Ninja-Action im alten Japan

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Im Ninja-Schleichspiel "Tenchu 4" liegt es an Ihnen möglichst unbemerkt Lord Godas Tochter zu befreien.

Schon „Galileo Mystery“ berichtete über Ninjas, die "scheinbar unbesiegbaren, skrupellosen und perfekten Killer". Doch wie unbesiegbar ist ein solcher Ninja, wenn man ihn mit der Wii-Remote steuern muss? Wir haben das Schleichspiel „Tenchu - Shadow Assassins" getestet und gehen dem Mysterium auf den Grund. Von Jan Schmitt

„Tenchu - Shadow Assassins" ist kein Spiel für Choleriker und kein Spiel für hektische Perfektionisten. Ebenso ist "Tenchu SA" kein Spiel für Leute mit schlechten Reaktionen oder Hassern von Quicktime-Events. Achja und für Kinder oder Zartbesaitete ist das Spiel ebenfalls nichts, es geht nämlich recht brutal zur Sache. Nun stellt sich die Frage: Für wen ist „Tenchu" überhaupt?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten Ihre Gegner abzulenken. Neben kleinen Bomben und Angelruten wartet auch eine trainierte Katze auf ihren Einsatz.

Doch kommen wir erst einmal zur Story. Wir befinden uns im Japan der Feudalzeit, das Land wird von Unruhen heimgesucht und als schließlich noch die Tochter von Lord Goda entführt wird, heuert dieser zwei Assassinen an. Schleichkünstler Rikimaru und die etwas rabiatere Ayame sollen durch gezielte Attentate die Ruhe im Land wiederherstellen und seine Tochter retten. Zugegeben, die Geschichte ist nicht sonderlich einfallsreich, wird allerdings durch schön in Szene gesetzte Zwischensequenzen und tollen Synchronsprechern immerhin ansprechend erzählt.

Das Spielprinzip bleibt der „Tenchu"-Serie treu. Sie huschen möglichst unbemerkt durch zahlreiche Areale und schalten dabei eine Wache nach der anderen aus. Im Gegensatz zum Genre-Konkurrenten "Splinter Cell" ist es  meistens nicht möglich den nächsten Spielabschnitt zu betreten, ohne Blut vergossen zu haben. Dennoch fällt das Spiel recht taktisch aus. Ein geübter Ninja huscht von Schatten zu Schatten, bläst Fackeln aus, löscht Flammenschalen, klettert über Dächer, hängt sich an Dachbalken und überrascht seine Gegner aus dem Hinterhalt. Per 'Ninja-Ansicht' werden zudem alle wichtigen Objekte farbig markiert. So übersehen Sie keine Gegner, Kisten oder Fackeln.

Bilder aus „Tenchu - Shadow Assassins“ für die Wii

„Tenchu 4“ ist ein Schleichspiel mit Tücken

Schwertkämpfe enden in „Tenchu 4“ oft tödlich - in den meisten Fällen jedoch für den Spieler.

So lustig das Herumgeschleiche auch sein mag - es hat seine Tücken. Das Sichtfeld Ihrer Widersacher ist so eingeschränkt, als hätten sie Scheuklappen. Einerseits werden sie auf dutzende Meter Entfernung gesehen, wenn Sie nur in gerader Linie vor dem Gegner herumlaufen, andererseits können Sie sich seitlich fast auf Armlänge heranschleichen. Ebenso verhält es sich mit dem Gehör. Scheuchen Sie direkt hinter den Wachen eine Katze auf, so scheinen sie nichts zu bemerken. Laufen Sie jedoch etwas zu schnell hinter einem Gebüsch entlang, können sie praktisch direkt den Spielstand neu laden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die miserable Kamera. Stellen Sie sich einen Ninja mit Genickstarre vor. Während links von Ihnen die Wachen etwas vernommen haben und bedrohlich nahe kommen, bekommen Sie selbst davon nichts mit und betrachten lieber die wundervoll bearbeitete Wand vor Ihnen. Nur bei Bewegung verändert sich auch der Kamerawinkel. In einem Spiel, bei dem (wortwörtlich) jeder Schritt geplant sein will, ist das keine so optimale Lösung. Oftmals sehen Sie alles, nur nicht das, was Sie eigentlich sehen wollten.

Die Steuerung bricht "Tenchu - Shadow Assassins" dann allerdings den Hals. Statt einem wendigen, agilen und absolut perfektem Killer, machen die beiden Ninjas manchmal mehr den Eindruck eines Parkinsonkranken auf Valium. Sie bleiben an Kisten und Kanten hängen, ruckeln sich Stück für Stück nach Vorne, weil das Spiel den nächsten Aktionspunkt nicht erkennt und bewegen sich mit der Agilität einer dreibeinigen Gazelle.

Kommt es zu Auseinandersetzungen, so macht die Steuerung aber Probleme. Das Spiel fordert schnelle, präzise Bewegungen - und diese registriert der Controller oft nicht schnell genug.

Selbst das Meucheln der Wachen bleibt nicht von Problemen verschont. Stehen Sie in Reichweite eines Widersachers, so löst ein Druck auf die A-Taste eine Meuchelanimation aus. In den folgenden drei Sekunden ploppt eine von 13 Wii-Remote Bewegungen am unteren Bildschirmrand auf und muss ausgeführt werden. Gelingt Ihnen dies nicht, so dreht sich der Spieß um und Sie landen entweder direkt am Anfang des Abschnitts oder müssen den Widersacher im Schwertkampf besiegen. Letzteres zieht das ganze System nur noch mehr ins Lächerliche. Es fühlt sich nicht nach einem Schwertkampf an, es ist verdammt schnell und eigentlich brauchen Sie sich gar nicht bemühen, Sie werden wahrscheinlich sowieso verlieren.

Der Kampf besteht aus zwei verschiedenen Phasen. In Phase 1 greift der Gegner an und Sie müssen parieren. Dabei blendet das Spiel etwa eine halbe Sekunde - oder manchmal auch gar nicht - ein, wie sie die Wii-Remote bewegen müssen um zu blocken. Bewegen Sie sich komplett falsch, sterben Sie beim ersten Hieb. Bei minimalen Abweichungen erleidet Ihr Schwert Schaden. Minimal ist in diesem Fall übrigens das richtige Wort, es scheint fast unmöglich sich richtig zu bewegen. Hat der Gegner einige Angriffe ausgeführt und ihr Schwert ist weder zerbrochen, noch liegen Sie blutend am Boden, so tritt Phase 2 ein. Hier fuchteln Sie nun wie ein Irrer vor dem Fernseher herum und hoffen, dass die Lebensenergie des Gegners schneller abnimmt, als die Zeit für den Angriff abläuft.

Tenchu - Shadow Assassins

Freigegeben ab 18 Jahren Erhältlich für: Wii

Homepage

Technisch gibt es dagegen wenig zu bemängeln. Grafisch ist der Titel für Wii-Verhältnisse sehr gut, besonders die schön gestalteten Level und Umgebungen machen das Spiel zu einem atmosphärischem Erlebnis. Die guten Synchronsprecher, sowie die passende japanische Musik machen den Titel ebenfalls nicht schlechter. Selbst Abwechslung wird dank der gekonnten Storyfortführung geboten - auch wenn sich die einzelnen Spielelemente nicht sonderlich unterscheiden. Kleine Gimmicks wie eine trainierte Katze, eine Angelrute und Minibomben verfeinern den Spielablauf zusätzlich.

Für wen ist "Tenchu" nun also? Frustresistente Japan- und Ninjaliebhaber werden definitiv auf ihre Kosten kommen, erwachsene Fans von Schleichspielen, die über die Steuerung hinwegsehen können, könnten sich den Titel auch einmal ansehen - einen "scheinbar unbesiegbaren, skrupellosen und perfekten Killer" sollte man jedoch nicht erwarten.

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