Rückkehr in die Comic-Welt

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Vier Helden gegen allerlei böses Getier. Mit „Borderlands"haben Freunde des kooperativen Spiels definitiv ihre Freude. Alle anderen sollten sich den Kauf überlegen.

„Borderlands" sieht aus wie ein Comic. Die Figuren sind schwarz umrandet, die Farben wirken, als wären sie per Airbrush aufgetragen und die Schrift scheint einem Marvel-Heftchen entsprungen zu sein. Dennoch ist der Titel nicht allzu familientauglich. Von Jan Schmitt

Etwa vor einem Jahr erschien „Borderlands“ für den PC, die Playstation 3 und die Xbox 360. Das Spiel mit dem intensiven Comic-Look, der Möglichkeit mit bis zu drei Freunden das komplette Abenteuer zu meistern und der „Diablo“-ähnlichen Sammelsucht sorgte schon damals für Unterhaltung, krankte jedoch an einigen Kinderkrankheiten. Mit der „Game of the Year-Edition“ erschien nun eine Version, die alle bisher erschienenen Patches vereint und zusätzlich die kompletten vier Zusatzpakete mitliefert, die für weitere Stunden Spielspaß sorgen. Grund genug, noch einmal einen Blick auf den Titel zu werfen und überhaupt zu fragen: Was ist denn nun genau „Borderlands“?

Die meiste Zeit verbringt man damit unzählige Gegner zu erledigen. Diese reichen von anderen Menschen bis hin zu mutiertem Getier. Zu zweit macht die Ballerei aber eine Menge Spaß.

Zu Beginn des Spiels entscheidet sich der Spieler für einen von vier Charakteren. Nahkämpfer Brick sieht nicht nur so aus, als könne er mit Autos um sich schmeißen, der feine Herr aktiviert per Tastendruck auch einen Berserker-Modus, der ihn wie eine Dampflok zuschlagen lässt. Waffen lassen sich dann zwar nicht mehr bedienen, wirklich nötig hat er diese jedoch sowieso nicht. Lilith ist das komplette Gegenteil von Brick. Die agile Dame macht sich unsichtbar, schleicht und fällt ihren Feinden in den Rücken. Mordecai ist der Scharfschütze im Team und konzentriert sich auf das Ausspähen und Ausknipsen von Gegnern aus der Entfernung, während sein tierähnlicher Begleiter an die vorderste Front zieht. Vierter der Truppe ist Roland, der als klassischer Soldat mit Hand für Geschütztürme angesehen werden kann. Einen eigenen Charakter erstellen kann man nicht, die Rollen neu zuweisen ist ebenso nicht möglich. Hat der Spieler seinen Helden gewählt, so geht es nach Pandora, der Welt von „Borderlands“.

Die ab und zu auftretenden Fahrzeugpassagen sind gewöhnungsbedürftig. Allzu realistisch steuern sich die Wagen nämlich nicht.

Auf Pandora angekommen, gibt es jede Menge zu tun. Einen wichtigen roten Faden oder eine größere Handlung gibt es nicht, wer den Titel spielt, muss mit herkömmlichen Missionen auskommen. Die lassen sich jedoch in Hülle und Fülle finden und drehen sich in der Regel um das Abschießen von verschiedenen Gegnern. Je nach gewähltem Charakter und gewählter Spielweise unterscheiden sich die Gefechte dabei drastisch, zudem besitzt jeder Gegner besondere Schwachpunkte und eine Energieleiste. Trifft man andere Menschen am Kopf, so gilt der Schuss beispielsweise als kritisch und zieht mehr Schaden ab, als es ein Treffer ins Bein. Jeder erledigte Gegner und absolvierte Mission lässt Erfahrungspunkte springen, die in eigene Fertigkeiten investiert werden können. Pro Charakter stehen drei Laufbahnen zur Wahl, Alleskönner sind aber ebenso möglich wie tiefere Spezialisierungen. Lilith kann somit beispielsweise entweder Elementarschaden zufügen oder aus dem Verborgenen stärker zuschlagen. Je öfter man einen bestimmten Waffentyp benutzt, desto besser erlernt der Charakter den Umgang mit dieser und fügt so Bonusschaden zu.

Es kracht, es knallt, es sieht witzig aus. Durch den Comic-Look wirken selbst die schlimmsten Unfälle oder Attentate nicht sonderlich brutal.

Aufstiege in der Stufe bringen nicht nur die Möglichkeit die eigenen Fertigkeiten zu erweitern, sondern öffnen auch die Türen zu neuen Waffen. Ähnlich wie in „Diablo“ finden sich überall auf Pandora neue Schießeisen, die sich in verschiedenen Werten wie Stärke und Bonusschaden unterscheiden. Fast jede der Waffen hat dabei eine Stufenbeschränkung. Der stetige Sammelreiz in Kombination mit dem Willen, die neu gefundenen Waffen auszuprobieren, sorgt somit für stetig anhaltende Motivation. Ebenso unterhaltsam ist die Möglichkeit, mit Freunden zu spielen und die Missionen kooperativ anzugehen. Während Brick beispielsweise eine feindliche Stellung stürmt, sorgt Scharfschütze Mordecai für Rückendeckung. Leichter wird das Abenteuer zu zweit allerdings nicht, das Spiel rechnet das Können der Charaktere zusammen und bevölkert die Umgebung mit passenden Gegnern. Wer alleine spielt hat dennoch den Nachteil, dass die anderen drei Charaktere nicht von Computern ersetzt werden.

Borderlands

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, 360 Homepage

Was „Borderlands“ schadet, ist der Realismus. Die Umgebungen wirken langweilig, leblos, austauschbar. Zwar sorgt durchaus die eine oder andere Stelle für Abwechslung und Wiedererkennungswert, allerdings sind das die Ausnahmen. Monotonie macht sich breit. Waffen lassen sich zwar an jeder Ecke finden und auch die gelegentlichen Buggy-Fahrten amüsieren ein wenig; für die Dauer, die das Spiel eigentlich unterhalten könnte, ist das jedoch zu wenig.

Da ist das Potential für so viel mehr. Richtige Dialoge wie in Rollenspielen, Städte, die auch wirklich von Zivilisten bevölkert sind, Aufträge, die mehr bieten als ständiges Ballern und Gegner mit mehr Abwechslung in Aussehen und Verhalten. Besserung bringen erst die vier beiliegenden Addons, die mit einem riesigen Pott Humor, neuen Aufträgen, neuen Gegenständen, einer lebendigeren Welt, mehr Gegnern, mehr Spielzeit und höheren Levelgrenzen lockt. Besonders „The Zombie Island of Doctor Ned" und „The Secret Armory of General Knoxx" lassen die Fehler des Hauptspiels vergessen und zahlreiche neue Spielelemente einziehen. Für den Preis von etwa 30 Euro findet sich in der „Borderlands: Game of the Year Edition" jedenfalls genug Spielspaß für kalte Winterwochen. Wer über kleinere Mängel hinwegsehen kann, der greift zu.

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