14 Jahre Entwicklungszeit für einen Mythos

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14 Jahre sind seit Entwicklungsstart vergangen. 14 Jahre lang musste sich der Duke anderweitig beschäftigen. Also ging der absolute Kult-Held der Videospielbranche auf Haifischfang.

Urgestein und Running-Gag, überzeichneter Action-Held und Weltenretter: Der Duke ist da. Nach 14 Jahren Entwicklung stellt sich der muskelbepackte Frauenheld einer neuen Bedrohung entgegen und entführt den Spieler in die Vergangenheit. Von Jan Schmitt

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Wann immer in den vergangenen Jahren der Titel „Duke Nukem Forever“ fiel, machte sich schnell Gelächter breit. Mit 14 Jahren Entwicklungsdauer, zwölf Jahren Verspätung und dem mehrfachen Wechsel von Grafikengine und Entwicklerstudio schien das Projekt prädestiniert für Spott und Hohn. Lange stand eine Fertigstellung des Shooters auf der Kippe – und so wirklich glaubte auch niemand mehr an eine Veröffentlichung. Jüngere Generationen kennen gar nur mehr den Mythos, das Gelächter, das „When it's done“ („Wenn es fertig ist“) der Entwickler auf Anfrage nach dem Releasedatum.

Im Duke-Burger sind fast alle Lebewesen geschrumpft. Also wird zwischen Senfgläsern, Hackfleischscheiben und Geschirr gekämpft. Das klingt nicht nur innovativ, sondern macht auch noch einen Höllenspaß.

Doch was muss ein Spiel haben um überhaupt so einen Reiz, so einen Hype auszulösen? Ein Blick in die Gamesbranche offenbart viele Titel, die entwickelt, jedoch nie fertiggestellt wurden. Was machte den Duke also so besonders? Die einfachste Antwort auf diese Frage ist wohl der Charakter des überzeichneten Muskelprotzes. Mit flachem, blondem Kurzhaarschnitt, Sonnenbrille, Muskelshirt und lockerem Spruch auf den Lippen, karikierte der Duke den typischen Actionhelden der 80er Jahre. Er raucht Zigarren, dreht Pornos, kippt Bier in sich rein, umgibt sich mit schönen Frauen und rettet ganz nebenbei die Erde – mit Raketenwerfern wohlgemerkt.

Stillstand oder Spieldesign-Entwicklung?

Es ist also die Figur des Duke, die das Spiel in den Anfängen schon so populär machte. Er war nicht ernst zu nehmen und passte gut in die Anfänge des 3D-Shooters Mitte der 90er. Nur passt ein Stereotyp dieser Klasse noch in einen modernen Shooter? Mit der „Half Life“-Serie etablierte sich eine filmreife Story, Shooter wie „Call of Duty“ sorgen für bombastische Action und Script-Sequenzen, zahlreiche andere Shooter führten taktische Kämpfe, sinnvolle Fahrzeuge und Teamplay in das Genre ein. Wo steht der Duke nun also?

Ab und an klemmt sich der Macho auch hinter stationäre Geschütze. Dann ist stupides Ballern angesagt. Das sieht allerdings nicht wirklich schön aus.

Die Antwort ist – je nach Sichtweise – ernüchternd. „Duke Nukem Forever“ besitzt keine taktischen Raffinessen, keine Möglichkeiten seine Waffen aufzurüsten, kein Teamplay im Einzelspielermodus, keine atemberaubenden Scriptsequenzen und schon gar keine filmreife Geschichte. Doch eines liefert es: Das Gefühl, in der Zeit zurückzureisen. Ob das gefällt, das muss jeder für sich entscheiden, doch ist es in Zeiten der Uniformierung des Shooters durchaus unterhaltsam, einmal andere, ältere Wege zu beschreiten. Der Duke ist den Großteil seiner Zeit alleine unterwegs, wütet mit allerlei Knarren durch unglaublich dumme Gegner und rätselt sich durch interessantes Leveldesign.

Schweinepolizisten, Monstertrucks und Burgerscheiben

So schießen wir uns mit Schrotflinte und Pistole (der Duke darf nur zwei Waffen gleichzeitig mit sich führen) über Baustellen, bekämpfen riesige, doch leicht stupide, Bossgegner in weitläufigen Arenen oder laufen geschrumpft durch einen „Duke Burger“, springen über Regale und Dosen, duellieren uns mit ebenfalls geschrumpften Schweinepolizisten und hüpfen von Hackfleischscheibe zu Hackfleischscheibe. Die Qualität der Level schwankt dabei allerdings stark, denn während das Fast-Food-Restaurant und der unterirdische Alienkomplex unglaublichen Spaß machen, langweilen Fahrsequenzen in Buggy oder Monstertruck ebenso wie der langatmige Unterwasserlevel. Abwechslung ist dank der Detailverliebtheit dennoch vorhanden, denn besondere Funde steigern die Lebenskraft des Helden.

Im eigenen Stripclub kann der Duke entspannen. Hier lassen sich zudem die meisten Ego-Steigerungsitems finden. Einige Dosen Bier sind natürlich auch vorhanden.

Der Humor des Spiels ist dabei jedoch fragwürdig. Witze und Anspielungen beschränken sich oftmals auf Brüste, Sex, das Gehänge des Duke oder sonstige, fast schon pubertäre Levelelemente. Belohnt wird, wer alles ausprobiert. Egal, ob das Gloryhole im Duke-Strip-Club, der Flipperautomat in der eigenen Wohnung oder schlichtweg das Schlagen auf brustähnliche Auswuchtungen im Alienschwarmbau. Das passt zwar alles zur Figur des Machos, wirkt in der Masse jedoch überladen. Nutzbare Items wie Bier (Duke hält mehr aus), Stereoide (Duke haut alles im Nahkampf um) oder der Holoduke (Unsichtbarkeit samt ablenkendem Klon) lassen sich ab und an zwar ebenfalls finden, werden für das Absolvieren des Einzelspielermodus jedoch nicht benötigt. Wir hätten uns gewünscht, dass die zahlreichen versteckten Elemente ebenfalls interessante Wirkungen gehabt hätten.

Im Casino, dem Duke-Casino, fährt der Protagonist mit Spielzeug-Buggies herum und begegnet den Schweinepolizisten, die Kenner schon aus den Vorgängertiteln kennen.

Der Multiplayermodus ist genau das, was ein Multiplayermodus vor rund zehn Jahren war. Egal ob simples Deathmatch, Team-Deathmatch, „Capture the Babe“ (eine Art Capture the Flag) oder die anderen Spielmodi: Es fehlt an Innovation. Oftmals stirbt man im Sekundentakt, da Spieler jedes Teams nur über die Karten hetzen und alles innerhalb von Sekunden zu rotem Brei verarbeiten. Wer darin erfolgreich ist und die zahlreichen Herausforderungen absolviert, der wird mit Extras wie Hüten, Brillen und Shirts belohnt, zudem lässt sich im Rang aufsteigen und Statuen, Objekte und Frauen für die eigene Wohnung freischalten.

Duke Nukem Forever

Ab 18 Jahren

Erhältlich für: PC, PS3, 360

Homepage

Technisch ist „Duke Nukem Forever“ akzeptabel, aber nie wirklich schön. Die dunkle, raunende Originalstimme von John St. John macht den Titel besonders in englischer Originalvertonung zum Erlebnis, im Deutschen erlebt man die Synchronstimme von Bruce Willis. Wer mit Shootern alter Schule etwas anfangen kann, für den ist „Duke Nukem Forever“ ein wahres Fest an Nostalgie, Spaß und Abwechslung. An heutigen Standards gemessen kann der Titel aber nicht mit der Konkurrenz mithalten.

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