Mit Krallen und Sprengstoff dem Schrecken entgegen

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Das neue Addon zum Online-Rollenspiel-Meilenstein ist da! Und mit ihm: Unterwasserwelten, Seepferdchen, alte Kulturen und vieles mehr.

Lange dauerte die Vorfreude, nun ist es endlich da. Das neue „World of Warcraft"-Zusatzpaket trägt den Namen „Cataclysm", krempelt die alte Welt um, macht neue Gebiete zugänglich und erlaubt es dem Spieler in die Haut zweier neuer Völker zu schlüpfen. Von Jan Schmitt

Am 11. Februar 2005 begann für das Genre der Onlinerollenspiele eine neue Ära. Mit dem Erscheinen von „World of Warcraft“ (kurz: „WoW“) rutschten die zeitintensiven Spiele ins Auge der Öffentlichkeit und erlebten einen Boom, wie ihn wohl selten ein Spiel zuvor auslöste. Nun, fast sechs Jahre später, hält sich „WoW“ noch immer tapfer an der Spitze des Genres und verweist Konkurrenten wie „Der Herr der Ringe Online" oder „Final Fantasy 14" in die Schranken. Spieler besiegten Elementarfürsten im Hauptspiel, zogen gegen Dämonenjäger und Titanen in „The Burning Crusade“ in den Krieg und gewannen die Oberhand gegen alte Götter und den Lichkönig in „Wrath of the Lich King“. Nun rückt erneut eine Bedrohung an und sorgt für weiteren Spielspaß: Todesschwinge.

Der Humor kommt wieder einmal nicht zu kurz. In einem Kellerverlies treffen wir Jack Bauden - ein Geheimagent, der dies für den längsten Tag seines Lebens hält: Eine Anspielung auf die US-Serie "24"

„Cataclysm“ ist der große Ausreißer unter den Addons zu „WoW“. Kamen beide bisherigen Packs bisher mit neuen Kontinenten, frischen Talenten und jeweils zehn neuen Stufen daher, so ändert sich dies mit dem neuesten Ableger. Statt zehn neuen Stufen gibt es nur fünf, statt einem neuen Kontinenten sind es ebenso nur fünf neue Areale und auch die Talentbäume wurden nicht erweitert, sondern - im Gegenteil - sogar eingeschränkt. Klingt alles ein wenig unspektakulär, wäre da nicht der Punkt, der das Zusatzpaket vor der Belanglosigkeit rettet: Die Umstrukturierung der kompletten alten Welt.

Erwachen in einer neuen Welt

Durch das Erwachen des ehemaligen Erdaspekts Neltharion wurde die Welt in Stücke gerissen. Der riesige Drache nennt sich fortan Todesschwinge, ist der Aspekt des Todes und überzieht das Land mit Verzweiflung, Feuer und Tod. Die Steppen des Brachlands wurden entzwei gerissen, das Küstenstädtchen Menethil geflutet, ganze Städte zerstört. Der Spieler steigt jedoch erst vier Jahre nach den bisherigen Ereignissen wieder in das Spiel ein und erlebt die Konsequenzen seines früheren Handelns. So brach der Frieden zwischen Allianz und Horde, Städte wurden übernommen oder niedergebrannt, verstärkt oder umgebaut. Ganze Wälder wurden gerodet und einige karge Landstriche erblüht durch die Veränderungen in sattem Grün.

Auch in der alten Welt haben sich die neuen Strukturen verbreitet. In der brennenden Steppe sabotieren wir beispielsweise einen Ork-Clan und bekommen das Ergebnis in Zwischensequenzen mitgeteilt.

All diese Veränderungen haben ihre Auswirkungen auf den Spieler. Tausende von Aufträgen wurden angepasst, herausgenommen oder eingefügt und machen das Spielerlebnis von Stufe 1 bis 60 zu einem komplett anderen. Bewegte man sich früher meist recht ziellos zwischen verschiedenen Auftragspunkten, so leiten einen die Auftraggeber inzwischen wie an einem Faden durch die ganzen Gebiete. Schade nur, dass das Aufsteigen so schnell geht, dass man nur einen winzigen Bruchteil der neuen Welt sieht, ehe man in die Scherbenwelt oder nach Nordend muss. Dennoch wirkt das Spielerlebnis flüssiger und die Geschichte wird besser präsentiert.

Zwei neue Völker und viel zu tun

Die Veränderungen der Welt bekommt jeder Spieler mit - egal, ob er sich das Zusatzpaket kauft oder nicht. Wer sich das Paket allerdings kauft, der kann fortan in der alten Welt mit seinen Flugreittieren reisen und die fünf neuen Gebiete erkunden. Egal, ob die Bedrohung durch den Schattenhammerkult auf dem Berg Hyjal, Unterwasserabenteuer (auf dem Rücken von Seepferdchen) in Vashj'ir, die große Questreihe um eine zerbrochene Weltensäule in Tiefenheim, Abenteuer mit Archäologe Harrison Jones in Uldum oder eher Hochzeitsfeiern im Schattenhochland - überall gibt es etwas zu tun. Mit der neuen Rasse der wolfsähnlichen Worgen (für die Allianz), sowie den bereits bekannten Goblins (für die Horde) lassen sich zudem die Südseeinseln von Kezan und die mittelalterlichen Straßen von Gilneas erkunden.

Die Aufträge sind abwechslungsreicher als im Hauptspiel. Besonders Uldum tut sich hervor. Hier befinden wir uns im Inneren eines Fusionskerns und sollen über wahnsinnig gewordene Gnome rollen.

Hat man schließlich die Höchststufe von 85 erreicht, so warten erneut normale Instanzen, heroische Instanzen und größere Schlachtzüge auf den Spieler. Hier wird sich - wie gewohnt - mit neuer Rüstung eingedeckt und die schwersten aller Herausforderungen angegangen. Der Schwierigkeitsgrad ist im Gegensatz zu „Wrath of the Lich King“ ein wenig gestiegen und sorgt für Herausforderung, so dass die beliebte Taktik „Zusammenziehen und wegbomben“ nicht mehr funktioniert. Wer keinen Gefallen an Kämpfen gegen den Computer hat, der betritt erneut die Arenen, das neue PvP-Areal oder die zwei neuen Schlachtfelder.

World of Warcraft: Cataclysm Ab 12 Jahren Erhältlich für: PC

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Betrachtet man das Gesamtkonzept, so ist „Cataclysm“ wohl das größte aller „WoW“-Addons. Insbesondere das hochzüchten von neuen Recken macht einen Heidenspaß und wird nur von den bisherigen beiden Addon-Gebieten ein wenig gebremst. Wer allerdings die Höchststufe erreicht hat, der hat kaum noch etwas zu tun. Zwar lässt sich der neue Nebenberuf Archäologie erlernen (der humorvolle Gegenstände finden lässt), allerdings unterhält dies nicht auf Dauer. Ein wenig mehr Abwechslung abseits der wenigen heroischen Instanzen und der drei Schlachtzüge wäre hier gut gewesen.

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