Als Meuchler durch Italien

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Weiße Kappe, stolzer Gang, versteckte Klingen. Mit einer weiteren Episode des „Assassins Creed"-Zyklus stritt Ubisoft das kletterlastige Abenteuer weiter.

Klettern, meucheln, kämpfen, flüchten - was schon in Teil 1 für Begeisterung sorgte, wurde nun auch für „Assassins Creed 2" übernommen. Doch statt Damaskus, Akkon und Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge, wartet diesmal das Italien der Renaissance mit einigen bekannten Gesichtern auf die Spieler. Von Jan Schmitt

Egal ob auf Meereshöhe, in der Luft oder auf hohen Türmen. „Assassins Creed 2" spielt mit Höhen und lässt den Spieler auch tiefe Sprünge erleben.

Desmond Miles ist schon ein armer Kerl. Von einem Pharmakonzern entführt, auf eine irrwitzige Reise durch die Vergangenheit gejagt und vor Templern und Assassinen geflüchtet. Dabei weiß er nicht einmal, was wirklich in seinem Erbgut schlummert. Ein „Animus“ genanntes Gerät erlaubt ihm jedoch, in die Erinnerungen seiner Vorfahren zu reisen. Unter der Anweisung von Professor Warren Vidic schlüpft Desmond in Teil Eins der Assassinen-Reihe in die Erinnerungen seines Vorfahren Altaïr und springt, klettert, kämpft und meuchelt sich durch eine riesige Verschwörung zur Zeit der Kreuzzüge. Als Vidic jedoch seine Informationen aus den Erinnerungen des Barkeepers bekommt und diesen daraufhin eliminieren will, flüchtet Desmond mitsamt seinen neu gewonnenen Fähigkeiten und der hübschen Assistentin Lucy Stillman aus dem Bürokomplex.

Die Steuerung bleibt kompliziert

Soweit die Geschichte des ersten Teils der „Assassins Creed“ Reihe. Teil Zwei knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Während das Tutorial am Bildschirmrand die neuen - und alten - Funktionen erläutert und dabei immer noch die Symbole für Aktionen (beispielsweise ein kleiner Kopf als Symbol für den Adlerblick), statt den nützlicheren Controller bzw. Tastaturtasten, einblendet, rennen die beiden Flüchtigen aus dem Gebäudekomplex und kommen schließlich in einem kleinen Untergrundquartier unter. Hier steht - wer hätte es erwartet - ebenfalls eines der Animusgeräte und so schlüpft Desmond in die Haut eines weiteren Vorfahren.

Im Laufe der Geschichte lernt Ezio immer wieder neue Fertigkeiten. Das stehlen beispielsweise von dieser Kurtisane.

Ezio Auditore da Firenze so der wohlklingende Name der neuen Hauptperson. Ein junger Mann und Sohn eines Bankiers in Florenz. Schnell wird klar, dass Ezio kein zweiter Altaïr ist. Statt geheimnisvoll und wortkarg kommt der neue Held laut, arrogant, zynisch und doch charmant daher. Kein Wunder, liefert er sich doch auch an der Seite seines Bruders Raufereien mit Jünglingen einer anderen Familie und hat zahlreiche Frauengeschichten am Laufen. Ab und zu greift er auch seiner Mutter unter die Arme und besucht beispielsweise den Politiker Lorenzo de Medici. So idyllisch sich der Auftakt auch spielt, so schnell schwingt die Stimmung um. Als es durch eine Intrige zur Hinrichtung von Ezios Brüdern, sowie seinem Vater, kommt, schwört der Meuchelmörder in spe Rache.

Die stimmige Grafik und der Tag-Nacht-Wechsel sorgen für Abwechslung und erstaunte Gesichter. Selten ließen sich solche wundervollen Städte sehen.

In den folgenden Stunden merkt man „Assassins Creed 2" schnell seine Nähe zum Vorgänger an. Statt Damaskus & Co. schwingt, klettert und kämpft sich Ezio nun durch Florenz, Venedig und Rom. Die Steuerung ist dabei fast vollkommen gleich geblieben und so bewegt sich der Frauenheld flüssig auch über komplexe Hindernisse, springt von Dach zu Dach und balanciert durch geheime Gruften um wertvolle Siegel zu erhalten. Sind alle Siegel gefunden, so öffnet sich die Familiengruft und der Spieler hat Zugriff auf die alten Sachen von Altaïr - die besten im ganzen Spiel. Spieler, die lieber konventionell neue Waffen kaufen und sich somit einer erhöhten Schwierigkeit stellen, haben in den Kämpfen dennoch gute Karten. Zwar benötigt es nun ein wenig mehr als ständiges Kontern, um Gegnermassen zu erledigen, doch werden die Kämpfe schnell zur Routine. Zusätzliche, spezielle Wachen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen lassen sich immer wieder nach demselben Muster auseinandernehmen. Wer sich geschickt anstellt, kann seinen Feinden gar die Waffen entwenden und fortan mit einer Axt oder Hellebarde kämpfen - wenn auch nicht für immer.

Ablenkung für bare Münze

Wer lieber seine Beine in die Hand nimmt, der hat allerdings auch seinen Spaß. Rauchbomben, sowie angeheuerte Söldner oder Kurtisanen sorgen für Ablenkung und die neuen Doppelklingen (eine in jedem Ärmel) sorgen für schnelles, unkompliziertes ausschalten mehrerer, ahnungsloser Gegner. Generell spielt sich Ezio sehr martialisch. Geschmeidige Bewegungen, Sprünge von Hausdächern auf des Gegners Schultern oder die simple Choreographie des Kampfes runden die sehr gute Grafik ab und sorgen für ein stimmungsvolles Spielerlebnis.

In einer Mission muss der Spieler mit einem Segelgerät von Leonardo da Vinci über die Stadt gleiten. Offene Feuer geben den nötigen Auftrieb.

Die oft eintönigen Aufträge des Vorgängers wurden umgestaltet, ersetzt und schlichtweg interessanter und abwechslungsreicher gemacht. Mal soll eine Person gefunden, mal ein Päckchen ausgeliefert, mal der klassische Meuchelmord begangen oder sich mit einem Fluggerät vom jungen Leonardo da Vinci vom Dach geworfen werden. Die Hauptquest läuft dabei relativ linear ab, die zahlreichen Nebenaufgaben schmücken größtenteils nur das Gesamtwerk und sorgen für zusätzliches Einkommen oder Hilfe. Einkommen? Ja, denn nun ist es auch möglich die Leichen gefallener Gegner oder Taschen von Zivilisten zu plündern. Das Geld lässt sich dann in Heilpakete, Ausrüstung oder die Familienvilla packen, welche, richtig aufgerüstet, zahlreiche Touristen anlockt und erneut Geld in die Kasse spielt. Viel zu früh besitzt der Spieler jedoch zu viel Geld, so dass taktisches planen unnötig wird.

Assassins Creed 2

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, Xbox360

Homepage

Schlussendlich lässt sich nur sagen, dass „Assassins Creed 2" erneut ein Meisterwerk geworden ist. Es macht einfach Spaß durch die fantastischen lebendigen Städte zu laufen, dabei dem treiben der vielen Gestalten zuzuschauen, kleinere Rätseleinlagen zu meistern und auf der Flucht vor einem Wachtrupp nun nicht einmal mehr in den altbekannten Heuhaufen sicher zu sein. Die ganze Stadt scheint verrückt zu spielen, wenn plötzlich eine Leiche auftaucht. Passanten stehen geschockt herum, Wachen teilen suchend die Menschenmasse auf und Kurtisanen versuchen unsere Gegner zu umschmeicheln. All das wird mit einer sehr guten Geräuschkulisse, tollen Sprechern und einer etwas gewöhnungsbedürftigen aber doch intuitiven Steuerung unterlegt.

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