Herausforderung wie in alten Zeiten

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Es ist ein Spiel, dass in die Verzweiflung treiben kann und dennoch durchgehend fesselt. Mit „Demon's Souls" kam nun ein Spiel auf den Markt, dass sich von der Masse abhebt.

Rollenspiele aus Asien sind in der Regel bunt, kitschig, erinnern sehr an Mangas und legen großen Wert auf rundenbasierte Kämpfe - so das Vorurteil. Mit „Demon‘s Souls“ bewiesen die Entwickler von „Japan Studio“ nun das Gegenteil und bringen ein wahres Schwergewicht in Stellung. Von Jan Schmitt

Wann kommt es schon einmal vor, dass der moderne Spieler vor Frust am liebsten sein TV-Gerät mit dem Controller tätowieren würde? Der Trend geht zu einfachen, leicht verständlichen Spielen mit problemlosem Einstieg. Der Spieler soll nicht frustriert sein, soll keine negativen Assoziationen herstellen, soll Erfolgserlebnisse am laufenden Band präsentiert bekommen und weitere Titel des Entwicklers kaufen. Doch was ist, wenn ein Spiel in die entgegengesetzte Richtung zieht, einen schwierigen Einstieg bietet und den Spieler laufend fordert oder gar frustriert?

Gegner wie diese Drachen sind harte Brocken und lassen sich zumeist erst später im Spiel erledigen. Ein Schlag ist manchmal schon tödlich.

„Demon‘s Souls“ ist kein Spiel, das man mal eben nebenbei spielt. Es ist auch kein Spiel, das durch eine komplexe Handlung an sich bindet. „Demon‘s Souls“ ist ein Spiel, in dem der Spieler ständig stirbt. Nach einer kurzen Charaktererstellung mit zahlreichen Möglichkeiten, was das Aussehen der eigenen Spielfigur und dessen Fertigkeiten betrifft, landet der Spieler im Tutorial und bekommt nach und nach neue Fertigkeiten vorgestellt. Vom Schildblock, über Paraden und Angriffe, bis hin zu magischen Talenten und Ausweichmanövern. Wirklich vorbereitet ist man dann aber doch nicht, wenn sich plötzlich hinter einem das Tor schließt und man vor einem riesigen Dämon steht. Einige Sekunden später liegt man auch schon am Boden.

Und dieser Tod ist gewollt, denn schnell wird klar: Das wird nicht das einzige Mal bleiben. Im Nexus - einer Art Ruhestation zwischen Tod und Lebendigkeit - werden wir wiedererweckt - ohne Körper und mit nur der Hälfte der Lebenspunkte. Man erklärt uns, dass wir erst wieder in unseren Körper schlüpfen können, wenn wir einen der großen Dämonen getötet haben. Und so geht es ohne großes Geschwafel direkt in die erste von insgesamt fünf großen Welten, die jeweils in mehrere Abschnitte unterteilt sind. Doch - wen wundert‘s - zwischen der eigenen Spielfigur und dem erwarteten Boss warten geschätzte 100 Gegner.

Das Inventar und Attributsmenü ist zwar übersichtlich, pausiert das Spiel jedoch nicht und sorgt somit für böse Überraschungen.

Also wird je nach Klassenwahl die Waffe gezückt, das Schild in Bereitschaft gehalten oder mit Zauberstab und Magierkleidung durch das Level gelaufen. Die Kämpfe fallen dabei taktisch aus. Nur, wer zum richtigen Zeitpunkt blockt und kontert, besiegt die Widersacher ohne Verlust der eigenen Lebensenergie. Je nach Art und Waffe des Gegners empfehlen sich zudem unterschiedliche Bewegungsmuster. Sollte man Rittern, die wild die Axt schwingen, am besten ausweichen, um in ihren Rücken zu gelangen, so lassen sich Fernkämpfer am besten per schnellem, offensivem Angriff ausschalten.

Im Online-Modus können andere Spieler rote Notizen auf den Boden legen und somit beispielsweise vor Fallen oder besonders starken Gegnern warnen.

Doch wie man es auch macht: Man wird sterben. Da springen einem plötzlich Gegner in den Nacken, fliegen Brandbomben durch die mittelalterlichen Gebiete, setzen Drachen ganze Brücken in Brand oder werden heimtückische Fallen in Gang gesetzt. Nur, wer wie ein Paranoider durch die Gebiete geht, sich Schritt für Schritt vorarbeitet, alles beobachtet und sich immer einen Fluchtplan im Hinterkopf behält, kann das Level ohne größere Überraschungen schaffen. Alle anderen landen wieder im Nexus - egal, ob sie als Geist oder Lebendiger sterben. Die zahlreichen Items, die sich an jeder Ecke finden lassen, werden zwar behalten, allerdings geht die wichtigste Ressource des Spiels erst einmal flöten: Seelen.

Demon's Souls

Ab 18 Jahren Erhältlich für: PS3

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Jeder Gegner verliert bei seinem Ableben ein paar Seelen. Je stärker der Gegner, desto größer die Anzahl. Mit Seelen lassen sich die eigenen Fertigkeiten erhöhen, die Waffen aufrüsten, Zauber und Wunder lernen und einprägen und beispielsweise Heilkräuter oder neue Waffen kaufen. Stirbt man, so erscheint am Ort des Ablebens eine Blutlache, in der sich die gesamten gesammelten Seelen befinden. Alle besiegten Gegner (mit Ausnahme der Bosse) erscheinen jedoch wieder. Schafft man es nun, erneut zu seiner Blutlache vorzudringen, so besitzt man logischerweise die doppelte Anzahl an Seelen, stirbt man erneut, so verschwindet die Lache.

Die Sucht kommt trotzdem

Trotz des enorm hohen Schwierigkeitsgrades entfesselt das Spiel so einen enorm hohen Suchtfaktor. Nie ist etwas unfair, nur herausfordernd. Stirbt man, so hat man einen Fehler gemacht und weiß es das nächste Mal besser. So kommt es dann zwar teilweise zu zwanzig Anläufen pro Level, umso größer ist jedoch die Freude, wenn man ihn endlich abgeschlossen hat. Wer das Spiel vollendet, der kann es zudem bis zu sieben Mal neu starten und bekommt jedes Mal noch härtere Gegner - und damit mehr Seelen - vorgesetzt.

Ist ein bestimmter Stein gefunden, so lassen sich Partien anderer Spieler infiltrieren. Nun gehört der Spieler zu den Monstern und macht es dem Helden noch schwerer.

Wer mit eingeschaltetem Playstation-Network spielt, der wechselt automatisch in den Multiplayermodus. Dieser unterscheidet sich nur in wenigen Punkten vom Einzelspieler. Andere Spieler werden als weiße Schemen dargestellt und zeigen somit, genau wie Blutlachen mit hilfreichen Notizen, eventuelle Gefahren oder alternative Wege. Weiterhin lassen sich, ist man in Körperform, andere Spieler in Geistform hinzurufen, die einem unter die Arme greifen. Wer es lieber diabolisch mag, der steigt gar als Eindringling in fremde Spiele ein und lauert dem Spieler auf, um dessen Seelen zu rauben - geht jedoch auch die Gefahr ein selbst alle zu verlieren.

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