Algen gegen die Klimakatastrophe

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Mit „A New Beginning“ bringt Entwickler Daedalic ein Adventure auf den Markt, dass sich um Klimaschutz und Zukunftsängste dreht - und landet damit einen Hit.

Viele typische Point&Click-Adventures drehen sich um Fantasywelten oder Kriminalgeschichten. Mit „A New Beginning“ bringt Daedalic Entertainment nun ein etwas anderes Rätselspiel auf den Markt. Es geht um globale Klimakatastrophen, Energiegiganten und Zeitreisen. Von Jan Schmitt

Bent Svensson ist Wissenschaftler. Einer dieser Wissenschaftler, die sich der Erforschung neuer Energiequellen widmen. In seinem Fall waren es Algen. Algen, die den Ausstieg aus der Atomenergie beschleunigen und die Umwelt somit schonen könnten. Jahrelang forschte Bent an der neuen Wunderalge, bis er schließlich widerwillig aufgeben muss, weil niemand Interesse an seinem Projekt hat. Der Grund dafür ist Geld - Geld, das man mit Atomenergie leichter verdient. Bents Leben scheint verschwendet, sein selbst gewähltes Lebensziel hat er nicht erreicht. Also geht er in den Ruhestand und lebt in seiner kleinen Hütte in der norwegischen Einsamkeit vor sich hin.

Die Grafik des Titels ist wunderschön. Zahlreiche gezeichnete Hintergründe und gute Animationen sorgen für Bilderbuchatmosphäre.

Mit der Ruhe ist es jedoch schnell vorbei, als die junge Fay bei Bent aufkreuzt. Die naiv wirkende Frau gibt an, sie komme aus der Zukunft und ermutigt den Wissenschaftler im Ruhestand sein Projekt fortzuführen, nur so könne der Untergang der Welt vermieden werden. Eines der Atomkraftwerke im brasilianischen Urwald würde in den kommenden Jahren explodieren, die Lunge der Welt somit zerstören und für ein gestörtes Gleichgewicht sorgen. Alles hängt also an Bent und seinen Algen. Der glaubt der jungen Frau zuerst nicht, hat er doch mit der Menschheit abgeschlossen und pflegt nur sporadischen Umgang mit seiner Psychotherapeutin. Nach einer Weile lässt er sich dann aber doch überzeugen, und so reisen die beiden in den kommenden Stunden durch Zeit und Raum, begegnen gierigen Industriellen und rätseln und reden.

Geschichte ist voraussehbar

Gleich zu Beginn geht es mit Problemen los. Eine Maschine muss repariert werden und der Keilriemen ist gerissen. Wo findet man in der norwegischen Einsamkeit einen neuen?

Die Geschichte von „A New Beginning“ ist, zugegeben, nicht die innovativste und voraussehbar, wirkt jedoch zu keinem Zeitpunkt belehrend. Den Entwicklern gelang es durchgängig auf dem schmalen Grad zwischen Ernsthaftigkeit und Humor zu wandeln. Das Spiel rüttelt auf, drängt den Spieler jedoch nicht. Die über 50 glaubwürdigen Charaktere tragen einen Großteil dazu bei. Jeder von ihnen wirkt auf seine Weise verständlich und handelt nachvollziehbar. Kommuniziert wird per Pseudo-Multiple-Choice-Dialogen, die zwar mehrere Fragestellungen zulassen, jedoch alle schlichtweg nacheinander abgearbeitet werden müssen. Denn nur so können die zahlreichen und guten Kombinationsrätsel gelöst werden. Der Schwierigkeitsgrad schwankt dabei teils heftig, wirkt jedoch nie unfair. Eine Hilfsfunktion fehlt zwar, wird jedoch durch eine Anzeige aller Interaktionspunkte wieder wett gemacht.

Spielraum für eigene Ideen

A New Beginning

Ab 12 Jahren

Erhältlich für: PC Homepage

Ebenso wie eine Hilfsfunktion fehlen Anzeigen auf dem Bildschirm. Das Inventar lässt sich auf Knopfdruck einblenden, per Mausklick öffnet sich zudem eine Auswahl an möglichen Interaktionen. Das geht erstaunlich gut von der Hand, lässt Spielraum für eigene Ideen und stört nicht den ansehnlichen Comicstil, der schon bei „The Whispered World“ zum Einsatz kam, hier jedoch erwachsener und weniger farbenfroh wirkt. Die Dialoge und Kommentare verdienen ebenso Lob. Alle Sprecher wurden gut besetzt und liefern im umfangreichen Spielverlauf durchgängig gute Arbeit ab. Der Soundtrack mit der Spielmusik liegt dem Titel zudem bei und rundet das gute Ergebnis ab. Wer gerne knobelt, mit der realistischen Thematik etwas anfangen kann und sich gerne von humorvollen Gesprächen unterhalten lässt, der schlägt zu.

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