Blutig wie ein Tarantino

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Das Gewalt nicht immer dunkel und abstoßend wirken muss, beweist EA mit „Bulletstorm“. Die Tötungen sind so überspitzt, dass die Skurilität jeden Schrecken nimmt. Die deutsche Version ist zudem stark beschnitten und kommt recht harmlos daher.

Gewalt in Videospielen ist eine Thematik, die schon oft ihren Weg in die Schlagzeilen fand. Zu brutal seien die Spiele, zu realistisch. „Bulletstorm“ reizt diese Thematik nun aus und präsentiert sich unrealistisch und überdreht. Von Jan Schmitt

So gut wie kein Kino-Blockbuster kommt noch ohne sie aus: Gewalt. In „Avatar“ ist es der Konflikt zwischen Menschen und Na'vi, in Mafiafilmen ist es meist die ewige Feindschaft zwischen Clans untereinander und den Gesetzeshütern, selbst in eigentlich relativ ruhigen Filmen wie „Collateral“ brechen plötzlich Schießereien aus. Gewalt ist überall und wird oft als grausam oder verstörend empfunden. Dennoch findet sie ihren Weg in die Kinos. Sie fasziniert, sie unterhält, sie bringt Spannung in das Medium Film. Besonders überspitzt dient sie gar als Stilmittel.

Grafisch macht der Titel eine Menge her. Ständig kracht, blitzt und donnert es irgendwo, ruhige Sequenzen fehlen fast völlig.

Hollywood Regisseur Quentin Tarantino ist einer, der dieses Stilmittel ganz bewusst, intensiv und häufig einsetzt. Seine Filme triefen oft von Blut, man erinnere sich an Schwertkampf-Szenen in „Kill Bill“ oder – noch früher – an diverse Szenen in „Pulp Fiction“. Unter anderem wegen diesem Stilmittel sind die Filme Tarantinos inzwischen Kult. „Bulletstorm“ versucht nun einen ähnlichen Weg zu gehen. Anstatt, wie herkömmlich, einen Shooter zu entwerfen, bei dem höchst realistisch die Feinde per Kugelhagel aus dem Weg geräumt werden, geht es hier so überzogen und brutal zur Sache, dass es absurd erscheint und als charakteristisches Merkmal des Titels gilt.

Kreativität wird belohnt

Eigentlich ist „Bulletstorm“ nämlich relativ simpel. Die Story ist zu vernachlässigen, ebenso wie ein Deckungssystem oder langsames vorgehen. Man fühlt sich fast an alte „Serious Sam“-Zeiten erinnert, wenn man durch die hübschen Levels wandert und die Feinde in Scharen auf einen zu rennen. Sie einfach mit Waffengewalt niederzustrecken, nachzuladen und weiterzuziehen, ist nun zwar möglich, bringt jedoch kaum Punkte. Punkte, die für neue Waffen oder Upgrades benötigt werden. So feuern Maschinengewehre nach einem Upgrade bis zu 100 Kugeln pro Schuss ab oder Scharfschützengeschosse werden im Flug nachjustiert.

Feinde kommen dem Spieler oft bedrohlich nahe. Zum Glück lässt sich der eigene Fuß als Waffe einsetzen und damit gegnerisches Kanonenfutter in allerlei spitzer Gegenstände treten.

Punkte erlangt man durch stilvolles, kreatives Beseitigen von Gegnern. Wer einen Gegner per Schuss auf naheliegende explosive Gegenstände erledigt, bekommt mehr, als bei normalen Torso-Treffern. Betäubt man den Gegner, zieht ihn mit der Energiepeitsche (eine Art Elektro-Lasso) zu sich, tritt ihn dann in die Luft und lässt ihn in einem Kaktus landen, so hagelt es deutlich mehr Punkte aufs Konto. Alle Level sind gespickt mit Möglichkeiten zur kreativen Beseitigung. Während in der deutschen Version sowohl Blut, als auch Splattereffekte und Ragdoll-Animationen (die physikalisch korrekte Verhaltensweise von Körpern) fehlen, geizt die internationale Version hier auch nicht mit der expliziten Darstellung von herumfliegenden Körperteilen oder Skeletten.

Bulletstorm

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, 360

Homepage

Gepaart mit einer äußerst wahnwitzigen Präsentation – von riesigen fleischfressenden Pflanzen bis hin zu Sauriern und Helikoptereinsätzen oder Zugfahrten – ergibt der hohe Anteil an eigentlich verwerflichen Darstellungen eine Menge Spaß. Die Areale sind weitläufig, die Animationen gut, der Kreativität kaum Grenzen gesetzt und der Spieler fühlt sich wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal im Leben im Sandkasten herum experimentiert. Die überzogene Gewalt ist es, die einem Tarantino zu Erfolgen verhilft – und die überspitzte Darstellung ist es auch hier, die „Bulletstorm“ zu einem Heidenspaß werden lässt.

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