Abenteuer im Taucheranzug

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Ein Shooter, der mit einem außergewöhnlichen Setting und zahlreichen alten Musikstücken aufwartet. Bioshock 2 ist ein Genre-Highlight.

Es sollte ein Unterwasserparadies werden, als man anfing die Stadt Rapture am Grund des Atlantiks zu bauen. Doch als man entdeckte, dass eine bestimmte Art von Meeresschnecken eine Droge - das sogenannte „Adam" - absonderten, wurde aus dem 60er-Jahre Utopia schnell ein bedrückendes Gefängnis. „Bioshock 2" im Test. Von Jan Schmitt

Durch die verjüngende und kraftstärkende Wirkung des Adam wurden die Bewohner fast allesamt süchtig und entwickelten sich zu sogenannten „Splicern", die fortan alles taten, um an ihren Stoff zu kommen. Der Traum von einem besseren Leben war gescheitert und auch die Stimme des Erbauers Andrew Ryan verklang trotz vormaliger politischer Ideologie. Als Fremder stößt der Spieler in „Bioshock" in diese Welt und erkundet nach und nach Hintergründe und Geschichte des Lebens in der kleinen Unterwasserwelt. „Bioshock" führte Fehlverhalten vor Augen, kritisierte und regte zum Nachdenken an. Nicht zuletzt wurde es weltweit von der Fachpresse als „Spiel des Jahres" gewählt. Nun, erschien der heiss erwartete zweite Teil des Shooters, der versucht, die Erwartungen zu übertreffen.

Der Spieler schlüpft selbst in den Taucheranzug

Schon früh im Spiel begegnen Sie Ihren ersten stärkeren Gegnern. Nur mit einem Blitz-Plasmit und einer Pistole sind diese jedoch gar nicht so leicht.

Zehn Jahre nach den Ereignissen des Erstlings verfällt die Stadt immer mehr. Dreck ziert die Wände, Wasser bricht aus den Wänden hervor und von der einstigen Schönheit ist nichts mehr geblieben. Noch immer sind die „Little Sisters" genannten Mädchen auf der Suche nach Leichen um aus diesen das wertvolle Adam zu zapfen. Noch immer versuchen die „Splicer" die Sammlerinnen zu jagen und noch immer werden diese von den schwerfälligen, monströsen „Big Daddys" beschützt. Was unterscheidet das Spiel also von seinem Vorgänger? Statt einem Fremden, der sich durch die Anlagen schießt, schlüpft der Spieler nun selbst in den Taucheranzug eines „Big Daddy". Dieser ist dank seinem Status als Prototyp allerdings flink und beweglich, kann also springen, sich ducken und sich schnell um die eigene Achse drehen. Noch dazu ist es nun möglich in der einen Hand eine Waffe zu halten (von der Schusswaffe bis zum obligatorischen Bohrer), während die andere eine der Plasmide koordiniert. Letztere müssen, ebenso wie die Waffen, gefunden werden und frieren, verbrennen oder schocken die Gegner des monströsen, überstarken Ungetüms.

Bis an die Zähne bewaffnet

Die gegnerischen Splicer versuchen Sie zu töten und warten hinter jeder Ecke. Beschützen Sie Ihre Little Sister!

Die Aufgabe, die den Spieler leitet ist dabei recht schnell klar: Die Little Sister - Ihre Little Sister, die vor zehn Jahren verloren ging - muss gefunden und beschützt werden. Dass es im Laufe der Handlung dabei leicht verwirrend und kompliziert zugeht, ist klar, war Teil 1 des Shooters doch auch nicht gerade simpel gestrickt. Der Spielablauf ist dafür umso simpler. Bis an die Zähne bewaffnet durchkämmt der Spieler das verfallene Rapture, schießt und schlägt Splicer, andere Big Daddys und die neuen Big Sisters über den Haufen, sammelt Munition, Lebensmittel (zur Gesundheitsregeneration) und Tonbänder (Geschichtliche Informationen) und trifft ab und zu auf Little Sister, die der Spieler beschützen muss, um an das kostbare Adam zu gelangen.

Damit die Verteidigung der Kleinen jedoch gelingt, werden Terminals gehackt, Minen gelegt und Selbstschussanlagen aufgestellt. Beginnt die Little Sister erst mit der Absaugung der Droge, so stürmen zahlreiche Gegner auf den Spieler zu und müssen erledigt werden. Geht Ihre eigene Gesundheit dabei zuneige, so flimmert kein „Game Over" über den Bildschirm, stattdessen erwachen Sie leicht angeschlagen an einer der Regenerationstanks und dürfen sich erneut auf die Suche nach „Ihrer" Little Sister machen. Durch dieses automatische Zurücksetzen schwindet die Angst vor Fehlentscheidungen schnell und so wirkt das Spiel auf Dauer zu leicht. Da bringt es auch nichts, dass Gesundheitserfrischungen und Munition oft Mangelware sind.

Spiel entwicklet eine enorme, wenn auch leicht bizarre Schönheit

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Da die herkömmlichen Little Sisters nicht lange bei Ihnen bleiben und oft am nächsten Lüftungsschacht wieder ihren eigenen Weg gehen möchten, werden Sie oftmals vor moralische Entscheidungen gestellt. Lieber die Little Sister töten und an eine große Menge Adam gelangen oder diese doch lieber ihres Weges gehen lassen und dafür nur ein wenig Adam, sowie eine kleine Belohnung, erhalten? Insbesondere, da sich das gewonnene Adam in zahlreiche Verbesserungen investieren lässt, sollte Ihre Entscheidung gut überlegt sein. Je nachdem wie Sie sich letztendlich entscheiden, erleben Sie die letzten Passagen des Spiels verschieden.

Trotz des Verfalls und dem monströsen Prototyp-Big Daddys entwickelt das Spiel eine enorme, wenn auch leicht bizarre Schönheit. Es sind die Details, die die Welt lebendig wirken lassen. Läuft der Spieler etwa durch herabfließendes Wasser, so verschwimmt die Sicht, als würde er wirklich durch eine Glaskuppel schauen und alle Geräusche wirken kurzzeitig gedämpft. Generell hält das Spiel ein hohes Niveau was Grafik und Sound angeht. Zwar stören ab und zu verwaschene Texturen, doch das hohe Maß an Details, Bildern und Werbeslogans des Unterwasser-Utopias täuscht schnell darüber hinweg. Ein professioneller Soundtrack rundet das Erlebnis ab.

Shooter mit Schwächen

Der Multiplayermodus ist mehr nette Zugabe und keinesfalls innovativ. Modi wie Deathmatch und "Erobere das Adam" locken oft nur ein müdes Gähnen hervor.

Neu hinzugekommen in Teil 2 ist der Mehrspielermodus. Dieser ist weder besonders innovativ, noch scheint er besonders nach Bioshock aussehen zu wollen, ist es doch mehr nette Zugabe, als eigenständiger Spielteil mit langanhaltendem Spielspaß. Gekämpft wird in klassischen Rapture-Umgebungen und in Standard-Modi wie Deathmatch, Team-Deathmatch oder dem etwas interessanteren „Erobere das Adam", bei dem der Spieler gewinnt, der die Little Sister drei Minuten am Stück festhalten kann. Nette Zugaben, wie Stufenaufstiege mit freischaltbaren Waffen, sowie Extrapunkten, für das Hacken von Geschützen bringen zudem ein wenig Abwechslung in die Gefechte.

Bioshock 2

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, Xbox360

Homepage

Schlussendlich ist „Bioshock 2" ein wirklich guter Shooter mit Schwächen. Revolutionäre Denkanstöße gibt es keine, die geschichtlichen Erklärungen waren in Teil 1 auch innovativer und für erfahrene Spieler kommt das Spiel zu Beginn zu langsam in Fahrt. Trotz aller Kritik ist das Unterwasserabenteuer also zu empfehlen.

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