Wenn alle Stricke reißen...

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Egal ob direkt im All oder in der Raumstation - „Dead Space 2“ bietet Unterhaltung für Erwachsene Spieler.

Eine Weltraumstation, ein mysteriöser Vorfall, Mutanten, die durch die Gänge schlurfen und nur eine Handvoll Überlebende, die sich mit Waffengewalt gegen die übermächtige Bedrohung stellen? Klingt nach einem der „Alien“-Filme, ist aber „Dead Space 2“. Von Jan Schmitt

Isaac Clarke hat wahrlich kein schönes Leben. Als Mechaniker verbrachte er ein paar Jahre auf der USG Ishimura, einem Abbauraumschiff irgendwo im All. Doch wie das in Sci-Fi-Szenarien so ist, brach irgendwann die Hölle los und plötzlich war man nicht mehr ganz so alleine. Die Lichter fielen aus, das Raumschiff war nicht mehr funktionstüchtig und in den Schatten tummelte sich plötzlich allerlei menschenfeindliches Mutantenzeugs. Also schnappte sich der tapfere Mechaniker seinen Plasma-Cutter und suchte nach Überlebenden - und einem Ausweg. Etwa fünfzehn Spielstunden später war Isaac dann in Sicherheit - und der Spieler um einige Herzinfarkt verdächtige Situationen älter.

Die Charaktermodelle könnten schöner sein. Von vorne sieht man Herrn Clarke aber sowieso kaum - und im Schein der Taschenlampe sieht alles feindlich aus.

Und die Ereignisse aus „Dead Space“ haben ihre Wirkung hinterlassen. Isaac, der im ganzen Spiel kein einziges Wort redete, scheint psychische Probleme entwickelt zu haben. Wie praktisch, dass er da, gekleidet in hübscher Zwangsjacke, direkt auf der nächsten Raumstation erwacht und die Situation erneut hoffnungslos scheint. Drei Jahre ist es her, dass Isaac von der USG Ishimura entkam. Drei Jahre ohne Mutanten, ohne stetige Lebensbedrohung. Aber nun, gefesselt in eine Zwangsjacke, umgeben von feindlichen Kreaturen - ja, Isaac Clarke hat kein schönes Leben.

Packende Momente in Serie

Doch Isaac wäre nicht Mechaniker, wäre er nicht handwerklich begabt. Also flüchtet er die erste Spielstunde durch die Gänge der Raumstation, befreit sich aus seinem kleinen Gefängnis und greift erneut zum Plasma-Cutter. Doch es scheint sich alles zu wiederholen. Erneut herrscht in der gesamten Raumstation eine angespannte, gruselige Atmosphäre, erneut springen immer wieder feindliche Kreaturen aus allen Richtungen heran, erneut spielen die Entwickler mit den Erwartungen des Spielers und erschrecken ihn noch stärker. Besonders zu Beginn werden alle Register gezogen, später nutzt sich der Schreckmoment ein wenig ab. Im Laufe der kommenden zehn bis fünfzehn Stunden langweilt man sich jedoch nie.

Zwischen Action und Gruselstimmung

Mit allerlei Waffengewalt rückt Isaac Clarke gegen die Mutanten vor. Dabei ist er zu Beginn noch komplett unbewaffnet.

Bewaffnet mit Plasma-Cutter und einigen anderen Waffen zieht Isaac also wieder in den Kampf, zerteilt Monstrositäten und Mutanten, redet (diesmal wirklich) mit Überlebenden und rüstet sich in den Shops immer weiter auf. Dabei wandelt das Spiel - mit Ausnahme des letzten Abschnitts - immer auf dem schmalen Pfad zwischen Action und Gruselstimmung. Ein Gefühl der Bedrängung kommt des Öfteren auf, die Angst, dass die eigenen Munitionsreserven schwinden (wie in vergleichbaren Titeln) ist jedoch selten gegeben. Viel subtiler, viel atmosphärischer zieht sich die Spannung über die Sprawl-Raumstation. Der perfekt abgemischte Soundtrack - gepaart mit den klasse Effekten und der doch sehr großen Abwechslung - sorgt dafür, dass „Dead Space 2“ mehr ist, als nur eine Wiederholung des Vorgängers.

Nicht selten tauchen die Gegner aus dem Schatten auf. Hektische Nahkämpfe sind die Folge.

Von der Masse an Shootern hebt sich das Spiel allerdings auch durch die speziellen Fähigkeiten des Mechanikers ab. Mit der Stase lassen sich sowohl Gegenstände und Aktionen, als auch feindliche Kreaturen für einen Augenblick verlangsamen. Dies hilft bei Kämpfen ebenso wie bei den leichten Rätseln, die es immer mal wieder zu bewältigen gilt. Die Kinese sorgt zudem dafür, dass Isaac auch aus der Entfernung Gegenstände schweben lassen und schleudern kann. Die wenigen Weltraumausflüge des Vorgängers sind ebenso wieder vorhanden wie actionreiche Bahnfahrten. Im All kann sich der Spieler nun aber eine begrenzte Zeit lang ohne Barrieren bewegen und verirren - spaßig ist es allemal.

„Dead Space 2“ ist ein Shooter für Erwachsene

Dead Space 2

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, 360 Homepage

Für den deutschen Markt erschien der Titel mit über einem Monat Verspätung, dafür sorgten eine Handvoll Politiker, die eine Indizierung verlangten. Zu brutal, zu reißerisch sei das Spiel. Mehrere Prüfungen sorgten schließlich dafür, dass der Mehrspielerpart dezent geschnitten ist. Eigene Verbündete kann man hier nicht mehr angreifen. Das klingt nicht schlimm, verbannt die deutschen Spieler jedoch auf eigene Server, wodurch es oftmals zu längeren Spielersuchen kommt - Spaß sieht anders aus. Abseits der „Menschen versus Mutanten“-Hatz wurde das Spiel allerdings nicht verändert. Noch immer ist es möglich, im Einzelspieler seine Gegner zu zerteilen und noch immer schockt der Titel auch durch seine Darstellung. Selbst, wenn sich die Gewalt nicht gegen menschliche Streiter stellt.

Schlussendlich ist „Dead Space 2“ definitiv ein Shooter für Erwachsene. Personen mit Herzproblemen sollten sich die Anschaffung zwar überlegen, ansonsten spricht jedoch nichts gegen ein weiteres Abenteuer mit dem psychisch vorgeschädigten Mechaniker. Fans des Vorgängers greifen sowieso zu.

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