Räuber und Gendarm für Arme

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Verbrecher und Polizei. Schusswechsel und schnelle Verfolgungsjagden: „All Points Bulletin" ist ein Titel, der all dies bietet - nur in einer schlechten Qualität.

Ein Online-„Grand Theft Auto" sollte es werden. Eine lebendige Stadt, die von Verbrechern und Gesetzeshütern in Schach gehalten wird. Doch so, wie „All Points Bulletin" auf den Markt gekommen ist, erweckt der Titel nur leidlich Freude. Von Jan Schmitt

Was hätte es schön werden können. Groß angekündigt war „All Points Bulletin" ja und mit „Electronic Arts“ stand auch ein großer, finanzstarker Publisher hinter Entwickler „Realtime Worlds“. Wir erwarteten furiose Verfolgungsjagden, blitzschnelle Banküberfälle, große, individuelle Gestaltung und lang anhaltenden Spielspaß, schließlich kostet das Spiel eine monatliche Gebühr - oder man zahlt nach Stunden - hat man die kostenfreie Probezeit vollendet. Dabei beginnt das Abenteuer sogar sehr gut.

Der fulminante Charaktereditor bietet mehr Möglichkeiten als in jedem anderen Spiel - bleibt damit aber auch bester Teil des Titels.

Startet man das Spiel, so landet man im Charaktereditor. Hier lässt sich so ziemlich alles am eigenen Charakter verändern. Egal ob Geschlecht, Frisur, Haarfarbe, Tattoos, Narben oder Kleidung, schon bei der Erstellung sind extrem viele Möglichkeiten vorhanden. Zudem lässt sich das eigene Auto nach Vorlieben anpassen und sogar eine eigene Erkennungsmelodie komponieren, die nach einem Abschuss ertönt. Im Laufe des Spiels werden zudem immer wieder neue Kleidungsstücke oder Optionen freigeschaltet - vorbildlich! Weiterhin lässt sich natürlich noch die Fraktion auswählen. Lieber als Verbrecher durch die Stadt fahren und in allerlei kriminelle Handlungen verstrickt sein oder aber als Gesetzeshüter eben diese Verbrecher daran hindern?

Die Umsetzung der Spielidee ist schließlich der Punkt, an dem das ganze Projekt scheitert. Beide Parteien nehmen Aufträge an, die sie auf ein Ziel ansetzen. So sollen Verbrecher beispielsweise eine Bank ausrauben, während die Gesetzeshüter diese verteidigen. Jede Mission ist zudem in mehrere Abschnitte unterteilt und erlaubt so den Spielern, ihr ganzes Waffenarsenal einzusetzen. Eignen sich große Straßen für Scharfschützen, so sind in Gebäuden insbesondere Spieler mit Schrotflinten favorisiert. Im Falle des Bankraubs fahren die Verbrecher also zur Bank, treffen dort auf die ersten Polizisten und werden aufgerieben oder schaffen es ins Innere. Hier wird schnell geplündert, um dann mit dem obligatorischen Fluchtwagen die Sicherheit zu suchen und der Polizei zu entkommen. Im Vorteil ist dabei in der Regel keine Gruppe, einzig die Wahl der richtigen Waffe, Position und die Absprache mit dem Team ermöglicht den eigenen Erfolg.

Umgebungen wie diese sehen Sie relativ selten im Spiel. Den Großteil der Stadt machen karge, langweilige Betonwüsten aus.

Das Problem, dass der Titel hat, ist allerdings, dass es nicht genügend Abwechslung gibt. Missionen wie der Bankraub gehören zu den Höhepunkten, oft genug müssen nur verschiedene Stationen in der Stadt angefahren und eine Taste gedrückt werden - Spannung ist etwas anderes. Zudem hat der Spieler nach den ersten drei Spielstunden eigentlich alles Elementare gesehen und verfällt in eine Art Routine. Die Aufstiege in Stufen und zusätzliche Extras sorgen zwar für einen Hauch Motivation, überzeugen jedoch nicht, wenn immer wieder dieselben Aufträge aufploppen und dabei Gegnern zugewiesen werden, die entweder viel zu schwach oder aufgrund ihrer Boni zu stark sind. Fairness ist etwas anderes.

Selbst die Technik meint es nicht gut mit „All Points Bulletin". Sind die Charaktere noch sehr gut modelliert und unterscheiden sich teilweise sehr stark voneinander, so wirkt die Stadt steril, karg und monoton. Highlights fehlen auf langer Strecke. Auch wirkt die Steuerung der Waffen schwammig und erlaubt so kein präzises Zielen. Einen Pluspunkt sammelt das Spiel immerhin beim Sound, da sich eigene Musik in den Autos abspielen lässt und diese von anderen Spielern gehört wird. Das hat man so noch nicht gesehen und könnte durchaus Standard im Genre werden.

All Points Bulletin

Ab 18 Jahren Erhältlich für: PC

Homepage

Schlussendlich ist „All Points Bulletin" ein Titel, der durchaus Spaß machen kann, vorausgesetzt man hat ein festes, fähiges Team und sucht nach einer kurzen Abwechslung zum Standard-Shooterallerei. Zusätzliche Gebühren zu verlangen grenzt beim derzeitigen Status jedoch an eine Frechheit.

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