Grafisch spektakulärer Ausflug ins zerstörte Manhattan

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Es sieht fantastisch aus, es ist abwechslungsreich und es kommt aus Frankfurt. Was sollte „Crysis 2“ da noch aufhalten?

Aus der Frankfurter Spieleschmiede „Crytek“ dröhnen die Schussgeräusche. Bereits zum dritten Mal bringen die Entwickler mit dem Faible für tolle Grafik einen Shooter auf den Markt. Doch steht „Made in Germany“ bei Spielen überhaupt für gute Qualität? Von Jan Schmitt

Die deutsche Spieleindustrie wird im Ausland oft belächelt. Deutsche Spiele kommen selten gut an, sind oft auf den (im Ausland unpopulären) PC zugeschnitten und zu komplex, um dem Massenmarkt zu entsprechen. Mit dem Erscheinen von „Far Cry“ im Jahre 2004 änderte sich das. Grafisch war das Spiel spektakulär, der Dschungel erschien in einer nie dagewesenen Pracht und selbst das Wasser machte etwas her. 2007 erschien dann „Crysis“, der Ego-Shooter, der weltweit Preise gewann und insbesondere durch seine hohen Hardwareanforderungen von sich reden machte. Erneut war es jedoch die Grafik, die den Titel hervorhob und bis ins Jahr 2011 Maßstäbe setzte.

Die Aussicht über das zerstörte Manhatten ist fantastisch. Ständig passiert zudem irgendwo etwas.

Nun erschien „Crysis 2“, erneut ein Shooter und wieder ein Spiel, das die Messlatte um einige Sprünge nach oben schiebt. Während der Titel auf dem PC erneut nach neuer Hardware giert und das volle Spektakel somit nur mit Geräten im oberen Preissegment genießbar ist, blicken die Konsolen neidisch hinterher und müssen mit einer deutlich abgespeckten Version vorlieb nehmen. Doch was kann das Spiel der Entwickler aus Frankfurt? Was steckt hinter der Hochglanzfassade, die die ganze Branche in Aufruhr versetzt?

Die Story

Die Geschichte befindet sich auf B-Movie-Niveau. Wie im Vorgänger wird die Erde von den außerirdischen Ceph angegriffen und beinahe überrannt. Nach Korea, auf Inseln oder in den Dschungel geht es dieses Mal jedoch nicht, stattdessen spielt sich das komplette Spiel im zerstörten Manhattan ab. In der Rolle des Soldaten Alcatraz erlebt der Spieler mit, wie ihm das U-Boot unter dem Füßen weggeschossen wird und man sich nur mit Mühe und Not retten kann. Nach einem kurzen, unfreiwilligen Nickerchen, spricht man mit einem Mann namens Prophet, der selbst mit dem Virus der Ceph befallen ist, sich deswegen tötet und dem Spieler den High-Tech-Nano-Suit überlässt.

Der schwarz-silberne Anzug ist es dann auch, der Alcatraz schnell Ärger macht. Neben der Alien-Bedrohung sind ihm nämlich nun auch noch Soldaten auf den Fersen. Praktisch, dass der neue Nano-Suit über mehrere übermenschliche Fertigkeiten verfügt und das ganze Spiel über für Abwechslung und Unterhaltung sorgt.

Die Fertigkeiten

Während wir beispielsweise über eine Autobahn laufen, bricht ein Erdbeben los und der weitere Weg sackt mehrere Meter in die Tiefe.

Oft kommt es vor, dass man in den schön gestalteten, oft größeren Gebieten einer ganzen Horde von Gegnern gegenübersteht – ab und an helfen zwar computergesteuerte Soldaten, wirklich effektiv sind diese jedoch nicht. Die Kombination aus Fertigkeiten und Einsatz des Levels erlaubt nun einen ganz eigenen Spielstil. So ist es beispielsweise möglich, die Energie des Anzugs zu nutzen um immer wieder kurze Distanzen fast komplett unsichtbar zurückzulegen. Dadurch lassen sich Gegner unbemerkt im Nahkampf ausschalten. Zusätzlich gibt es oft auch eine Route (Kanalisation, U-Bahn-Gänge o.Ä.) die den schleichenden Weg unterstützt.

Wer lieber die zahlreichen Waffen einsetzt, der aktiviert einfach den Panzermodus, hält somit eine Menge mehr Kugeln und Explosionen aus und hält drauf. Die Intelligenz der Widersacher ist zwar ab und an fraglich, ganze Gruppen können jedoch so schnell zur Herausforderung werden. Wer nicht aufpasst, wird heimlich flankiert oder darf sich mit Granaten herumschlagen. Unterstützend wirkt hier die Möglichkeit, Gegner und wichtige Objekte im Vorfeld zu markieren und somit durch Wände zu sehen, wo sich die feindlichen Truppen oder begehrte Waffen aufhalten.

Variabel vorgehende Spieler nutzen die Anzugsenergie, um die Umgebung möglichst kreativ zu nutzen - da wird auf hohe Stellen geklettert oder gesprungen, Autos in Richtung Feind getreten, schwere Gegenstände geworfen, gesprintet oder von oben per Druckwellen-Angriff ganze Gruppen ausgeschaltet. Die Möglichkeiten sind vielfältig – ein Grund, warum „Crysis 2“ auch beim wiederholten Durchspielen durchaus Spaß machen kann.

Das Aufrüsten

Wer sich genau umschaut und alles durchforstet, stößt nicht nur auf zahlreiche kleine Geheimnisse und alternative Lösungswege, er findet auch Extra-Waffen oder Munition. Wer möchte, kann sich seinen Kämpfer so individuell aufrüsten, Schalldämpfer einsetzen, spezielle Munition verwenden und Boni wie das Anzeigen von Geschossflugbahnen integrieren. Besonders letzteres kann seinen Vorteil haben, wenn die kleine Karte zwar anzeigt, wo in etwa sich der Gegner befindet, man jedoch nicht weiß, in welcher Höhenlage.

Durch die Wucht des zusammenfallenden Highways wird Staub aufgewirbelt und wir können uns nur noch mit der Nano-Vision zurechtfinden. Praktisch, dass die Gegner dagegen nichts sehen.

Der große Multiplayerpart gehört dagegen fast schon zum Standard des Genres. Durch erfolgreiche Abschüsse und Siege erhält der Spieler Punkte, steigt in der Stufe auf und kann fortan auch hier seinen Charakter weiter ausbauen und sich beispielsweise Panzerungsupdates zulegen. Weiterhin lässt jeder besiegte Gegner eine Erkennungsmarke fallen, die, wird sie aufgenommen, dafür sorgt, dass Überwachungsdrohnen oder Luftschläge eingesetzt werden können.

Crysis 2

Ab 18 Jahren Erhältlich für: PC, PS3, 360

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Wer also einen leistungsstarken Rechner hat, etwas mit Shootern anfangen kann und durchaus auch auf mehrere Möglichkeiten abseits des stupiden Schießens steht, der ist hier richtig. Käufer der Konsolenversionen müssen jedoch damit rechnen, dass bei der Grafik Abstriche gemacht wurden und die Mehrspielerpartien auf zwölf (beim PC: 16) Spieler beschränkt sind.

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