Von der Steinzeit bis in die Zukunft - Civilization V

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Egal ob auf See oder auf Land: Civilization 5 lässt Strategenherzen höher schlagen. Die Mischung aus Wirtschaft, Militär, Diplomatie und Erkundung entfesselt ein wahres Suchtpotential.

Betrachtet man die durchschnittliche Spielzeit eines modernen Titels, so sind die Zahlen ernüchternd. Viele Titel kommen selten über den einstelligen Stunden-Bereich heraus. In „Civilization V“ ist das anders - hier dauert eine einzige Partie auch gerne mal 24 Stunden. Von Jan Schmitt

Rundenstrategie hat den Ruf extrem langweilig zu sein. Anstatt in Echtzeit seine Kultur zum Erfolg zu führen und seine Truppen hektisch über die Karten zu schicken, wählt man in aller Ruhe seine Aktionen und drückt am Ende seiner Taten auf „Nächste Runde". Stress? Nein. Zeitdruck? Nein. Spielerisches Können durch schnelle Reaktionszeiten? Nein. Langsam und seicht plätschern die Runden über Stunden vor sich hin. Erst, wenn es draußen plötzlich wieder hell wird und der morgendliche Wecker zu piepsen anfängt, fragt man sich, warum man dann dennoch die ganze Nacht vor dem Rechner saß.

Nur noch eine Runde

Mit Panzern und Infantrie kämpfen wir hier an der Grenze unseres Landes. Die KI greift selten von selbst an - wer sich durch seine Taten keine Feinde macht, hat kaum etwas zu befürchten.

Die Antwort ist ebenso simpel wie paradox: Weil das langsame Spielgeschehen mit seinen voraussehbaren Erfolgen ein stetiges Erfolgserlebnis verspricht und suchtähnliche Gedankengänge auslöst. Nur noch eine Runde, bis die neuen Truppen ausgebildet sind, nur noch drei Runden bis zur Entdeckung der Elektrizität, nur noch zehn Runden bis unsere High-Tech-Armee die zurückgebliebenen Griechen mit ihren antiken Hopliten von der Karte fegen kann. Je länger das Spiel andauert, desto mehr Erfolgserlebnisse kommen auf den Spieler zu. Mit der Ausdehnung der eigenen Grenzen, der Expansion in andere Gefilde, dem Bau neuer Städte kommen immer schneller kulturelle, wirtschaftliche oder wissenschaftliche Errungenschaften zu Tage.

Klicken wir auf eine Stadt, so zeigt das Spiel automatisch nahe gelegene Felder und vereinfacht somit die Planung. Auch lassen sich hier neue Produktionen in Auftrag geben.

Dabei besitzt das Spiel nicht einmal eine Kampagne oder einen Story-Modus. Die Geschichte schreibt der Spieler selbst. Eine Geschichte, von einem Volk, das es vom steinzeitlichen Stamm bis zur Raumfahrtnation bringt. Eine Geschichte über ein Volk, das beispielsweise seit Jahrhunderten mit der Nachbarnation um Ölquellen streitet oder ein Wettrüsten veranstaltet. Die Geschichte einer Forschernation, die als Erste die Luftfahrt entwickelt oder eine Nation der Kultur, die mit zahlreichen berühmten Persönlichkeiten, Künstler wie Generäle, Vorteile erlangt und Politikbäume wie Autokratie, Freiheit, Ehre oder Patriotismus einführt. Es liegt am Spieler, seinen Weg zu gehen - Vorgaben gibt es nicht und aus mehr besteht „Civilization V“ auch nicht.

Suche nach neuer Heimat

Zu Beginn einer Partie wählt der Spieler sein Volk (von China über Amerika, Japan, Deutschland, Frankreich bis hin zum Irokesenstaat), sowie das Startzeitalter, die Kartengröße und -art und eventuelle Einschränkungen, Boni oder Schwierigkeitsgrade. Die Optionen sind vielfältig. Hat man alles ausgewählt, so beginnt die Partie. Mit einer Einheit Siedlern, sowie einer Einheit Kriegern muss ein geeigneter Platz für die Hauptstadt gefunden werden. Also zieht man, unter Berücksichtigung der maximalen Bewegungspunkte, über die Karte und lässt die Siedler per Knopfdruck die erste Stadt errichten. Schon die Wahl des Standortes ist elementar wichtig, denn in den anliegenden Hexfeldern sollten sich möglichst viele Luxus-Waren, Steinbrüche und Jagdgebiete befinden.

Pfeile symbolisieren das gewünschte Angriffsziel. Wer sich verklickt, läuft zum Gegner und verschwendet wertvolle Bewegungspunkte.

Je besser die umliegenden Felder, desto schneller wächst ihre Stadt. Minen sorgen für einen erhöhten Produktionswert, der beispielsweise neue Gebäude oder Einheiten schneller erschaffen lässt; Bauernhöfe, Jagdlager oder Fischvorkommen für Nahrung, die für das Stadtwachstum elementar ist und Luxusgüter für eine erhöhte Zufriedenheit der Bevölkerung und als Handelsware mit anderen Nationen. Dadurch, dass die Produktion in einer Stadt auf ein Ziel fokussiert werden muss, lässt sich nur eine Einheit oder ein Gebäude gleichzeitig erschließen. Nur wer rechtzeitig neue Städte gründet, hat die Möglichkeit, parallel zu produzieren. Alternativ lässt sich auch Gold investieren um die Einheiten/Gebäude einfach zu kaufen oder die Grenzen zu erweitern.

Die Grafik, sowie die Soundeffekte, sind auf gutem Niveau, erringen jedoch für sich alleine keine Preise. Durch die Hex-Felder wirken die Landschaften zudem realistischer als im Vorgänger.

Forschung und Kultur lassen sich dagegen nur durch spezielle Gebäude steigern. Dann fließt pro Runde ein gewisser Wert auf das eigene Konto und erlaubt Auswahlmöglichkeiten in Bezug einführbarer Politiken oder Forschungsschwerpunkte. Sorgen erstere nur für Boni, so bringt die Forschung die Zivilisation wirklich voran. Wer sich intelligent den verzweigten Technologiebaum hocharbeitet, erhält so schnellstmöglich eine florierende Wirtschaft oder eine starke, fortschrittliche Armee. Diese lässt sich übrigens - anders als im Konkurrenten „Empire: Total War“ - nicht im Kampf steuern. Stattdessen werden eigene Einheiten einfach auf den Gegner geschickt. Ein recht zuverlässiger Tendenz-Balken zeigt den Ausgang der Schlacht samt Boni und überbleibenden Truppen an.

Handel oder Militär

Auftürmen lassen sich die Einheiten jedoch nicht mehr. Wird beispielsweise eine feindliche Stadt belagert, so müssen die eigenen Truppen gezielt auf unterschiedlichen Feldern rund um die Stadt platziert werden. Wer seine Fernkämpfer in die erste Reihe stellt, riskiert sie durch feindlichen Beschuss zu verlieren. Jeder gewonnene Kampf garantiert Erfahrung, die zu Stufenaufstiegen führen, die wiederum Sicht-, Bewegungs oder Kampfboni garantieren. Wer es nicht ganz so militärisch mag, konzentriert sich dagegen auf den Handel mit anderen Nationen - dieser läuft per kurzem Gespräch mit dem Oberhaupt der Nation ab und bietet zudem Möglichkeiten auf Bündnisse, Geheimpakte und Kriegserklärungen gegen Dritte.

Civilization V

Erhältlich für: PC

Ab 12 Jahren

Homepage

Trotz einem eher langsamen Einstieg, einer ungeheuren Komplexität und Unübersichtlichkeit im späteren Spielverlauf, ist „Civilization V“ ein Höhepunkt der Strategie und wohl das beste Rundenstrategiespiel seit Jahren. Kurze Runden mit zwei Spielern lassen sich ebenso absolvieren, wie stundenlange, diplomatie- und militärträchtige Runden auf der realen Weltkarte mit eigenen Stadtstaaten. Wer wenigstens ein wenig Spaß an Strategietiteln wie der „Total War“-Reihe hat, schlägt zu, nimmt Urlaub und führt die Nation Siam zur Weltherrschaft.

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