Alt und doch neugeboren

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Der Mann, der das Schleichspiel revolutionierte ist wieder da. Nun sucht der ergraute Sam Fisher nach der Wahrheit.

Er ist ein Mann, der als Spion weltweit im Einsatz war und zahlreiche globale Bedrohung abgewendet hat. Ein Mann, der verzweifelte, als seine Tochter bei einem Unfall ums Leben kam. Ein Mann, der viele Veränderungen durchmachte und selten jemandem trauen konnte. Mit „Splinter Cell: Conviction“ feiert der alternde Sam Fisher nun ein grandioses Comeback. Von Jan Schmitt

Bisherige Teile der „Splinter Cell“-Reihe drehten sich hauptsächlich um Schleicheinsätze, Hightech-Schnickschnack und dem taktischen Einsatz von Munition mit Lichtquellen oder - im Notfall - auch Gegnern. „Conviction“ bricht nun mit dieser Tradition und liefert einen Sam Fisher der Extraklasse. Zwar sorgt die Glasfaserkabelkamera noch immer für sicheres betreten von Räumen und im Schatten fühlt sich der Spion auch am wohlsten, doch fallen große Anteile des Spielkonzepts weg.

Bei den brutalen Verhören wird die Umgebung ins Spielgeschehen integriert. Dabei gehen schon einmal Spiegel, Waschbetten oder Klaviere zu Bruch.

Die größten Veränderungen merkt man schon in den ersten Minuten, der insgesamt etwa sechs bis zehn Stunden langen Story. Wenn Papa Sam in Rückblenden seiner Tochter Sarah beibringt, dass sie sich nicht vor der Dunkelheit ängstigen braucht, da diese sie gerade vor Monstern und bösen Männern schützt, dann wird einem der grauhaarige, leicht an George Clooney erinnernde Typ mit dem Drei-Tage-Bart schnell sympathisch. Das verstärkt sich noch, als ungebetene Gäste die Idylle stören und der Spieler - als Tutorial - die Einbrecher aufhalten muss. Flinker und agiler als je zuvor bewegt sich der Mann durch die Schatten und eliminiert in Sekundenschnelle die Bedrohung. Diese Dramatik, diese Sympathien für den Hauptcharakter versuchten die bisherigen Serienteile immer zu vermitteln, schafften es jedoch nie.

Waffen lassen sich mit gewonnener Erfahrung aufrüsten und somit beispielsweise die Munition pro Magazin erhöhen.

Doch zurück in die Gegenwart. Sarah kam bei einem Autounfall ums Leben, Sam hat die streng geheime Organisation „National Security Agency“ verlassen und arbeitet nicht mehr für dessen Splittergruppe, das so genannte „Third Echelon“. Stattdessen sitzt er gerade in Malta, als ein Kellner ihm ein Handy bringt, dass auch sofort zu klingeln beginnt. Seine alte Koordinatorin Grim ist dran und rät Sam sich in Sicherheit zu bringen - ganz beiläufig gibt es wohl auch neue Informationen über den Tod Sarahs. Grund genug um sich wieder ins Abenteuer zu stürzen und die Spielergemeinschaft mit einem neuen Spiel zu beglücken. Wofür braucht Grim die Dienste des Spions? Und was für neue Informationen gibt es über Sarahs Unfall oder ihren Mörder? Oder ist sie eventuell gar nicht tot? „Splinter Cell: Conviction“ versteht es den Spieler bis ans Ende mit einer durchweg dramatischen Story vor den Monitor zu fesseln.

Schleichen in Schwarz-Weiß

Führten Ladesequenzen in den bisherigen „Splinter Cell“-Teilen noch von Level zu Level, so entfallen sie in „Conviction" komplett. Ebenso störende Balken als Anzeige dafür, ob Sam sichtbar oder im Schatten verborgen ist. Selbst eine Anzeige der Lebensenergie fehlt. Geladen werden die Gebiete nun im Hintergrund, während Zwischensequenzen die Geschichte vorantreiben. Das „Stealth-o-Meter“ wich einem deutlich effektiverem Farbstich. Ähnlich wie in „Chronicles of Riddick“ verfärbt sich der Bildschirm nun Schwarz-Weiß, sollte Sam beinahe unsichtbar sein. Farbe kehrt erst wieder auf den Bildschirm zurück, sollte er sich in direkten Lichteinfall begeben. Die Sache mit den Lebenspunkten wurde schlussendlich so gelöst, wie es bei Shootern inzwischen Standard ist: Unter Beschuss färbt sich der Bildschirm, um sich zu regenerieren benötigt es nur einige Sekunden in Deckung.

Missionsziele oder Emotionen werden nun in die Umgebung integriert. Hier verrät uns die Einblendung auf dem Vorsprung, dass wir jemanden verfolgen sollen.

Um den Spielfluss nicht zu verlangsamen, werden Missionsziele nun auf Häuserwänden oder anderen Objekten geworfen. Lästige Blicke auf einen extra Bildschirm entfallen und selbst in brenzligen Situationen wird schnell klar, was vom Spieler erwartet wird. Das könnte Genre-Standard werden. Apropos Spielfluss: Wer ein langsames, bleiarmes Schleichspiel erwartet, der wird enttäuscht sein. Zwar gibt es auch eine Mission, in der wir nicht bemerkt werden dürfen, allerdings ist das Spieltempo grundsätzlich höher und die Luft bleihaltiger. Während einer Rückblende in Sams Vergangenheit steuern wir gar einen seiner alten Kameraden und ballern uns die Seele aus dem Leib.

Auch die letzten Spielstunden bleiben actionreich, denn schwer bewaffnete Gegner mit Taschenlampen und Knicklichtern sorgen dafür, dass ein herkömmliches vorbeischleichen schlichtweg nicht möglich ist. Also greifen wir auf das große Waffenarsenal zurück. Neben sechs verschiedenen Pistolen warten hier Schrotflinten, Maschinenpistolen und Gewehre auf uns. Ebenso Splitter- wie EMP-Granaten. Noch dazu lassen sich die Schießprügel und Gadgets aufrüsten und somit beispielsweise genauer machen.

Im Schatten färbt sich der Bildschirm schwarz/weiß. Dadurch ist schnell offensichtlich, dass Sam nicht mehr zu sehen ist.

Dennoch ist es sinnvoll sich bedeckt zu halten und taktisch vorzugehen. Ein Deckungssystem sorgt dafür, dass Sam von Deckung zu Deckung huscht und werden wir doch einmal entdeckt, so markiert eine weiße Silhouette die Position, an der uns die Gegner vermuten. Dadurch lassen sich Feinde prima umgehen und beispielsweise im Nahkampf ausschalten. Eine Nahkampf-Eliminierung schaltet dann auch direkt die nächste Neuerung frei: Das „Markieren-und-Ausschalten“.

Per Tastendruck lassen sich bis zu vier Gegner, Lampen oder sonstige wichtigen Punkte markieren und mit einem weiteren Klick in einer einzigen, flüssigen Bewegung ausschalten. Auch ein mobiler EMP-Generator oder der Einsatz der Haftkamera, die Gegner anlockt und dann explodiert sorgt für Stimmung.

Splinter Cell Conviction

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, Xbox360 Homepage

Trotz - oder gerade wegen - den recht brutalen Szenen ist die Inszenierung von Ubisofts neustem Titel rundum gelungen. Wie eine Raubkatze taucht Sam immer wieder auf, schlägt zu und verschwindet im Schatten, nur um kurz darauf an einem anderen Ort aufzutauchen und das Katz-und-Maus-Spiel fortzuführen. Wer dabei die Katze und wer die Maus ist, dass ist dabei nicht ganz klar, Sams Aktionen bleiben jedoch nachvollziehbar. Durch die altbekannten Sprecher, sowie der tollen Grafik wirkt das Abenteuer zudem ziemlich real, kostet jedoch eine Menge Rechenleistung. Ist die Kampagne durchgespielt, so warten zudem noch einige Nebenmissionen, sowie ein recht umfangreicher Mehrspielerpart samt Coop-Missionen auf den Spieler.

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