooth am Mobiltelefon eingeschaltet, ist es für Hacker in der Nähe nur noch ein Klacks, an alle darauf gespeicherten privaten Daten einschließlich Passwörter zu gelangen. Und wer jetzt noch nicht genug Ärger hat, erhält womöglich bald eine horrende Telefonrechnung oder findet sein Urlaubsbild im Bikini auf einer Werbe- oder gar Pornoseite.

Wie leicht es viele Kriminellen haben, davor warnen derzeit Hajo Giegerich vom Dreieicher Softwareentwickler Giegerich & Partner, der Langener IT-Sicherheitsexperte Christian Schülke sowie Markus Wortmann von der Offenbacher Polizei, Jugendliche in den Berufsschulen in Stadt und Kreis. „Cyberkriminalität nimmt rasant zu und kann nur vielschichtig bekämpft werden“, spricht Wortmann Offenbacher Theodor-Heuss-Schülern ins Gewissen. Dem Präventionsfachberater, der sonst im Polizeiladen anzutreffen ist, ist wichtig, der internetaffinen Generation die Gefahren zu verdeutlichen.

Protest gegen NSA-Spionagestützpunkt bei Darmstadt

Wie Hacker sich meist unbemerkt auf Handys einschalten, veranschaulichen Schülke und Giegerich anhand einer Schadsoftware, mit der sie – nachvollziehbar auf großen Leinwänden – in ein Mobiltelefon eindringen und so Zugriff auf Bilder, Fotos, Videos, Anruf- und Kontaktliste erhalten. Einfallstor sind häufig auch die beliebten Applikationen (Apps), die von Millionen Deutschen zum Kommunizieren, Spielen und Navigieren benutzt werden. „Apps registrieren Kurznachrichten, Anrufe, Telefonnummern“, so Giegerich, „aber auch wann ich mich wo wie lange aufgehalten habe, sofern ich nicht die Standortbestimmung ausschalte.“ Wer daran interessiert ist – meist die Werbeindustrie –, erhält Zugriff auf gespeicherte Dateien im Mobiltelefon (dasselbe gilt am Computer) und erfährt so einiges über private Vorlieben, Gesprächspartner, Freizeit- und Kaufverhalten. Brisant wird’s dann, wenn Fremde unbemerkt (!) Telefonate vom eigenen Gerät ausführen oder über das Mikrofon am Telefon oder Laptop Gespräche mithören können. „Spionagesoftware ist in Deutschland zwar verboten, erfreut sich dennoch eines großen Käuferkreises“, warnt Giegerich. „Sie wird nicht nur von fürsorglichen Eltern und Ehepartnern benutzt...“

Er rät, das Telefon niemals unbeaufsichtigt zu lassen. „Die Software muss aufs Gerät geladen werden, das geht schnell, etwa wenn der Besitzer unter der Dusche ist oder Bier am Thresen bestellt.“ Daher: Das Telefon durch eine PIN sperren! Bei Apps generell gilt: „Beim Herunterladen auf die Zugangsberechtigungen achten!“ Eine Taschenlampe benötigt keinen Zugriff aufs Internet oder auf den Standort, die Navigation keine Kontakte.

Kritisch ist das Surfen auch dann, wenn Daten über unverschlüsselte Leitungen versendet werden. Sichere URL-Adressen besitzen ein im Browser sichtbares Zertifikat, am bekanntesten ist VeriSign, sowie ein „S“ für Sicherheit auf der aufgerufenen Seite (https://www.google.de statt http://www.google.de). In den Datenschutz-Einstellungen sollte verhindert werden, dass der Browser Chroniken anlegt. „Bitte auch ein Häkchen an der Stelle setzen, an der es heißt: Webseiten mitteilen, dass ich nicht verfolgt werden will.“ Wer aus dem Internet Programme herunterlädt, sollte sie nicht wahllos installieren. Giericke rät: „Immer die Option ,benutzerdefinierte Installation’ wählen, um zu verhindern, dass merkwürdige Such- und Werkzeugleisten im Browser eingerichtet werden, die nichts mit dem Programm zu tun haben, aber das gesamte Surfverhalten überwachen.“

Das ist die NSA

Das ist die NSA

Längst zum Standard auch beim Mobiltelefon sollten Firewall und ein regelmäßig aktualisierter Virenscanner gehören, wer jetzt noch die Gefahr vermeiden will, in eine Kostenfalle zu tappen, sollte bei seinem Internet- und Mobilfunk-Provider Drittanbieter sperren lassen. „Daran sollten vor allem Eltern Interesse haben, da sie für ihre Kinder haften.“ Das gilt ebenso für die Verletzung von Urheberrechten.

Zu guter Letzt: das Passwort. Hohe Sicherheit bieten nur Kombinationen aus mindestens acht Stellen mit Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Ziffern. Wer sich Passwörter schlecht merken kann, sollte mit Merksätzen wie diesem arbeiten: „Meine süße Maus habe ich am 6. Mai in der Disco kennengelernt.“ Das aus den Anfangsbuchstaben gebildete Passwort MsMhia6.MidDk macht es Hackern schwer und Anwendern leicht: „Es lässt sich mit Anhängseln wie ,Fb’ für Facebook und andere Anwendungen beliebig variieren.“

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