Anders ist nicht immer besser

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Endlich ist es wieder soweit: Mit Teil 4 der Tiberiumserie können sich die Spieler wieder in Echtzeitstrategieschlachten stürzen. Doch ist das Spiel überhaupt noch ein C&C?

„Machen Sie sich bereit für das epische Finale der Tiberiumsaga“, so der Klappentext des neuesten „Command and Conquer“. Hört sich ja nicht schlecht an. Doch episch ist es ganz und gar nicht und als alteingesessener Spieler stellt man sich schnell die Frage, ob das Spiel noch zurecht den Namen der Strategieserie trägt, die jahrelang für Begeisterung sorgte. Von Jan Schmitt

Jahrelang regten sich Spieler in aller Welt auf, dass die „Command & Conquer“-Reihe zu wenige Neuerungen böte. Tiberium-Sammler mit Wegfindungsproblemen, der klassische Basenbau und das Ressourcenmanagment gehörten ebenso zu „C&C“ wie Echtzeitkämpfe in der „Total War"-Serie. Mit „Command and Conquer: Generäle“ wagte man schon einmal einen Vorstoß in andere Richtungen. Statt den klassischen Parteien NOD und GDI standen sich drei Fraktionen gegenüber, die sehr an China, USA und Taliban erinnerten. Doch die Änderungen wurden nur von einem Teil der Serienveteranen positiv aufgenommen und so entschloss man sich, wieder zum alten Konzept zurückzukehren.

Egal ob auf kargen Wüstenplaneten oder im Schnee: Die Karten sind zwar abwechslungsreich aber recht detailarm.

Mit Teil 4 wagt Publisher EA nun den Sprung in die Moderne und schießt damit alle Traditionen in den Wind. Zwar bekriegen sich immer noch NOD und GDI und auch die leicht trashigen Videosequenzen mit echten Schauspielern sind wieder dabei, andere Faktoren entfallen jedoch komplett. Tiberium wird nicht mehr gesammelt, einen Basenbau gibt es auch nicht mehr und die Sammler mit den Wegfindungsproblemen haben auch - oder immerhin - den Weg aus dem Spiel gefunden. Spieler, die keinen Internetzugang besitzen, werden zudem durch die Pflicht einer permanenten Onlineverbindung abgeschreckt - sowohl im Einzel- als auch im Mehrspielerteil. Dafür sammelt jeder Spieler in jeder Partie Erfahrungspunkte, die zu insgesamt 20 Stufenaufstiegen pro Fraktion führen und neue Einheiten freischalten.

Geschwindigkeit und Einheitenlimit

Generell lässt sich sagen, dass das Spiel schlichtweg schneller und simpler geworden ist. Statt auf Ressourcen achten zu müssen, muss der Spieler sich nur entscheiden, ob er lieber wenige starke oder viele schwache Einheiten besitzen möchte. Bis zu 50 Einheitenpunkte lassen sich ausnutzen, ein schwerer Panzer kostet beispielsweise zehn, Bodentruppen dafür nur drei. Nur wer eine gelungene Einheitenmischung in die Schlacht führt, ist gegen alles gewappnet und braucht sich keine größeren Sorgen um das Schere-Stein-Papier-Prinzip zu machen. Geordert werden die Einheiten beim Crawler, einer Art mobiler Basis, die über die Karten stapft und dabei fleißig neue Einheiten ausspuckt. Wird der eigene Crawler zerstört, gibt es kostenlos einen neuen.

Der Basenbau entfällt nun komplett. Ein Crawler (unten links im Bild) sorgt für andauernden Einheitennachschub.

Um mehr Taktik in die Gefechte zu bringen, wurden schließlich drei Klassen eingeführt. Zu Beginn jeder Runde wählt der Spieler aus, ob er lieber offensiv, defensiv oder als Unterstützer spielen möchte. Sorgt der offensive Spieltyp für besonders starke Panzer, so pflanzt der Verteidiger Abwehrtürme in den Boden. Unterstützer sind für Lufteinheiten zuständig. Extras wie Einheiten, die sich in die Erde graben (offensiv), eine Superwaffe (defensiv) oder Demoralisierung des Gegners (Unterstützung) sorgen für ein wenig Abwechslung. Wer will, kann aber auch im laufenden Gefecht einen neuen Crawler einer anderen Klasse anfordern.

Ziel jeder Schlacht ist das Erobern und Halten von Kontrollpunkten. Je mehr davon der Spieler in Besitz nimmt, desto schneller rückt der Sieg in Reichweite. Dadurch, dass der Verlust einer Einheit sich innerhalb von 10 bis 20 Sekunden ausgleichen lässt - dem mobilen Crawler sei Dank - und der Tatsache, dass die Gefechte sich nur durch Kontereinheiten entscheiden lassen, geht recht schnell ein strategischer Anspruch flöten. Wer möchte, der kann, neben den herkömmlichen Mehrspielergefechten, die Kampagne im Koop-Modus spielen. Über die unscharfen Texturen, die tristen Landschaften und den zu geringen Kameraabstand kann man dennoch kaum hinwegblicken.

Command and Conquer 4 - Tiberian Twilight

Ab 16 Jahren

Erhältlich für: PC Homepage

Was schlussendlich bleibt, ist ein annehmbares Strategiespiel für kurze, actionreiche Runden in der Mittagspause. Die Kampagne mit den recht billigen Filmschnippseln sorgt zudem für den einen oder anderen Lacher. Fans der C&C-Reihe sollten sich den Kauf überlegen, zu viele Neuerungen können ein Spiel eben auch verunstalten.

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